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Nach Bahnunfall: Kalkgrube säuft ab


Gift aus verunglücktem Kesselwagen bringt natürliches Entwässerungssystem durcheinander.

Von Garsten Petersen

Klein Nordende/Tornesch. Ungeahnte Auswirkungen des großen Zugunglücks in Tornesch: Der bei dem Unfall am 23. Januar aufgerissene Kesselwagen sorgt für steigendes Wasser im Naturschutzgebiet Liether Kalkgrube in Klein Nordende. Außergewöhnliche, rund 280 Millionen Jahre alte geologische Profile, aber auch seltene Tiere und Pflanzen sind bedroht. Wie kann das passieren?


Der Gipshut in der Liether Kalkgrube ist bereits von allen Seiten vom Wasser umgeben.
Foto: Feddersen

Das Zugunglück ereignete sich etwa 600 bis 700 Meter Luftlinie von der Kalkgrube entfernt. Ein Chemie-Waggon stürzte in den Entwässerungsgraben neben dem Bahndamm und aus dem Kessel lief Chloressigsäure aus. Der Graben wurde umgehend abgeschottet, damit sich nicht mehr Wasser als nötig mit den Schadstoffen vermischt - eine wichtige Ader im natürlichen Entwässerungssystem der Region ist seitdem unterbrochen.
Inzwischen ist beim Graben an der Unglücksstelle ein Bypass ausgehoben worden. Doch in den Tagen zuvor führte die Unterbrechung zu einem starken Rückstau. Hinzu kamen die Regenfälle. Und: Auch die Pumpen in der Kalkgrube, leiten das Wasser in den besagten Graben. Sie sind jetzt ausgeschaltet worden, um das völlig überlastete, natürliche Entwässerungssystem nicht noch mehr zu strapazieren. Zuerst sollen die betroffenen Wohngebiete und landwirtschaftlichen Flächen wieder entwässert werden. "Schaden von der Bevölkerung abzuwenden hat für uns oberste Priorität", so Andreas Köhler, Sprecher der Kreisverwaltung.
Das sieht Hans-Joachim Wohlenberg, ehrenamtlicher Betreuer der Kalkgrube, auch so. Doch zugleich beobachtet er mit Sorge, wie in dem einmaligen Biotop das Wasser bereits um rund 50 Zentimeter gestiegen ist. Er befürchtet, dass die besonderen Erdschichten verschlammen und die geologischen Profile ins Rutschen geraten könnten. Außerdem leiden zum Beispiel Kröten und Lybelleneier unter der Überschwemmung genauso wie die Orchideen und andere seltene Pflanzen. Wohlenberg hofft, dass möglichst bald die Pumpen wieder angestellt werden können. Er sagt: "Es muss wieder ein vernünftiger Wasserstand hergestellt werden. Je eher, umso besser". Eine Umleitung des Grubenwassers zum Beispiel in Richtung Krückau, so Wohlenberg weiter, "geht leider nicht". Im Kreisumweltamt sieht man die Problematik. "Wir hoffen, dass wir die Pumpen morgen oder übermorgen wieder in Gang setzen können - wenn das Wetter mitspielt", so Sprecher Andreas Köhler.

aus den Elmshorner Nachrichten vom 07.02.2007

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