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Wurst oder Wurm - egal

Wurst oder Wurm - egal

Diavortrag im Töverhuus: Abenteurer Rüdiger Nehberg gab Querschnitt seines aufregenden Leben.

Von Joachim Krosta

Klein Nordende. Allein im Regenwald - Für die Einen der reinste Horror: Schwüle, Mücken, Schlangen - grüne Hölle. Für die Anderen die Herausforderung schlechthin: kein Meter ohne gefährliche Überraschung, gefüllte und abwechslungsreiche Speisekammer, Action pur, grünes Paradies. Das ist Rüdiger Nehbergs zweite Heimat. Der ehemalige Bäcker aus Hamburg nahm am vergangenen Freitag im Töverhuus in Klein Nordende 90 Zuschauer an die Hand und ließ sie an seinen Erlebnissen teilhaben.
In seiner zweistündigen Diareportage erzählte Nehberg den Zuschauer im ausverkauften Töverhuus von seiner Besessenheit zum Risiko und von seinen Engagement im Kampf für die Beendigung der weiblichen Genitalverstümmelung. Er sprach mit Worten, Händen und Füßen über Abenteuer bei den Yanomamis, sein Leben als Aktivist für Menschenrechte und vermittelte anhand seiner Atlantik-Überquerungen sein unglaubliches Wissen zum Thema Survival (Überleben).
Viel gelernt habe er bei der Bundeswehr. Und besonders bei den Kampfschwimmern. "Die machen aus Menschen Delfine", beschrieb Nehberg mit viel Witz seine dortige Ausbildung. Die Lacher waren auf seiner Seite - noch. Denn neben Spaß erlebte er auch Gefahr und Todesangst. So beschrieb Nehberg eine Reise durch Afrika, durch ein Gebiet mit Bürgerrechtskriegen. "Plötzlich tauchten bewaffnete Rebellen aus dem Nichts auf. Sie fingen sofort an, mit ihren Gewehren auf uns zu schießen. Unser Kameramann Thomas wurde in den Kopf getroffen. Er war sofort tot." Da beerbte die Betroffenheit die Heiterkeit im Töverhuus. Und jeder Gast bekam auf dramatische Weise die Gefahren erzählt und per Dia zu Gesicht, derer sich Nehberg auf seinen Reisen aussetzte.
Deutschlands bekanntester Abenteurer erzählte danach vom Bestehen zwischen kalkulierbaren Naturgewalten und unberechenbaren Menschengestalten. Bilder zwischen Witz und Schock, zwischen Steinzeit und Gegenwart, von Freiheit und Gefangenschaft, von Leben und Tod.
Aber Nehberg zeigte sich nicht als der Meister des Survivals und verglich einen ein Meter langen Wurm - wenn er denn gegrillt wurde - mit zwei Thüringer Bratwürsten. Und wenn man ihn auf zwei Meter zöge, dann auch mit vier Thüringern. Und: "Insekten sind das Steak des kleinen Mannes."
Er kämpft auch immer für die Menschlichkeit. Selbstvertrauen und Zivilcourage vermehrte der Konditormeister und zeigte, wie man diese Stärken einsetzen kann. Dort, wo Naturschutz und Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Wo Geschundene dieser Welt Hilfe brauchen. Und um so seinem eigenen Leben Spannung und Erfüllung zu geben.
"Ein bisschen Besessenheit muss man schon mitbringen," beschrieb Nehberg sich. Und er hätte noch so viele Reisen im Kopf, aber seine Restlebenserwartung sei zu gering. Dennoch: "Der Horror kennt keine Grenzen. Ich mache weiter", versprach der 72-Jährige.

Abenteurer Rüdiger Nehberg"
erzählte von seinen Reisen.
Mit Worten, Händen und Füßen fesselte er die Aufmerksamkeit der Besucher im Töverhuus.
Foto:Jo

aus den Elmshorner Nachrichten vom 02.10.2007

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