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Es ist eine Erfolgsgeschichte - doch fast wäre alles anders gekommen

Die Retter des Töverhuus: Gisela und Helmut Hamke vor dessen Geburtshaus in der Dorfstraße 80. Im Jahr 1701 wurde es erstmals erwähnt. Foto: Strandmann

KLEIN NORDENDE /rs

Das Klein Nordender Töverhuus kennen sie alle: Heino genau­so wie Heintje, Rolf Zuck- owski, Tony Marshall, Andy Borg, Klaus Büchner, Yared Dibaba oder Jo Brauner. Um nur einige zu nennen, die hier aufgetreten sind. Und natürlich war es in seinen 25 Jahren immer das „Wohnzim­mer“ von Speelwark, der so erfolgreichen Band um Hel­mut Hamke.

Fernsehsender und Rund­funkanstalten gingen und ge­hen hier ein und aus. In der Rückschau kaum zu glauben, dass um ein Haar alles ganz anders gekommen wäre. „Ich bin 1951 in diesem Bauern­haus geboren“, schildert Ham- ke. „Als mein Vater 1990 die Landwirtschaft aufgab, haben uns viele geraten, das baufälli­ge Haus abzureißen und drei Bauplätze daraus zu machen. Doch da hing für uns zu viel dran an Erinnerungen.“ Stattdessen wurde die Idee ge­boren, in das Haus Wohnun­gen einzubauen. Ein Archi­tekt hatte schon alles geplant, selbst die Baugenehmigung lag schon vor. Buchstäblich in letzter Sekunde stoppten Helmut Hamke und seine Ehefrau Gisela das Vorha­ben. „Wir sagten uns: Wenn die Wohnungen drin sind, kommen wir nie wieder hin­ein.“ Es waren vor allem die Kindheitserinnerungen, die Helmut Hamke umdenken ließen. „Ich bin dort in gro­ßer Freiheit aufgewachsen. Zugleich war immer jemand da auf dem Hof.“ Da ist er ganz bei Astrid Lindgren, die erklärte: „Zwei Dinge hatten wir, die unsere Kindheit zu dem machten, wie sie war - Geborgenheit und Freiheit.“ Hamke, der fast sein ganzes Leben als Sozialpädagoge an der KGSE gearbeitet hat, dachte zusammen mit seiner Frau daran, eine Einrichtung für benachteiligte Kinder in dem Haus zu schaffen oder „etwas Kulturelles“. Beim damaligen Bürgermeister Günter Hell und Karl-Max Kapplusch, dem Vorsitzenden des Kulturausschusses der Gemeinde, stießen sie auf großes Interesse. Aufgrund der Kosten war schnell klar, dass es nur mit finanzieller Hilfe der Gemeinde gehen würde. Die Lösung: eine Mietzahlung für 100 Tage Nutzungszeit im Jahr.

Typisches Bild: Helmut Hamke mit Künstlern wie hier Peter Petrel. Foto: Wolfram J. Mehl

Die Eröffnung 1996 war ein großes Fest. Speelwark spielte, Landwirtschaftsmi­nister Hans Wiesen kam und überreichte eine Bestätigung, dass das Haus ein „Objekt mit Leitbildfunktion“ sei - verbunden mit 40.000 DM vom Land, „die wir für das Kopfsteinpflaster im Hof ge­nommen haben“, so Hamke. Gefeiert wird natürlich auch das 25-jährige Bestehen - allerdings Corona bedingt erst im nächsten Jahr mit einer Festwoche. Dann ganz sicher mit großer Beteiligung der Klein Nordender.

Denn die Zusammenarbeit mit der Gemeinde war immer großartig“, betonen Hamkes. Einen Dank richten sie auch an die VR Bank in Holstein für die jahrelange Unterstüt­zung.

 

Liebenswerter Ort der Begegnung

Die Identifikationen vieler Klein Nordender mit ihrem Ort ist groß. Das Töverhuus als Treffpunkt, wo alle zusammenkommen, trägt dazu ganz wesentlich bei. Foto: Hamke

Um das Töverhuus wird Klein Nor­dende von vielen Gemeinden beneidet. Ist es doch zugleich ein Ort der Begegnung und der Kultur.

In Nicht-Corona-Zeiten ist im Haus an sage und schreibe rund 200 Tagen im Jahr et­was los. Vorträge, Lesungen, Konzerte, VHS-Kurse und viele weitere Veranstaltungen wechseln sich ab.

Gebucht werden kann das Töverhuus auch für private Fei­ern. Selbst Trauungen sind dort möglich. „Draußen stan­den schon Pferde und Hunde Spalier“, schmunzelt Gisela Hamke. Die gelernte Fremd­sprachensekretärin kümmert sich seit Anbeginn um das Catering. Immer wieder war das Töverhuus stimmungs­volle Kulisse von Fernsehauf­zeichnungen. Allein 30 NDR- Sendungen „Lüders Krug“ wurden hier aufgezeichnet mit Helmut Hamke als Mo­derator. RTL drehte hier mit Klaus & Klaus. Auch weitere waren gern zu Gast.

Neben den TV- und Radio­sendungen entwickelten sich auch andere Formate zu Klassikern. Kunsthandwer­kermärkte und der Weltfisch­brötchentag etwa: „2019 gin­gen über 1000 Fischbrötchen weg“, erinnert sich Gisela Hamke. Ein Highlight sind auch die Weihnachtsmärkte, wenn das Töverhuus dank Sohn Mirko Hamke und dessen Firma für Veranstaltungstechnik stimmungsvoll beleuchtet ist. Sportfans be­geistern sich für die Public Viewing-Abende zu Fußball- WM und EM-Turnieren. Ein liebenswertes Haus für alle.

Und auch eines für die Bil­dung. Dazu tragen nicht nur Lesungen und VHS-Veran- staltungen bei. Dem Ehepaar Hamke sind auch Klima­schutzprojekte wichtig. Nicht von ungefähr wurden Refe­renten wie Arved Fuchs oder Meeno Schrader eingeladen, die hier vor viel Publikum für Erhalt der Artenvielfalt und Bewahrung der Natur war­ben.

Der Name Töverhuus

Wie das ganze Haus hat auch der Name Töverhuus seine ganz eigene Ge­schichte.

Speelwark-Mitglied Alb- recht von Reibnitz hatte Urlaub in Irland gemacht, in einem Gebäude ohne Strom, ohne Wasser, aber eingebettet in eine Landschaft voller Blumen. „Über dieses Haus hat er für die Band ein wunderschönes Lied, ,Dat Töver- huus‘, geschrieben“, sagt Helmut Hamke.

Uns war klar, dass unser Kulturhaus nur so heißen kann - verträumtes Haus“. Denn wer Töverhuus mit „Zauberhaus“ übersetzt, liegt in diesem Fall falsch. „Tövern im Sinne von zau­bern kennt man in unserer Gegend nicht“, so Hamke.

 
Holsteiner Allgemeine Zeitung 15.09.2021

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