Vier Bücher auf dem Prüfstand

Literarisches Quartett der Elmshorner Nachrichten im Klein Nordender Töverhuus / Karten ab Freitag

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ELMSHORN/KLEIN NORDENDE Das Literarische Quartett der Elmshorner Nachrichten geht wieder auf Tournee. Zum zweiten Mal sind die vier Bücherfreunde samt Moderator in Klein Nordende zu Gast. Am 20. April bespricht die Kritikerrunde im Töverhuus, Dorfstraße 80, aktuelle Romane. Der Abend beginnt um 20 Uhr, Einlass ist 19 Uhr.

Für ihre Frühjahrstagung hat sich das Quartett vier Bücher deutschsprachiger Autoren ausgesucht. Genauer gesagt, sind es überwiegend Werke deutsch-österreichischer Herkunft. Die Bände zieren Bestsellerlisten und werden heiß diskutiert - unterhaltsamer „Zoff“ auf dem Podium und pointierte Meinungen sind garantiert.

Rund eineinhalb Stunden lang wollen Christel Storm (Buchhändlerin, Chefin des Elmshorner Kunstvereins), Barbara Lutz (Lehrerin), Ernst Thies (ehemaliger Chefarzt des Elmshorner Klinikums) und Dierk Wulf (Journalist) im Töverhuus diskutieren. Moderator des Quartett-Abends ist wie immer EN-Redakteur Knuth Peftaranda.

Diese Bücher haben sich die Quartettmitglieder diesmal vorgenommen: Christel Storm beschäftigt sich mit
dem Roman „Das Floss der Medusa“ von Franzobel. Barbara Lutz liest das Buch „Unter der Drachenwand“ von Arno Geiger, Ernst Thies bespricht „Tyll“ von Daniel Kehlmann und Dierk Wulf stellt den Roman „Was man von hier aus sieht“ von Mariana Leky vor.

Karten für den ersten Auftritt im Jahr 2018 des literarischen Quartetts der Elmshorner Nachrichten gibt es ab 16. März ausschließlich in der EN-Geschäftsstelle, Schulstraße 62-66, Elmshorn. Die Tickets kosten fünf Euro.    en

www.toeverhuus.de

en 180314aMARIANA LEKY WAS MAN VON HIER AUS SEHEN KANN

Selma kann den Tod voraussehen. Immer, wenn ihr im Traum ein Okapi erscheint, stirbt am nächsten Tag jemand im Dorf. Unklar ist allerdings, wen es treffen wird. Davon, was die Bewohner in den folgenden Stunden fürchten, was sie blindlings wagen, gestehen oder verschwinden lassen, erzählt Mariana Leky in ihrem Roman. „Was man von hier aus sehen kann“ ist das Porträt eines Dorfes, in dem alles auf wundersame Weise zusammenhängt. Aber es ist vor allem ein Buch über die Liebe unter schwierigen Vorzeichen, Liebe, die scheinbar immer die ungünstigsten Bedingungen wählt. Für Luise zum Beispiel, Selmas Enkelin, gilt es viele tausend Kilometer zu überbrücken. Der Mann, den sie liebt, lebt im fernen Japan.

Mariana Leky, „Was man von hieraus sehen kann“, Roman DuMont, gebunden, 320 Seiten, 20 Euro.

en 180314bDANIEL KEHLMANN TYLL

Tyll Ulenspiegel - Vagant und Schausteller, Entertainer und Provokateur -wird zu Beginn des 17. Jahrhun-
derts in einem Dorf geboren, in dem sein Vater, ein Müller, als Magier und Welterforscher schon bald mit der Kirche in Konflikt gerät. Tyll muss fliehen. Auf seinen Wegen durch das vom Dreißigjährigen Krieg verheerte Land begegnet er dem jungen Gelehrten und Schriftsteller Martin von Wolkenstein, dem melancholischen Henker Tilman und Pirmin, dem Jongleur, dem sprechenden Esel Origines, dem exilierten Königspaar Elizabeth und Friedrich von Böhmen und nicht zuletzt dem fanatischen Jesuiten Tesimond und dem Weltweisen Athanasius Kircher. Ihre Schicksale verbinden sich zu einem Zeitgewebe, zum Epos vom Dreißigjährigen Krieg.

Daniel Kehlmann, „Tyll“, Roman, Rowohlt, gebunden, 480 Seiten, 22,95 Euro.

en 180314cFRANZOBEL DAS FLOSS DER MEDUSA

18. Juli 1816: Vor der Westküste von Afrika entdeckt der Kapitän der Argus ein etwa zwanzig
Meter langes Floß. Was er darauf sieht, lässt ihm das Blut in den Adern gefrieren: hohle Augen, ausgedörrte Lippen, Haare, starr vor Salz, verbrannte Haut voller Wunden und Blasen ... Die ausgemergelten, nackten Gestalten sind die letzten 15 von ursprünglich 147 Menschen, die nach dem Untergang der Fregatte Medusa zwei Wochen auf offener See überlebt haben. Da es in den Rettungsbooten zu wenige Plätze gab, wurden sie einfach ausgesetzt. Diese historisch belegte Geschichte bildet die Folie für Franzobels epochalen Roman, der in den Kern des Menschlichen zielt. Wie hoch ist der Preis des Überlebens?

Franzobel, „Das Floss der Medusa“, Roman, Zsolnay, geb., 592 Seiten, 26 Euro.

en 180314dARNO GEIGER UNTER DER DRACHENWAND

Veit Kolbe verbringt ein paar Monate am Mondsee, unter der Drachenwand, und trifft hier zwei junge Frauen. Doch Veit ist Soldat auf Urlaub, in Russland verwundet. Was Margot und Margarete mit ihm teilen, ist seine Hoffnung, dass irgendwann wieder das Leben beginnt. Es ist 1944, der Weltkrieg verloren, doch wie lang dauert er noch? Arno Geiger erzählt von Veits Alpträumen, vom "Brasilianer", der von der Rückkehr nach Rio de Janeiro träumt, von der seltsamen Normalität in diesem Dorf in Österreich - und von der Liebe. Ein herausragender Roman über den einzelnen Menschen und die Macht der Geschichte, über das Persönlichste und den Krieg, über die Toten und die Überlebenden.

Arno Geiger, „Unter der Drachenwand“, Roman, Carl Hanser Verlag, gebunden, 480 Seiten, 26 Euro.

aus den Elmshorner Nachrichten vom 14.03.2018