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Zoff im Moor: Jogger stoppen Autos

Straßen nur für landwirtschaftlichen Verkehr frei / Bürger spielen Hüter des Gesetzes

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Die Selbstgerechtigkeit bringt sie auf die Palme: Kerstin Westphal und Hans-Barthold Schinckel. mka

KLEIN NORDENDE Jogger, Radfahrer und auch Fußgänger in Zivil spielen Hüter des Gesetzes. Im Liether Moor, in den Straßen Wischdamm und Weg zum Schnakenmoor, halten sie ständig Autofahrer an und beschimpfen sie zum Teil wüst. Der Grund: Die einst viel befahrenen Straßen sind seit einigen Wochen nur noch für den landwirtschaftlichen Verkehr freigegeben. Die Pöbeleien wiederum brachte Autofahrer auf die Palme. Sie beschwerten sich beim Bürgermeister von Klein Nordende und beim Amt Elmshorn-Land.

Die Straßen Wischdamm und Weg zum Schnakenmoor sind für Autos und sonstige mehrspurige Kraftfahrzeuge gesperrt. Genutzt werden dürfen sie von Motorrad- und Mofafahrern, Fahrradfahrern und Fußgängern. Ferner sind sie für den landwirtschaftlichen Verkehr freigegeben. Und genau daran entzünden sich die Probleme. Zahlreiche Fußgänger, Fahrradfahrer und Jogger fühlen sich berufen, jeden durch das Moor fahrenden Wagen zu stoppen, den Fahrer auf das Durchfahrtsverbot hinzuweisen und teilweise zu beschimpfen.

Diese Selbstgerechtigkeit regt Klein Nordendes Bürgermeister Hans-Barthold Schinckel und Kerstin Westphal, Leiterin des Ordnungsamtes des Amts Elmshorn-Land, auf. "Jeder interpretiert den landwirtschaftlichen Verkehr ausschließlich mit Treckern oder Mähdreschern. Es können jedoch auch andere Fahrzeuge sein", macht Schinckel deutlich und erklärt: "Ein Landwirt kann mit seinem Pkw unterwegs sein, um auf den Weiden nach seinem Vieh zu sehen. Während er das Milchvieh zweimal täglich zu sehen bekommt, wird das Jungvieh im Frühling auf die Weide gebracht und muss kontrolliert werden. Bei der Hitze der vergangenen Tage musste geprüft werden, ob die Tränken funktionieren. Wenn die Tiere Durst haben, sind sie weg." Westphal ergänzt: "Landwirtschaftlicher Verkehr bedeutet, dass jemand in Ausübung seines Berufes unterwegs ist und das muss nicht zwangsläufig auf dem Traktor sein."

Moor: Es gibt nur eine Ausnahme

Ein Landwirt, der ständig im Liether Moor fährt, hat als Konsequenz aus den zahlreichen Belästigungen bereits ein Schild im Auto mit der Aufschrift: "Landwirt im Einsatz!".

Kerstin Westphal vom Amt Elmshorn-Land und Bürgermeister Hans-Barthold Schinckel erklären aber auch, dass der Weg zu landwirtschaftlich genutzten Flächen nicht durchs Moor verlängert werden darf, um zur Arbeit oder zum Einkaufen zu fahren. Ausnahmegenehmigungen von Seiten der Amtsverwaltung oder des Bürgermeisters gibt es nicht. Einzig einem Unternehmen, das im städtischen Auftrag unterwegs ist, hat eine Erlaubnis für die Befahrung der gesperrten Straßen erhalten. "Wenn wir Ausnahmegenehmigungen erteilen würden, dann hätten wir uns diese Maßnahme sparen können", so Schinckel und Westphal. mka

aus den Elmshorner Nachrichten vom 28.07.2010

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