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Liether Kalkgrube ausgezeichnet

Liether Kalkgrube ausgezeichnet - EN vom 16.05.2006


Liether Kalkgrube von Erdforschern ausgezeichnet

Akademie aus Hannover verleiht Titel "Nationaler Geotop" an Naturschutzgebiet in Klein Nordende

Von Bert C. Biehl

Klein Nordende. Große Ehre für ein landschaftliches Kleinod: Am vergangenen Freitag hat die Akademie der Geowissenschaften in Hannover der Liether Kalkgrube den Titel "Nationaler Geotop" verliehen. Damit gehört das rund 16 Hektar große Klein Nordender
Naturschutzgebiet zu den 77 bedeutendsten Geotopen Deutschlands. In Schleswig-Holstein haben außerdem nur die Insel Helgoland und das Morsum-Kliff auf Sylt dies Prädikat erhalten. 180 Vorschläge waren zu dem Wettbewerb der Akademie eingereicht worden.
"Wir freuen uns sehr über diese Auszeichnung. Damit wird unser jahrelanger Einsatz gewürdigt", sagt Hans-Joachim Wohlenberg von der Kulturgemeinschaft Tornesch, die sich seit 20 Jahren um den Erhalt der Liether Kalkgrube kümmert.
Wohlenberg war gemeinsam mit Klein Nordendes Bürgermeister Hans-Barthold Schinckel, dem Flintbeker Geologen Dr. Alf Grube sowie Harald Schulz von der Kulturgemeinschaft und Heike Petersen von der Unteren Naturschutzbehörde zur Verleihung nach Hannover gereist. Der Bundes-beauftragte für Tourismus, Ernst Hinsken, sowie Helga Frankenstein vom Bundes-Bildungsministerium überreichten die Urkunde.
Geld oder Privilegien seien zwar nicht mit dem Titel verbunden. Doch empfehlen sich einige der Naturschönheiten zur Aufnahme in die Liste der UNESCO-Welterbestätten, sagt Akademie-Geschäftsführer Professor Dr. Ernst-Rüdiger Look. Die besondere Bedeutung der Liether Kalkgrube für die Geologie liege darin, daß hier Formationen freigelegt wurden, deren Entstehung bis zu 270 Millionen Jahre zurückliegt - Erdschichten, die sonst erst in 5000 Metern Tiefe zu finden sind, liegen in Lieth obenan. Schuld ist ein Salzstock.

Auch gestern forschte der Geologe Dr. Alf Grube vom Landesamt für Natur und Umwelt in der Liether Kalkgrube. Hier untersucht er einen Frostkeil aus der letzten Eiszeit - zirka 12 000 Jahre alt.

Dies alles liegt sonst 5000 Meter tief

Sensation Liether Kalkgrube: Ein Salzstock hat die Formationen an die Oberfläche gedrückt.

Von Bert C. Biehl

Klein Nordende. Es ist wie ein Bilderbuch der Erdgeschichte. Wer die Liether Kalkgrube besucht, durchwandert mit wenigen Schritten eine Entwick-lung, die Jahrmillionen dauerte.
Rund 270 Millionen Jahre alte Erdschichten - sie liegen üblicherweise mindestens 5000 Meter tief. Doch hier in Klein Nordende sind nur 30 Meter Abstieg in die Grube nötig - oberirdische Einblicke in die Bastelstube von Mutter Erde, für die man sonst tief in ein Bergwerk einfahren müßte. Schuld daran ist ein Salzstock, der beim Aufstieg die über ihm liegenden Schichten nach oben drückte.


Fulminantes Farbenspiel: Die Ostseite der Liether Kalkgrube mit Gesteinen des Rotliegenden (rote Farbe, Eisenoxide) und des Zechsteins (graue Farben).

Daß diese geologische Besonderheit überhaupt entdeckt wurde, ist der Eisenbahn zu verdanken. Beim Bau der ersten schleswig-holsteinischen Strecke von Altona nach Kiel wurden 1844 rote Tone entdeckt, die dann 142 Jahre lang ausgebeutet und zu Ziegelsteinen verarbeitet wurden. 1925 wurden noch sogenannte Kalkaschen entdeckt, die dann als Dünger für kalkarme Böden und auch als Wegschotter verkauft wurden. Als die Grube 1980 noch einmal vertieft werde sollte, stießen die Arbeiter auf einen Gipshut - die Spitze des Elmshorner Salzstocks.
1986 lohnte sich der Abbau nicht mehr und wurde eingestellt. Gegen Überlegungen, die Grube zur Mülldeponie umzufunktionieren, kämpfte unter anderem auch die Kulturgemeinschaft Tornesch.
Es sei ein beschwerlicher Weg gewesen, bis die Grube 1991 zum Naturschutzgebiet erklärt wurde, erinnert sich Hans-Joachim Wohlenberg heute: "Der Vorgang füllt mehrere Aktenordner." Seither haben sich rund 7000 Besucher durch die Grube führen lassen.
Ihren neuen Status "Nationaler Geotop" hat die Liether Kalkgrube dem Umstand zu verdanken, daß hier außergewöhnliche Beispiele für das Wirken geologischer Kräfte für die Öffentlichkeit zu besichtigen sind. Zudem leben hier seltene Tier- und Pflanzenarten.


Seit 1991 ist die Liether Kalkgrube ein Naturschutzgebiet - Besucher können Führungen der Kulturgemeinschaft buchen


Die Spitze des Salzstockes: Ein Hut aus Gips, 80 Meter lang, 30 Meter breit. Der Salzstock darunter reicht 6000 Meter in die Tiefe.


Blick in die Liether Kalkgrube mit aufgeschlossenen Schichten Rotliegend- und Zechsteinschichten, bis zu 265 Millionnen Jahre alt.

• Für Fachleute interessant: das neue Buch "Faszination Geologie" über die 77 bedeutendsten Geotope Deutschlands, zu denen jetzt auch die Liether Kalkgrube zählt. Es erschien vergangenen Freitag zur Ehrung (Schweizerbart-sche Verlagsbuchhandlung, ISBN: 3-510-65219-3; 39 Euro.

Aus den Elmshorner Nachrichten vom Dienstag, den 16.05.2006.
Fotos: Hans-Peter Hildebrandt (3); Dr. Alf Grube (1).

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