Schrauben statt Schminken

Die 17-Jährige Jasmin Thormählen schraubt in ihrer Freizeit gern an alten Treckern / Johann Mohr schenkt ihr einen 63 Jahre alten Lanz

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HORST/KLEIN NORDENDE „Target“ heißt eine Hilfsorganisation von Rüdiger Neh-berg. Das aktuelle Projekt steht unter dem Motto „Für die Mädchen Afrikas“ und richtet sich gegen die genitale Verstümmelung von jungen Frauen. Zu jenen, die Nehberg seit Jahren unterstützen, gehört Johann Mohr, den alle nur Jan nennen. Vielen Einheimischen wird sein Hof in Horst-Hahnenkamp als Heim des „Museums unter Reet“ für alte Fahrräder ein Begriff sein. Mohr selbst ist leidenschaftlicher Treckersammler. Rund 40 alte Schlepper haben in seiner Halle ein Zuhause gefunden. Ein Hobby, das er mit der 17-jährigen Jasmin Thormählen aus Klein Nordende teilt.

Die Hilfsorganisation von Nehberg, der Treckersammler Mohr und die junge Trecker-Freundin Thormählen -wie passt das alles zusammen? Ganz einfach: Zu Mohrs Treckersammlung gehört ein Lanz 1666, Baujahr 1955. „Ganz wenige kennen diesen sehr seltenen Typ mit zwei stehenden Zylindern“, erklärt er. Zu denen, die ihn kennen, gehört Jasmin Thormählen, die mit ihren 17 Jahren schon eine stattliche Sammlung von 23 Treckern vorweisen kann. Doch dieser eine gehörte bislang nicht dazu. Was sich demnächst ändern wird. Denn Mohr beschloss, Jasmin den Lanz zu schenken - unter der Bedingung, dass sie für „Target“ 416,50 Euro spendet.

Warum gerade 416,50 Euro? „Weil Rüdiger Nehberg 83 Jahre alt ist, und ich spende auch 416,50 Euro, so dass die Summe 833 ergibt.“ Doch die Erklärung geht noch weiter: 833 sei nämlich auch die Hälfte von 1666 - der Typenbezeichnung des Lanz. Die übrigen 833 Euro sollen durch weitere Spenden zusammen kommen. Wer sich für die Hilfsorganisation interessiert: Infos zu „Target“ gibt es auf der Homepage www.target-nehberg.de. „Ich habe Rüdiger Nehberg zuletzt Anfang des Jahres im Elmshorner Theater gesehen“, verrät Mohr. „Ein wirklich beeindruckender Mann.“ Dass er seinen seltenen Trecker einem jungen Mädchen spendet, verweise auch auf das Ziel der Hilfsorganisation, jungen Frauen in Afrika beizustehen.

Mit ihren 17 Jahren darf Jasmin Thormählen Autos nur in Begleitung fahren -Trecker aber längst allein. Ihr Vater Jürgen ist Chef des Familienunternehmens Thormählen Landmaschinen. „Jasmins Schlepper-Leidenschaft fing schon mit drei Jahren an“, erzählt er. Da habe er sie mit einem Deutz zum Kindergarten gebracht, „und da wollten die anderen Kinder natürlich auch mal mitfahren“. Mit acht fuhr Jasmin erstmals selbst Trecker, gerade einmal 13 war sie, als sie mit ihrem Opa den ersten Trecker reparierte. Auch den Lanz will sie selbst herrichten. Ob er fahrbereit ist, wissen zurzeit weder sie noch Jan Mohr.

„Im Sommer habe ich dafür Zeit“, sagt' Jasmin, die zurzeit noch die KGSE besucht und kurz vor ihrem Schulabschluss steht. Im Sommer wird sie dann eine Lehre beginnen - natürlich „vom Fach“ beim Landmaschinenhändler Meifort in Dägeling. Ihre 23 Trecker sind alle Jahrgang 1970 oder älter. „Einige Schlepper habe ich noch von meinem Opa übernommen“, verrät die 17-Jährige, die selbstredend auch Mitglied im Lanz-Bulldog-Club ist. Der „Neue“ passt also prächtig in ihre Sammlung. Nun muss nur noch ein Termin ausgemacht werden, wann Jasmin Thormählen den Lanz 1666 aus Horst abholen kann. „Möglichst bald schon“, hofft die Trecker-Freundin. Carsten Wittmaack

aus den Elmsorner Nachrichten vom 24.05.2018

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