Logo DRK DRK Blutspenden

Nächster Termin zum Blutspenden im Gemeindezentrum ist

Montag, 01. Oktober 2018, 15.30 - 19.30 Uhr

 

Informationen zum Thema Blutspende finden Sie auch unter www.drk-blutspende.de

Kirche kämpft gegen Missbrauch

Präventionsgesetz: Pilotprojekt auch in Klein Nordende

ELMSHORN/KLEIN NORDENDE Sexueller Missbrauch in der evangelischen Kirche? Das war bis vor einigen Jahren für viele noch undenkbar. Wenn überhaupt, dann passiere so etwas doch nur bei Katholiken, war die einhellige Meinung. Aber dann nahm eine Frau im Jahr 2010 ihren Mut zusammen und berichtete von einem Pastor der nordelbischen Kirche, der sie und andere Jugendliche in den 1970er und 1980er Jahren sexuell missbraucht habe. Bald meldeten sich weitere Betroffene, viele aus der Gemeinde Ahrensburg. Und die Hamburger Bischöfin Maria Jepsen trat zurück.

Inzwischen hat sich in der Nordkirche viel getan, die Leitung beschloss, alles umfassend aufzuklären. Erst in der vergangenen Woche verabschiedete die Landessynode ein Präventionsgesetz, das Kinder und Jugendliche besser vor sexuellem Missbrauch schützen soll. Jetzt ist jede kirchliche Einrichtung verpflichtet, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

en 180307Im Kirchenkreis Rantzau-Münsterdorf wird das bereits umgesetzt. Der stellvertretende Propst Torsten Becker hat drei Kirchengemeinden und die Flüchtlingsarbeit für das Pilotprojekt ausgewählt, diese sollen in den kommenden Monaten ein Schutzkonzept für Kinder und Jugendliche ausarbeiten. Eine dieser Gemeinden ist die Bugenhagen-Gemeinde in Klein Nordende. „Wir wurden nicht ausgewählt, weil es bei uns irgendwelche Probleme geben würde“, betont Pastor Lars Därmann. „Es ging einfach darum, drei Kirchengemeinden unterschiedlicher Größe auszuwählen.“ Dennoch ist Därmann das Thema wichtig. „Es wäre leicht zu sagen: Wir sind hier alle Christen, deshalb kann so etwas bei uns nicht passieren - nur haben Fälle wie der in Ahrensburg leider gezeigt, dass dem nicht so ist“

Ihm geht es nicht nur um die Verhinderung von sexuellen Übergriffen, sondern generell darum, dass in der Kinder- und Jugendarbeit ein offener Umgang untereinander herrscht. „Wenn jemandem etwas komisch vorkommt, dann sollte er keine Angst haben, das offen anzusprechen“, sagt Därmann. „Allein das hilft schon, Menschen mit pädophilen Neigungen von unserer Gemeinde femzuhalten.“ In Kirchengemeinden gebe es ebenso wie etwa in Sportvereinen einen großen Vertrauensvorschuss. Und es gebe Menschen, die das ausnutzen.

Bei einem ersten Treffen der Mitarbeiter der Kinder- und Jugendarbeit mit Erziehungsberater Guido Machatzke von der Diakonie ging es dämm, die Ziele des Pilotprojekts schon einmal grob abzustecken. Dabei kamen bereits einige Punkte für ein besseres Sicherheitsgefühl auf den Tisch, die sich größtenteils leicht um-setzen lassen. „Wir wollen zum Beispiel Lampen bei den Fahrradständern anbringen, dunkle Nischen in unseren
Räumlichkeiten beleuchten und eine Teilnehmerliste der Kinder anlegen, die an der Kinderkirche teilnehmen.“

Ein erweitertes Führungszeugnis für jeden, der mit Kindern und Jugendlichen arbeitet, verlangt die Kirchengemeinde ohnehin bereits seit Jahren - auch das eine Folge der Vorfälle aus Ahrensburg.

Aber das alles reicht Därmann noch nicht In den kommenden Monaten werden sich unter Leitung von Guido Machatzke alle Mitarbeiter der Kinder- und Jugendarbeit die Strukturen in der Gemeinde genau ansehen und Regeln und Verhaltensrichtlinien für den Umgang mit Minderjährigen aufstellen.

Bis zum 20. Oktober will die Bugenhagengemeinde die sogenannte Gefahrenanalyse abgeschlossen haben, danach geht es an die Entwicklung eines Schutzkonzeptes. Die Kosten allein für die Analyse liegen bei 1000 Euro. Davon tragen der Kirchenkreis und die Gemeinde jeweils die Hälfte. Wichtig ist Pastor Därmann, dass mit dem Schutzkonzept niemand bespitzelt oder eingeschränkt werden soll.

Lob für ihre Initiative bekommt die Kirche vom Wendepunkt, der Anlaufstelle gegen sexuelle Gewalt in Elmshorn. „Wir unterstützen die Entscheidung der Nordkirche, die Prävention und Intervention gegen sexualisierte Gewalt kirchenrechtlich zu verankern. Zum Schutz gerade von Kindern und Jugendlichen ist es wichtig, dass sich Institutionen ihrer besonderen Verantwortung bewusst sind und ein klares Schutzkonzept aufstellen“, so Ingrid Kohlschmitt, Leiterin des Wendepunktes. Cornelia Sprenger

aus den Elmshorner Nachrichten vom 07.03.2018