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Streit um Umweltschutz im Liether Moor droht zu eskalieren

 

Streit um Umweltschutz im Liether Moor droht zu eskalieren

Preisgekröntes Robustrinder-Projekt vor dem Aus? / Kreis fordert den Rückbau von Anlagen

(Klein Nordende/rs) 2012 galt er noch als Vorzeigeprojekt: der junge "Verein für extensive Robustrinderhaltung im Liether Moor". Damals wurde er feierlich mit dem bundesweiten Preis "Deutschland - Land der Ideen" ausgezeichnet. Das Moor erhalten, Kindern und allen anderen Interessierten die Natur näherbringen - das sind Ziele des Vereins.

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Doch nur ein Jahr nach der großen Ehrung sieht Vorsitzender Dieter Wichmann sein Projektvom Aus bedroht. "Man will uns im Moor nicht mehr haben", klagt der Landwirt und schüttelt voller Unverständnis den Kopf. Das tut auch Klein Nordendes Bürgermeister Hans-Barthold Schinckel.

 

Denn mit Schreiben vom 20. Juni 2013 wird Wichmann vom Kreis Pinneberg aufgefordert, Bauwagen und Toilette vom Gelände Liether Moor 1 zu entfernen. Auch die Lagerung von Sitzmöglichkeiten ist nicht mehr erlaubt. Damit soll genau das weg, was mit viel ehrenamtlichem Engagement erst entstanden ist. Denn dort befindet sich die sogenannte Kuhschule - ein Bereich mit Tischen, Bänken und angrenzendem Teich -, in der etwa Sozialpädagoge Helmut Hamke Schüler der KGSE an die Natur heranführt, meist neugierig beäugt von einigen Highlandern, jenen wusche-ligen Robustrindern, die helfen sollen, den Bewuchs im Moor kurz zu halten.

Laut Fachdienst Planen und Bauen des Kreises befindet sich das Areal in der Kernzone eines Landschaftsschutzgebietes. Die Anlagen seien dort nicht zulässig. Der Streit entzündete sich insbesondere an der mobilen Toilette und dem Vorhaben des Vereins, dort auch kleinere kulturelle Veranstaltungen wie einen Abend mit akustischer Gitarre auszurichten. "Die haben beim Kreis wohl an Wacken II gedacht", erbost sich Wichmann.

 

Doch genau das sei nicht angedacht, sagt Schinckel. "Wir reden hier von 40 bis 50 Besuchern", fügt Hamke an. Die meisten von ihnen wollte Schinckel selbst mit Trecker und Jagdwagen zur Kuhschule bringen. Daraus wird nun nichts. Das Konzert wurde abgesagt.

 

Es geht aber nicht nur um Störungen der Natur. Ein Moorschutzprogramm des Landes sieht vor, weitere Flächen zu vernässen. Dagegen wehrt sich der Verein; er braucht trockene Pachtflächen für die 25 Highlander. "Wenn wir räumen müssen, schmeiße ich hin", sagt Wichmann. Unteressen hat der Kreis reagiert: Das Moorschutzprogamm hat er erst mal abgesagt.

Ansichtssache:

Beschämend, was hier abgeht

Die Natur ist ein sensibles Gut, sie zu schützen, eine (über)lebenswichtige Aufgabe. Dass es unterschiedliche Auffassungen darüber geben kann, wie das am besten geschieht, ist ganz normal. Was nicht normal ist, ist der eskalierende Streit im Liether Moor (siehe Seite 5).

Die Untere Naturschutzbehörde beim Kreis und der Betreuungsverein Liether Moor standen bislang hinter dem Moorprogramm des Landes, weitere Flächen zu vernässen. Das kommt der Natur zugute, kollidiert aber mit dem dort tätigen Robustrinderverein. Auch dessen Tiere helfen dem Moor, indem sie den Bewuchs kurzhalten. Und dieser Verein möchte den Menschen mit seiner "Kuhschule" zudem die Natur näherbringen. Da, wo sie ist - im Moor. Ebenfalls ein berechtigtes Anliegen.

haz-140813-2Der Kreis wirft dem Robustrinderverein Alleingänge vor, sich etwa bei der Beschilderung nicht an Vorgaben zu halten, nicht gesprächsbereit zu sein. Mag alles sein. Die behördliche Anordnung des Abbaus der Kuhschule wirkt aber wie mit Kanonen auf Spatzen zu schießen - schlicht überzogen.

Eine gute Woche wünscht Rainer Strandmann

 

aus der Holsteiner Allgemeinen Zeitung vom 14.08.2013

 

 

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