Pressearchiv

Unser Pressearchiv

"Wann kommt der Milchlaster?"

40 Kinder übernachten auf dem Bauernhof / Landwirtspaar Aue unterstützt den Kreisjugendring auch dieses Jahr

en-280711-2.jpg
Streicheln erlaubt: Das von den Kindern auf den Namen "Louis" getaufte Kalb ließ es sich gern gefallen. RS

KLEIN NORDENDE Dass Großstadtkinder meinen, Kühe seien lila, ist ein Irrglaube. Schuld ist ein Malwettbewerb Mitte der 90er Jahre in Bayern, als 30 Prozent der Kinder in Anlehnung an die Milka-Werbung ihre Kuh lila ausmalten. Nicht, weil sie es nicht besserwussten, wie eine spätere Untersuchung ergab, sondern weil es ihnen gefiel.

Gleichwohl wissen heutige Kinder sehr viel weniger von der Landwirtschaft als frühere Generationen. 40 Mädchen und Jungen aus dem Kreisgebiet können jetzt aber mit besonderen Kenntnissen auftrumpfen. Im Rahmen der Ferienpass-Aktion des Kreisjugendrings übernachteten sie in zwei Gruppen auf dem Bauernhof Aue in Klein Nordende - im Kälberstall, in unmittelbarer Nähe der Tiere.

"Für die Kinder ist es ein Erlebnis und sie bekommen wieder einen Bezug zur Landwirtschaft", begründeten Astrid und Henner Aue, die den 115 Hektar großen Hof bewirtschaften, ihr Engagement. Nach einem Rundgang über den Hof durften sich die Acht- bis Zwölfjährigen unter Aufsicht von drei Betreuern frei auf dem Gelände bewegen. Zu entdecken gab es genug: Denn auf dem Betrieb sind 190 Rinder, 70 Kühe, 350 Legehennen und zusätzlich Gänse, Hunde und Katzen zu Hause. Zudem werden Mais, Raps und Weizen angebaut.

Für etliche der jungen Teilnehmer war es nicht der erste Kontakt mit der Landwirtschaft. Einige hatten schon einmal auf dem Hof übernachtet, andere Urlaub auf dem Bauernhof gemacht. Entsprechend fachkundig waren auch manche Fragen: "Werden den Kälbern die Hörner ausgebrannt?" "Ja", erwiderte Astrid Aue. Weil sich die Tiere im Stall frei bewegen könnten, sei die Verletzungsgefahr zu groß. "Der Schmerz dauert drei Sekunden, dann haben sie ihr Leben lang Ruhe", so die Landwirtin. Den an Technik interessierten Philipp drängte es vor allem zu erfahren, wann denn der Milchlaster komme.

Irritiert vom Güllewagen zeigte sich hingegen Marken. "Iiiihhh, wie dreckig ist der denn von hinten", entfuhr es der Neunjährigen.

Wert legte Astrid Aue darauf, den Kindern zu erklären, wo ihre Lebensmittel herkommen. "Gäbe es keine Bauernhöfe, wäre der Kühlschrank ziemlich leer", verdeutlichte sie. Und da wurde offenbar, dass vor ihrem Besuch auf dem Hof doch nicht alle Kinder wussten, dass Käse aus Milch hergestellt wird und auch Yoghurt ein Milchprodukt ist.

Rainer Strandmann

aus den Elmshorner Nachrichten vom 28.07.2011

Zurück