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Jäger sichtet einen Wolf im Liether Moor

Beauftragter des Kreises eingeschaltet / Gemeinde gibt Verhaltens-Hinweise

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VON RAINER STRANDMANN

(Klein Nordende/rs) Die Gemeinde Klein Nordende nimmt den Hinweis ernst: Ein Jäger, der zudem Hundeführer ist, ist sich sicher, am 28. April gegen 8 Uhr einen Wolf im Liether Moor gesehen zu haben. Genauer gesagt in der Straße Bi'n Himmel, einem Abzweig der Straße Liether Moor.

Noch aus dem Auto heraus informierte der Jäger den Kreiswolfsbeauftragten Hans-Albrecht Hewicker. Der versuchte schnell einen Fachmann zum Ort des Geschehens zu schicken, um einen gesicherten Nachweis etwa durch ein Foto zu erhalten. Das klappte in der Kürze der Zeit jedoch nicht. Von dem Tier, das sofort in einem Dickicht verschwand, gibt es auch keine Spuren. "Es handelt sich dort um Grünland", schildert Hewicker.

Er hält die Chance, dass es tatsächlich ein Wolf war, für "fifty-fifty". "Es kommt nur Wolf oder Hund in Frage." Dachshund oder andere Tiere schieden bei einer Sichtung durch einen Jäger und Hundeführer aus.

Im Kreis gab es schon etliche Wolfs-Sichtungen

haz 230515 2Hans-Albrecht Hewicker zufolge hat es im Kreis Pinneberg in der Vergangenheit schon zahlreiche Wolfssichtungen gegeben. Ein Nachweis konnte bisher allerdings nicht erbracht werden.

Nicht immer war der Verdacht so konkret wie jetzt in Klein Nordende. Dort kam das Tier laut Hewicker dem Auto des Jägers in 40, 50 Meter Entfernung direkt entgegen. "Es hat es vielleicht zehn Sekunden lang gesehen, erst spitz von vorn und dann beim Sprung ins Grün kurz von der Seite." Der Jäger und auch ein Begleiter, der sich mit im Wagen befand, seien sich sicher gewesen, einen Wolf gesehen zu haben. Das passe zu Gerüchten, dass andere Personen einen Wolf am selben Abend in der Gegend gesehen haben wollten und tags darauf an der Liether Kalkgrube. "Leider habe ich bislang zu diesen Personen keinen Kontakt herstellen können", sagt Hewicker. Er bitte die Betreffenden, sich bei ihm unter (04123) 9560900 zu melden.

Grundsätzlich hält er es durchaus für möglich, dass es sich bei dem Tier um einen durchziehenden Wolf gehandelt hat. "Wir müssen jederzeit und überall in Schleswig-Holstein damit rechnen", so Hewicker. Von 2012 bis heute habe es im Land bereits 21 Nachweise gegeben. Nach dänischen Befunden müssten sogar mindestens 30 Wölfe durch Schleswig-Holstein gezogen sein.

Auch Klein Nordendes Bürgermeister Hans-Barthold Schinckel nimmt die Sichtung nicht auf die leichte Schulter. Er sorgt sich um die Kälber der Robustrinder im Liether Moor. Auch gebe es einen Schäfer an der Blockschmiede am Heideweg, dessen Tiere gefährdet sein könnten. "Das könnte heikel werden", so Schinckel.

"Nicht aufs Tier losgehen, aber auch nicht weglaufen, sondern sich als Mensch zu erkennen gehen."

Der Umweltausschuss der Gemeinde informiert die Bürger sicherheitshalber in einem Rundschreiben über das richtige Verhalten, falls sie auf einen Wolf treffen sollten. "Nicht aufs Tier losgehen, aber auch nicht weglaufen, sondern sich als Mensch zu erkennen geben", rät Hewicker. Das gehe am besten mit der Stimme. "Laut sprechen", empfiehlt er. "Dann flüchtet der Wolf normalerweise." Der Mensch könne sich dann glücklich schätzen, zu den wenigen in Deutschland zu gehören, die einem Wolf in freier Wildbahn begegnet seien.

Sollte der Wolf nicht weichen, sollten Betreffende überlegen, ob sie dem Tier einen Fluchtweg versperrten. "Es muss die Chance haben, sich zu verstecken." Eine freie Wiese sei dazu ungeeignet. Sollte man im Fluchtweg stehen, sei es ratsam, weiter zu sprechen und zur Seite zu gehen.

aus der Holsteiner Allgemeinen vom 23.05.2015

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