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Klein Nordende zieht vor Gericht

Rechtsstreit um Baumängel an der Bürgermeister-Hell-Halle beginnt heute / Es geht um rund 1,2 Millionen Euro

KLEIN NORDENDE Der jahrelange Streit um die Baumängel an der Klein Nordender Bürgermeister-Hell-Halle geht heute in eine entscheidende Phase. Ab 9.30 Uhr werden vor dem Hamburger Landgericht unter anderem die Fragen: "Wer ist verantwortlich für die Baumängel? Wer muss die Kosten übernehmen?", verhandelt.

Zum Hintergrund: Die Klein Nordender Mehrzweckhalle wurde vom Hamburger Architekten Florian Betzier geplant. Während der Bauzeit kam es an der Wand zwischen der eigentlichen Sporthalle und dem Vorbau mit Foyer, Umkleideräumen und Toiletten zu erheblichen Durchfeuchtungen. "Das Wasser lief die Wand runter und auch in der Folie, die der Dämmung diente, staute sich das Wasser", erinnert sich der Schulverbandsvorsteher Siegfried Schultz. Mit Trocknungsgeräten wurde versucht, der Feuchtigkeit Herr zu werden. Zwecklos, hinterher wurde mehr Feuchtigkeit nachgewiesen, als vorher.

Nach Ansicht der Gemeinde Klein Nordende musste die Ursache für den Wasserschaden entweder beim Architekten oder bei einem Bauunternehmen liegen. Die Gemeinde beauftragte einen Gutachter, der gravierende konstruktive Mängel feststellte. In der Folge beantragte der Schulverband als Bauherr beim Landgericht Itzehoe ein selbstständiges Beweisverfahren und verhängte einen Baustopp. Die vom Gericht bestellten Gutachter sollten ungehinderten Zugang zu den entscheidenden Bauteilen haben.

Die Gutachter entwickelten unterschiedliche Theorien zur Ursache des Wasserschadens. Der Architekt vertrat den Standpunkt, dass die wegen des Baustopps nicht fertig gestellten Leistungen nicht mängelfrei sein könnten.

Schließlich wurde ein Sanierungsplan aufgestellt, der Baustopp aufgehoben, die am Bau beteiligten Unternehmen aufgefordert, festgestellte Mängel zu beseitigen. Als Hauptursache des Wasserschadens hatte der Gutachter der Gemeinde eine fehlerhafte Dachkonstruktion ausgemacht. Die Mängelliste umfasste schließlich rund 200 Punkte, darunter auch die deutlich überdimensionierte Heizungsanlage. Die Gemeinde Klein Nordende entschied sich, den Bau fortzusetzen, obwohl die Rechtslage nicht geklärt war. "Wir sind in Vorlage getreten. Hätten wir gewartet, dann wäre die Halle heute eine Ruine, sagt Klein Nordendes Bürgermeister Hans-Barthold Schinckel.

Konsequenz: Die 2005 eingeweihte Halle wurde deutlich teurer als ursprünglich geplant. Es mussten Gutachter, Zinsen für aufgenommene Darlehen bezahlt werden und hinzu kommen noch die Kosten für Rechtsanwälte und Gericht. Gestritten wird heute um eine Summe von etwa 1,2 Millionen Euro. Meike Kamin

aus den Elmshorner Nachrichten vom 26.05.2011

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