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Klein Nordende ringt um seinen dörflichen Charakter

Vor einer Karte von Klein Nordende : Stefan Röhr-Kramer (links), Chef der WRS Architekten e[ Stadtplaner GmbH, und Bürger­meister Adolf Luitjens stellten das Ortsentwicklungskonzept in der Bürgermeister-Hell-Halle vor. Foto: Frank

KLEIN NORDENDE / jhf

Das Miss­trauen ist spürbar. Nicht jeder Klein Nordender begrüßt das neue Ortsentwicklungskon­zept, das in einem elfmona­tigen Prozess mit zwei Bür­gerwerkstätten sowie einem Workshop für Kinder und Ju­gendliche erarbeitet wurde. Die Gemeindevertretung soll es am Montag, 30. August, beschlie­ßen. Am Dienstag stellten Bürgermeister Adolf Luitjens und Stefan Röhr-Kramer, Ge­schäftsführer des Hamburger Büros WRS Architekten & Stadtplaner, die Ergebnisse in der Bürgermeister-Hell-Halle vor. Etliche der knapp 90 Be­sucher meldeten sich zu Wort, viele besorgt.

Vor allem ein Ergebnis erregte die Gemüter: Laut Konzept braucht Klein Nordende zu­sätzliche Mehrfamilienhäuser. Viele Bürger befurchten aber, dass der Ort damit seinen dörf­lichen Charakter verliert „Mir wird Angst und Bange. Mehr­stöckige Häuser sind nicht der Grund, warum wir hier leben“, sagte eine Besucherin.

Stadtplaner Röhr-Kramer er­läuterte, dass das Dorf bisher zu 96 Prozent aus Ein- oder Zweifamilienhäusern besteht. Es sei damit zu rechnen, dass künftig ein Drittel der Klein Nordender, also ungefähr 1100 Menschen, in Wohnungen umziehen wollen. Zum einen sei zu erwarten, dass junge Erwachsene ihre Elternhäuser verlassen, zum anderen, dass Senioren altersgerechte be­zahlbare kleine Wohnungen beziehen möchten. Diese fehlen aber in Klein Nordende.

Röhr-Kramer zeigte eine Land­karte, in der neun mögliche Standorte für Mehrfamilien­häuser dunkelrot und in hel­leren Rottönen Grundstücke für den Bau von Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäusern eingefärbt waren. Diese Areale seien ein Ergebnis der Bera­tungen. Die Karte kann unter www.klein-nordende.de ein­gesehen werden.

Der Architekt betonte, dass keineswegs sämtliche dieser Flächen bebaut werden sollen. Zum einen befinden sich die meisten in Privatbesitz. Es sei unklar, ob die Eigentümer die Grundstücke verkaufen wollen. Zum anderen könnten auch Vorgaben des Landes ge­gen eine Bebauung sprechen.

Aus Erfahrunglasse sich sagen, dass eine Kommune höchstens die Hälfte der theoretisch mög­lichen Areale bebauen könne. „Deshalb muss man sich mehr Flächen zurechtlegen, als man braucht“, sagte Röhr-Kramer. Das Ortsentwicklungskon­zept fasst daher Standorte für 665 Wohneinheiten in den Blick, obwohl Klein Nordende bis 2040 nur rund 300 neue Wohneinheiten benötige.

Welche Grundstücke wie hoch und in welcher Reihenfolge be­baut werden, legt das Konzept nicht fest. Das entscheidet die Gemeindevertretung nach Be­ratungen im Bauausschuss.

Das Konzept gebe nur eine Priorität vor: Anzustreben ist eine Bebauung auf freien Flächen nicht außer-, sondern innerhalb des Dorfes. Das sei umweltfreundlicher und güns­tiger, weil damit auf den Bau neuer Straßen verzichtet wer­denkönne, erläuterte Architekt Röhr-Kramer. Er empfahl, die ersten neuen Mehrfamilien­häuser auf einem Teil der Wie­se gegenüber dem Rewe-Markt zu errichten. Die Fläche hege zentral und sei an den Linien­busverkehr angeschlossen.

 

Der Ort soll langsam, wachsen

Das Ortsentwicklungs­konzept sieht für Klein Nordende ein Wachstum von 0,5 bis 1 Prozent pro Jahr vor. Stadtplaner Ste­fan Röhr-Kramer warnt: Ohne Wachstum gebe es bald nicht mehr genügend Kinder für die Kita und Schule sowie nicht aus­reichend Kunden für den Bäcker, den Supermarkt und den Busverkehr. Platz für junge Familien entste­he unter anderem, wenn Senioren ihre Einfamili­enhäuser verlassen und in Wohnungen umziehen.

Hollsteiner Allgemeine Zeitung, 07.08.2021

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