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Heiligabend sind die Pastoren im Dauereinsatz

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(Klein Nordende/rs) Für viele Christen ist Heiligabend ohne den Besuch der Kirche einfach unvorstellbar. An keinem anderen Tag gibt es so viele Gottesdienste. Für viele Pastoren bedeutet das: Sie sind im Dauerstress.

Zu ihnen zählt auch Lars Därmann. Gleich dreimal ist er Heiligabend in der Klein Nordender Bugenhagenkirche im Einsatz. Bei den Familiengottesdiensten um 14.30 und 16 Uhr und der Predigt um 17.30 Uhr. Därmann sieht das gleichwohl entspannt. "In dieser Gemeinde gibt es so viele Menschen, die mir helfen." Zum Beispiel Därmanns Vorvorgänger Gunter Steffen, der ihm den Gottesdienst am 4. Advent abnimmt. "Dafür bin ich ihm sehr dankbar", sagt Därmann. Die Zeit nutzt er unter anderem, um seine Predigt
vorzubereiten. "Die entsteht bei mir immer in Teilen, nicht am Stück", erklärt er.

Und wenn er Heiligabend kurzfristig ausfallen sollte? "Dann würden Laien des Kirchengemeinderats wie Kirchenmusikerin Isolde Kittel-Zerer den ersten und zweiten Gottesdienst übemehmen." Da dort auch der Kinderchor und das Krippenspiel der Jugendlichen ihren Platz hätten, hätte er da keine Sorge. "Für den dritten habe ich keinen Plan B, weil da ja die Predigt sein soll." Zur Not müsste dann eben viel gesungen werden. Der Pastor und seine Präsenz seien vor allem wichtig, um die Aufmerksamkeit vorn zu bündeln. "Auf einmal breitet sich Ruhe aus. Das geschieht nicht von allein", sagt Därmann. Schlimmer sei es aber, wenn Küster oder Musikerin ausfalle, sagt er mit hanseatischer Bescheidenheit. "Ein geschmückter Tannenbaum oder die Musik sind schwer zu ersetzen, weil dann die Atmosphäre fehlt. Doch die ist es, die im Gedächtnis haften bleibt."

Der 43-jährige gebürtige Itzehoer selbst liebt Heiligabend, trotz der dazu gehörenden Anspannung. "Es sind mehr Endorphine als Adrenalin", sagt er. "Wenn man die volle Kirche sieht, die Kinder erlebt, dann geht mir das Herz auf."

Der Pastor selbst sieht seine Frau und die beiden 18 Monate und drei Jahre alten Kinder erst am Abend. Das reiche noch für ein kurzes gemeinsames Essen. Die große Bescherung gebe es erst am nächsten Tag bei seinen Eltern. "An dieses Warten müssen sich Pastorenkinder gewöhnen", sagt Därmann.

aus der Holsteiner Allgemeinen Zeitung vom 24.12.2015

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