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Vom Maritimen bis zu Hügeln

Biologe Armin Püttger-Conradt stellt in der neuen Serie "Unsere Umwelt" die Natur- und Landschaftsschutzgebiete im Kreis Pinneberg vor

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KREIS PINNEBERG 1984 ist ein Büchlein über die Naturschutzgebiete der Unterelbekreise erschienen, in dem der Kreis Pinneberg eher mager vertreten ist, was seine Naturschutzgebiete (NSG) angeht. Verzeichnet finden sich neben Helgoland nur der Neßsand, eine Elbinsel vor Hamburg-Blankenese, die nur zu einem geringen Teil zu Pinneberg gehört, sowie der Hinweis, die Haseldorfer Binnenelbe samt Deichvorland sei gerade zum NSG erklärt worden.

In den 1970er Jahren spielte der Naturschutz in der Politik in Norddeutschland eine bescheidene, eher untergeordnete Rolle. Naturfreunde wurden eher verlacht und als Träumer angesehen, zu nahe war man noch an dem ungehemmten Wirtschaftswunder der Nachkriegsjahre dran, und erst langsam verschaffte sich eine engagierte neue Generation Zugang, der Natur zu ihren Rechten zu verhelfen, bis dann auch Politiker die Zeit erkannten und Naturschutz in die Parteiprogramme aufnahmen.

Auch wenn mit dem Fortschreiten der 1990er Jahre eindeutig eine Gegenströmung bei einer nicht mehr so kämpferischen, eher digital orientierten, wiederum neuen Generation festzustellen ist, Naturschutz als wirtschaftshemmend im Unterbewusstsein angesehen wird, hat der Kreis Pinneberg seitdem enorm vom früheren Engagement aus der Bevölkerung profitiert und eine ganze Reihe an Naturschutz-und Landschaftsschutzgebieten, Naturdenkmalen und ein Geotop, ausgewiesen, die einem angemessenen Schutzstatus für die Generationen der Zukunft gerecht werden. Die Ämter des Kreises setzen diesen Trend noch immer erfolgreich fort.

Diesen Gebieten widmet sich die neue Serie "Unsere Umwelt" von nun an mittwochs ausführlich. Sie soll mit den Landschaften der heimischen Umgebung vertraut machen und sie Wert schätzen als unsere Mitwelt, die zu erhalten eine Pflicht ist.

Seit Kindesbeinen an durchstreife ich den Kreis Pinneberg, beobachte die Tier- und Pflanzenwelt, erlebe Abenteuer, setze mich für Werte ein, die Natur und Kultur zusammenfügen und berichte darüber. Von der ungeheuren Vielfalt, die der Kreis Pinneberg, in dem wir leben, zu bieten hat, von seinen Wildnissen und natumahen Landschaften, die uns oft unbewusst umgeben, soll berichtet werden, Umgebungen, die jedem offen stehen, und dennoch vielen unbekannt sind.

Es entstanden viele Moorvereine

In den vergangenen Jahren kam außer den etablierten Naturschutzvereinigungen wie Nabu, BUND, aber auch den Jagdschutzverbänden, etwas Neues hinzu: Die Moorvereine. Mittlerweile gibt es diese im Liether Moor, Tävsmoor, Hammoor Seeth-Eekholt, Offenseth-Bokelsesser Moor, und es könnten noch mehr werden. Aber in Bokel gibt es auch einen Verein zum Schutz der alten Kiesabbaugruben. Bürger widmen sich dort ihrer un

mittelbaren Umgebung, in der sie zu Hause sind und erbringen in ihrer Freizeit ganz erstaunliche Leistungen auf dem Gebiet der Biotoppflege und deren Neuschaffung, Gebietsaufkäufe und Einrichtungen für bedrohte Arten, bis hin zur Öffentlichkeitsarbeit. Diese neue Strömung ist besonders lobenswert, setzt man sich doch für seine unmittelbare heimische Landschaft ein, zu der man einen täglichen Draht hat.

Darüber hinaus hat der Kreis Pinneberg auch noch eifrige geotoppflegende Mitarbeiter in der Liether Kalkgrube zu bieten sowie Robustrindervereine, die eine ursprüngliche Beweidung bestimmter Areale fordern. Dass es auch Schulen gibt, die auf die eine oder andere Weise, oftmals auch "nur" mit einem kleinen Biotop auf dem Schulhof, ihren Beitrag leisten, sollte nicht vergessen werden.

en 280815bDer Kreis Pinneberg ist geographisch sehr günstig gelegen. Ist er auf der einen Seite maritim, so steigt er langsam über die Marsch hinweg an bis hinauf auf die Geest und setzt sich dort noch beträchtlich fort. Während all dieser Stationen vom Meeresspiegel bis zu größeren Hügeln finden sich die unterschiedlichen Land-schaftsarten, manche groß und weiträumig, andere eher klein oder gar unscheinbar. Weite, fette Marschwiesen beherrschen die Elberegion mit ihren Gezeitenzonen und Strandabschnitten, geheimnisvolle Inseln liegen in einem Strom, der teilweise bereits an die Nordsee erinnert, eine langgestreckte Dünenzone zieht sich am Geesthang entlang, Felder durchzogen von Flüssen und Bächen dehnen sich aus, und beachtliche Laub- und Nadelwälder sind zu finden. Besonders als schützenswert eingestuft sind jedoch die ehemaligen großen Moore, von denen sich noch überall Reste finden. Darüber hinaus gibt es überall kleine Seen, die einen lokalen Schutz genießen. Aber selbst all diese genannten Naturräume sind unterteilt in vielfältige Kleinräume bis hin zu wertvollen Nischen.

Entsprechend reich ist auch die Vielfalt der Tiere und Pflanzen, von denen ich als Biologe und Kenner des Kreises in den kommenden Wochen die unterschiedlichen Vertreter in Text und Bild vorstellen möchte.

Wenigen nur ist bekannt, dass einer der berühmtesten Naturaufklärer aus der Zeit zwischen den 1920er und 1960er Jahren wesentlich vom Kreis Pinneberg aus seine Naturwerke in Millionenauflagen durch den gesamten deutschsprachigen Raum sandte: Der Lehrer und Schriftsteller Hans von der Nordmark, der mit bürgerlichem Namen Hugo Colmorgen hieß. In hochwertigen Sammelbuchalben, die Elmshomer Unternehmen wie die Kölln-Flocken-Werke oder die ehemaligen Margarinefirmen Rostock und Wagner -aber auch andere - herausga-ben, beschrieb er auf faszinierende, heute immer noch ansprechende Weise die Natur, der er selbst nachspürte. Landschaften und deren Bewohner wie Tiere und Blumen, aber auch die Menschen auf dem Land, schilderte er in spannenden Texten. Die Bebilderung, die den Lebensmittelpackungen beilag, war hochwertig und von herausragenden Fotografen angefertigt sowie äußerst sorgfältig handcoloriert.

Es muss nicht ausgiebig betont werden, dass die Beschäftigung mit der Natur und den Naturschönheiten eine beruhigende, geistig erholsame Tätigkeit ist, die jedem offensteht, in unserer hektischen und aufreibenden Zeit, in der die digitalen "Erleichterungen" offensichtlich gar nicht unbedingt dem Wohl der Gesellschaft dienen, uns aber mehr und mehr von einer gewissen Umwelt erkennenden Realität ablenken. In all unserer künstlich geschaffenen Welt, die wir Menschen uns mit unseren erweiterten Organen geschaffen haben, befindet sich trotz allem ein Reichtum an Natur, der sich in den Natur- und Landschaftsschutzgebieten manifestiert. Natur und Kultur sind untrennbar geworden, umso weniger darf die Naturhälfte vergessen werden.

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Armin

Püttger-Conradt

Biologe aus Elmshorn

Schutzgebiete sind durchaus auch für uns Menschen gedacht, für Lebensvielfalt, für Erholung und Entspannung, für Freude an Gesängen und Farben, an Formen und Gerüchen. Kein Freizeitspektakel, dafür ein leises Spazieren und Pirschen auf von Menschen angelegten Pfaden, die überall zu finden sind. Denn schließlich bewegen sich auch die Tiere auf ihren Pfaden und Wechseln, auch wenn uns das nicht immer sogleich gewahr wird.

aus den Elmshorner Nachrichten vom 28.08.2015

 

 

 

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