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Geologisches Kleinod ist wieder freigelegt

Klein Nordende (buf). Sie zählt zu den geologischen Besonderheiten in Schleswig-Holstein und zieht jährlich Tausende Be­sucher an, die Liether Kalkgru­be. Gerade wurde das 16 Hektar große Naturschutzgebiet mit dem Morsumer Kliff auf Sylt und der Langen Anna von Hel­goland zu den drei bedeutend­sten Geotopen im ganzen Land erklärt. Damit auch künftig Geologen aus ganz Deutsch­land den 230 Millionen Jahre al­ten Salzstock studieren können, muß das Gelände jedes Jahr ökologisch gepflegt und von Bäumen und Büschen be­freit werden.
Das sei eine aufwendige und kostspielige Sache, weiß Heike Petersen von der Unte­ren Naturschutzbe­hörde des Kreises Pinneberg. Bislang hatten sich darum in ihrem Auftrag Mitarbeiter der BQG gekümmert. Seit die in die neue Beschäftigungsge­sellschaft PKSA umgewandelt wor­den ist, werde dort keine Land­schaftspflege mehr betrieben. Und da es sich die öffentliche Hand nicht leisten könne, für diese arbeitsintensiven Maß­nahmen reguläre Firmen zu be­auftragen, mußte schnell Ab­hilfe geschaffen werden, erläu­tert Heike Petersen.
In die Bresche ist nun die Stif­tung Hamburger Arbeiter-Kolonie-Schäferhof aus Appen ge­sprungen, die seit Jahren 15 Langzeitarbeitslose mit Land­schaftsarbeiten betraut. "Wir sind inzwischen der einzige Träger im Kreis, der dies unter Anleitung von erfahrenem und qualifizierten Personal macht," sagt Schäferhof-Geschäftsfüh­rer Rainer Adomat. Fünf seiner Ein-Euro-Kräfte sind seit Mitte De­zember damit be­schäftigt, die stei­len Hänge der Lie­ther Kalkgrube wieder in ihren natürlichen Zu­stand zu verset­zen. Bei der klirrenden Kälte zur Zeit ist das eine harte, kräftezehrende Arbeit für die Arbeitslosen, die aber hof­fen, auf diese Weise wieder den beruflichen Einstieg zu finden. Adomat betont, daß alle mit Schutzkleidung und Arbeits­schuhen winterfest ausgerüstet seien und sich in einem beheiz­ten Bauwagen jederzeit aufwär­men können. Ihr Vorarbeiter, der Umweltschutztechniker Thomas Bertram, finde zudem die richtigen motivierenden Worte, um seine Leute bei Laune zu halten. Die Natur danke es ihnen, wissen Peter­sen und Dr. Alf Grube vom Lan­desamt für Naturschutz aus Flintbek, die sich gestern einen Überblick über die Arbeiten verschafften. Petersen: "Das nützt dem Naturschutz sehr. Die wärmeliebenden Tiere und Pflanzen erhalten so wieder ih­ren natürlichen Lebensraum." Und für den Geologen Dr.Grube stellt die Liether Kalk­grube ohnehin das Nonplusul­tra in seinem Fachgebiet dar. Nirgendwo sonst könnten die Sedimente besser untersucht werden als im oberirdischen Salzstock von Klein Nordende. Normalerweise seien diese Ge­steinsformationen acht Kilo­meter tief in der Erde versteckt. Somit sei die Liether Kalkgrube geradezu ein Paradies für alle Geologie-Forscher. Zumal es mit dem Gipshut und dem Braunkohleflöz kaum vergleichbare Beispiele dieser Art in ganz Nordeuropa gebe, schwärmt der Kieler Chef-Geo­loge. "Das ist eine großartige Möglichkeit, durch die an die Oberfläche hochgedrückten Se­dimente Einblicke in die Ge­schichte der Erde zu gewin­nen." Zufrieden ist auch Hob­byforscher Hans-Joachim Wohlenberg aus Tornesch, der vor 21 Jahren die Kulturgemeinschaft Liether Kalkgrube gegründet hat, die heute 300 Mitglieder zählt. Jahr für Jahr führt der zum offiziellen Schutzgebietsbeauftragten er­nannte Wohlenberg 700 Besu­cher zu den ungewöhnlichen Gesteinsformationen am süd­östlichen Stadtrand von Elmshorn. Er erzählt: "Das ist für die meisten ein echter Höhepunkt. Die kommen aus Dithmarschen, Flensburg und sogar Mecklenburg-Vorpommern hierher und wundern sich, daß es so etwas Einmaliges wie die Liether Grube in unserer Natur heute noch gibt."


Überzeugten sich gestern vom Fortschritt der Pflegearbeiten:
Hans-Joachim Wohlenberg (v. L), Dr. Alf Grube,
Heike Petersen und Rai­ner Adomat. Fotos (2): Fuchs

Bericht aus den Elmshorner Nachrichten vom 18. Januar 2006.

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