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Lieth - der Ort des tiefsten Lochs der Welt

Die Gemeinde Klein
Nordende war einst
Schauplatz eines
Geschehens, das tief
ins Erdinnern führte.
So tief, wie es Men-
schen zuvor noch nie
auf der Welt gelun-
gen war.

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(Klein Nordende/rs) Wir schreiben das Jahr 1872. Fremde kommen ins beschauliche Lieth. Sie bringen Gerät mit. Schweres Gerät. Denn die preußische Wissenschaft hofft, mit einer Tiefbohrung auf Kohle oder Erdöl zu stoßen.
Sieben Jahre lang wird am Bohrloch gearbeitet, bis dort das zu dieser Zeit tiefste Loch der Welt entstanden ist. 1338 Meter in der Erde.
Kurzzeitig durften die Wissenschaftler Gerüchten zufolge sogar glauben, auf ihrer Suche nach Kohle fündig geworden zu sein. Doch die Hoffnung trog. Am Ende wurde dort nie Kohle abgebaut.
Die Bohranlage selbst dürfte der in der Collage abgebildeten geglichen haben. Zu sehen ist dort der Bohrturm in Schladebach in Sachsen-Anhalt (1880 -1886).



Schwerarbeit in Lieth: Eine Bohrung machte Geschichte

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Ein wenig stolz sind sie schon auf die Bohrung: Landesgeologe Dr. Alf Grube (Mitte) sowie die Mitglieder des ehrenamtlichen Natur-schutzdiensts Peter Olbrisch (von links), Holger Hansen, Hans- Joachim Wohlenberg und Wilfried Brumm. Die vier Ehrenamtler sind alle zugleich Mitglieder der Kulturgemeinschaft Tornesch.

(Klein Nordende/rs) Es gibt Aufzeichnungen und mündliche Überlieferungen - doch wo die tiefste Bohrung der Welt zwischen 1872 und 1878 in Lieth niedergebracht wurde (siehe Seite 1), ist auf den Meter genau nicht bekannt. "Wir wollen das mit geophy-sikalischen Verfahren noch erkunden", sagt Landesgeologe Dr. Alf Grube. Derzeit verweist ein beschrifteter Findling am Rand der Liether Kalkgrube auf den ungewöhnlichen Rekord. In Sichtweite dürfte der tatsächliche Ort des damaligen Geschehens liegen.
Dass die Wissenschaftler gerade Lieth für die Tiefbohrung aussuchten, verwundert Grube nicht. "Die Fachleute haben früh begriffen, dass Rohstoffe wie Steinkohleoder Erdöl oft an Salzstrukturen vorkommen." Bevor die große Bohrung in Angriff genommen wurde, gab es zudem weniger tiefe in der Region. Genau genommen wurde übrigens nicht gebohrt, vielmehr wurde ein Rohr in den Boden geschlagen. Das Ganze funktionierte mittels Turm und Dampfmaschine. Mehrere Dutzend Arbeiter, schätzt der Geologe, werden damals in Lieth tätig gewesen sein. Der Umfang des Rohres ist nicht bekannt. Grube vermutet ihn bei 200 bis 300 Millimetern.

Wer hat weitere Informationen?
Die Gruppe um Wohlenberg möchte gern mehr zur Bohrung erfahren. Einiges konnte die Familie von Hermann Hell, der auch den Stein spendete, beitragen. Falls es Bürger gibt, die über weitere Informationen verfügen, sollten sich diese direkt mit Wohlenberg unter (04122) 52314 in Verbindung setzen.

Gesicherte Erkenntnis ist, dass die Bohrung etwas Besonderes war, und dies nicht nur wegen ihrer Tiefe. Denn es handelte sich zugleich um eine der ersten geothermischen Untersuchungen im Hamburger Bereich. Festgestellt wurde, dass sich die Temperatur um ca. drei Grad pro hundert Meter erhöhte; sie betrug am Ende rund 50 Grad Celsius.
Kurzzeitig wähnten sich die Wissenschaftler sogar am Ziel, wenn die Überlieferungen zutreffen. Jugendliche sollen sich den Spaß gemacht haben, Kohlespuren um das Bohrloch zu verteilen. Die stammten aber nicht aus der Tiefe, sondern wohl eher aus dem heimischen Keller oder von einem Kohlenhändler. Sogar die Zeitung soll einen Wink von der Sensation an der Grube erhalten haben. "Ob die Geschichte wahr ist, weiß ich nicht", sagt Hans-Joachim Wohlenberg, der sich mit weiteren Mitgliedern des vom Kreis Pinneberg bestellten Naturschutzdiensts ehrenamtlich um die Liether Kalkgrube kümmert. Kohle wurde dort jedenfalls nie abgebaut. Auch der Rekord war nichtvon Dauer, vermutlich hielt er nur einige Wochen oder Monate.
aus der Holsteiner Allgemeinen Zeitung vom 09.05.2009

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