Pressearchiv

Unser Pressearchiv

Verwirrung um Müllentsorgung

Keine Folie in Gelbe Tonne? Klein Nordender Bürger wendet sich an die GAB

Welcher Müll darf über die Gelbe Tonne entsorgt werden? Foto: Michael Gstettenbauer via www.imago-images.de

KLEIN NORDENDE / Wolfgang Duveneck

Wenn es um Mülltren­nung geht, sind Geset­zeskenntnisse gefragt. Das jedenfalls musste ein Einwohner aus Klein Nordende lernen, dessen Gelbe Tonne bei der üblichen Leerung nicht berücksichtigt wurde. Dabei glaubte er, alles richtig gemacht zu haben, als er neben verschiedenen Verpa­ckungen auch ein Stück Plas­tikfolie in die Tonne gewor­fen hatte. Doch genau des­halb, so musste er erfahren, wurde der Müll nicht ent­sorgt. „Aber wohin mit der Folie“, fragte sich der Mann. „Plastikfolie gehört doch nicht in den Restmüll - oder doch?“ Mehr Infos erhielt er vom GAB Umweltservice, der für die Müllentsorgung im Kreis Pinneberg verantwortlich ist. In einer E-Mail wurde ihm mitgeteilt, dass die Gelbe Tonne grundsätzlich aus­schließlich zur Entsorgung von leichten Verkaufsverpa­ckungen gedacht sei. Und als Leichtverpackung werde die

Abfallgruppe bezeichnet, die im Rahmen des Dualen Sys­tems bundesweit getrennt gesammelt wird - überwie­gend Kunststoffe und Ver­bundstoffe, Aluminium oder Weißbleche. Zum Teil sei der Verbund mit Papier möglich.

Folien, so erläuterte die GAB weiter, können über die Gelbe Tonne entsorgt wer­den, wenn es sich um eine Verkaufsverpackung handelt. Die erworbene Ware müsse in dieser Folie verpackt gewe­sen sein. Ein Beispiel sei die klassische Käseverpackung. Handele es sich aber bei­spielsweise um Silofolien oder Folien, die um eine Pa­lette gespannt war, dann sei es keine Leichtverpackung. Darüber hinaus wies die GAB auf das Verpackungsgesetz hin. Es beschreibt detailliert, was in die Tonne gehört und was nicht.

Dem Klein Nordender er­scheint die Begründung nicht plausibel. Mit Mülltrennung habe das alles nichts zu tun. Denn wenn Plastik, sofern es sich nicht um eine Verkaufs­verpackunghandele, im Rest­müll lande, mache das doch keinen Sinn. „Anderseits ha­be ich erlebt, dass die Rest­mülltonne nicht geleert wur­de, weil sie Plastik enthalten habe“, versichert er.

Jetzt will er mit Klein Nor­dendes Bürgermeister Adolf Luitjens über das Problem sprechen. „Ich weiß, dass das viele Menschen betrifft, die das Ganze nicht verstehen“, sagt er. „Vielleicht muss das Thema mal von der Gemeinde ausgehend über den Kreis und darüber hinaus politisch neu aufgerollt werden.“

Hintergrund der Verpa­ckungsproblematik ist, dass die „Inverkehrbringer“ - so der amtliche Ausdruck - von Verpackungen Lizenzgebüh­ren an eines der Dualen Sys­teme zahlen. Die Dualen Sys­teme teilen die Kommunen als Entsorgungsgebiete unter sic auf, schreiben die Dienstleistung des Einsam­melns aus und beauftragen den Ausschreibungsgewin­ner - etwa die GAB im Kreis Pinneberg. Die Dienstleister leeren die Gelben Tonnen oder sammeln die Gelben Sä­cke ein, sortieren die Abfälle und stellen dem Dualen Sys­tem, das sie beauftragt hat, die gewonnenen Rohstoffe zur Verfügung. Dafür erhal­ten sie Geld von den Dualen Systemen.

Die falsche Befüllung der Gelben Tonne ist am 12. Au­gust auch ein Thema in der Sitzung des Umweltaus­schusses des Kreistages. In der Antwort auf eine Anfrage der AFD-Fraktion teilt Land­rätin Elfi Heesch mit, dass eine prozentuale Angabe zur Fehlbefüllung nicht möglich sei. Als Begründung gibt sie an, dass das System für die getrennte Erfassung von Leichtverpackungen formal derzeit im Kreis Pinneberg nur für Verpackungen gelte.

Unabhängig vom Sammel­behälter Sack oder Tonne würden aber von den priva­ten Haushalten und den ver­gleichbaren Anfallstellen auch Abfälle als Leichtverpa­ckungen entsorgt, die keine Verpackungen seien. Wie hoch der Anteil an Nichtver­packungen sei, könne nicht beziffert werden. „Sortieran­lagen sortieren das Sammel­gut nach Materialien. Sie können nicht erkennen, ob ein Plastikteil, zum Beispiel aus Polyethylen, eine Verpa­ckung war oder nicht“, heißt es wörtlich.

Auf die Frage, was der Kreis und die GAB gegen die Fehlbefüllung zu unterneh­men gedenke, hebt die Land­rätin in der schriftlichen Ant­wort hervor, dass die GAB nach Einführung der Gelben Tonne eine Informations­und Aufiklärungsquote ge­startet habe. „Tonnen mit un­durchsichtigen blauen und schwarzen Säcken sowie mit Fehlbefüllungen werden ste­hengelassen und mit einem Aufkleber versehen.Die Maß­nahmen hätten zu einer Ver­besserung der Qualität des Sammelgutes geführt. „Die Fälle, in denen Tonnen ste­hengelassen werden müssen, ist deutlich zurückgegan­gen“, schreibt die Landrätin.

Elmshorner Nachrichten, 05.08.2021

Zurück