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"Allein“ unter Männern - erfolgreich auf der Strecke

Klein Nordenderin Stephanie Zorn lernt Rallye-Kollegen das Fürchten

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(Klein Nordende/mm) "150 Meter rechts, Radius 1, Spitz 5" - Beifahrerin Katrin Telschow gibt Kommandos, während Stephanie Zorn voll konzentriert hinterm Lenkrad sitzt und die Anweisungen auf der Strecke bestmöglich verarbeitet. "Rallyefahren ist Teamsport", sagt Zorn, die den Motorsport gewissermaßen in die Wiege gelegt bekommen hat. Sowohl Papa Ulf-Wilhelm, als auch Mama Sabine frönten dem Rallye-Sport. Erst ging es mit an die Rennstrecken, als Teenager rutschte sic dann auf die andere Seite des Cockpits.

"Mit 15 bin ich mitgefahren", so die 37-jährige gelernte Versicherungskauffrau, die der Liebe wegen den Weg nach Klein Nordende fand. Erst saß sie bei Papa oder Patenonkel als Beifahrer hinter Frontscheibe. "Aber es war schnell klar, dass ich selbst fahren will", erinnert sich gebürtige Mindenerin, die zunächst Mofa- und 8oer-Führerschein erfolgreich ablegte, ehe Motorrad und Auto folgten.

"Ich habe aber lieber vier Räder", gibt sie dem Auto klar den Vorzug. Sehr zum Verdruss vieler männlicher Rallye-Fahrer, die sie mit ihrem fahrerischen Können in Schach hält. "Verlieren ist schlimm, aber gegen eine Frau", weiß Zorn um so manchen "deprimierten Rennkollegen".


Feuerfeste Unterwäsche und eine Stute namens Donnerwolke

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(Klein Nordende/mm) Seit mehr als 20 Jahren ist es ihr Hobby "Nummer 1" - und das teilt sie mit Freund Martin Schütte. Der 47-Jährige schraubt nicht nur fleißig am etwa 200 PS-starken Clio seiner Lebensgefährtin, sondern ist auch mit dem eigenen Auto - einem Mitsubishi Evolution - auf der Strecke. Oft erfolgreich, wie etwa bei der Ostsee-Rallye Ende September, wo Schütte die Gesamtwertung gewann.

Doch während er den großen Pokal mit zurück nach Klein Nordende brachte, zog Stephanie Zorn ihren fahruntüchtigen Clio auf dem Trailer in die Werkstatt in Heist. "Irgendetwas im Motor-/Getriebebereich ist defekt", sagt sie, und hofft dass Martin, gelernter Kfz-Mechaniker, den Wagen wieder hinbekommt. Über große Sponsorengelder verfügen die beiden Mitglieder des "Norderstedter AMC" nicht, beide sind voll beruftstätig und finanzieren ihr Hobby selbst. Aber gemeinsam in einem Auto? Das passe nicht so gut, meint sie, zumal beide gern selbst fahren. "In Luxemburg sind wir immerhin angekommen", sagt Stephanie Zorn, die bei bis zu 20 Rennen im Jahr am Start ist. Seit zwei Jahren ist die 48-jährige Katrin Telschow ihre Beifahrerin. Zuvor war Andreas Karg acht Jahre ihr Nebenmann im Clio. Mit ihm gewann sie den Rallye Cup Nord und den ADAC Schleswig-Holstein Rallye Cup 2013. Nur wenige Frauen sind so gut wie sie, "es fahren deutschlandweit auch nicht viele", so Zorn, die viel Wert darauf legt, "nichts geschenkt zu bekommen".

Käfig in der Fahrgastkabine, feuerfeste "Unterwäsche", Helm und spezielle Rennsitze - Sicherheitsvorgaben müssen alle erfüllen. Aber der finanziellen Investition in Auto, Technik und Ausrüstung "ist keine Grenze gesetzt", so die 37-Jährige. Je nach Entfernung zum Veranstaltungsort und Rennkategorie, reisen Zom und Schütte früh am Veranstaltungstag oder am Vortag an. Das Gros der Rennen absolvieren sie im norddeutschen Raum -aber auch in Tschechien oder Dänemark hat die 37-Jährige bereits Rennen gefahren, hat Rallye-Legenden wie Walter Röhrl oder "Smudo" von den Fantastischen Vier getroffen.

San Remo, Korsika oder die Deutschland-Rallye würde die Klein Nordenderin schon gerne mal fahren. "Bei einer Wild Card wäre ich sofort dabei", weiß sie um den hohen finanziellen Aufwand. 10.000 stünden schnell im Raum, "und dann ist noch nichts kaputt gegangen", sagt Zom, die sich ein Leben ohne Auto nicht vorstellen kann. "Mein Fahrrad hat bereits Spinnweben angesetzt", sagt sie, die den Fahrersitz ihres Clio lieber mit etwas anderem tauscht: "Mit Donnerwolke - meiner Oldenburger Stute."

aus der Holsteiner allgemeinen Zeitung vom 15.10.2016

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