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Bock auf Arbeit: Großes Fressen in der Kalkgrube

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KLEIN NORDENDE Dieser Ziegenbock ist mit vollem Genuss bei der Arbeit. Seit Anfang August sind 60 Burenziegen in der Liether Kalkgrube im Einsatz. Die Tiere sollen die schwer zugänglichen Hänge und Steilwände des nationalen Geotops von Grünbewuchs befreien, um die darunter liegenden Erd- und Gesteinsschichten wieder sichtbar zu machen. Der Pflegeverein der Kalkgrube ist hoch zufrieden mit dem Versuch und hofft, dass die Tiere jetzt jedes Jahr kommen.

Mäh-Einsatz an der Steilwand

Burenziegen fressen Hänge in der Kalkgrube kahl / Schutzbeauftragter zieht positive Zwischenbilanz / Herde von Marc Christians ist landesweit gefragt

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KLEIN NORDENDE en 220815cSie verrichten harte Arbeit - doch meckern tun sie nicht: Die Burenziegen, die derzeit im Mäheinsatz in der Liether Kalkgrube sind, zählen zu den ruhigen Vertretern ihrer Rasse. Wer weniger meckert, hat offensichtlich mehr Zeit zum Fressen. Denn mit dem Ergebnis ist Roland Vinx sehr zufrieden. Der Schutzgebietsbeauftragte der Kultur-gemeinschaft Tornesch für die Kalkgrube zieht nach drei Wochen eine positive Zwischenbilanz des siebenwöchigen Ziegen-Einsätzes. "Über die Hälfte ist schon weg. Das funktioniert wirklich sehr gut", sagt Vinx.

Der Schutzgebietsbeauftragte will sich dafür einsetzen, dass die vom Land Schleswig-Holstein finanzierte Versuchsbeweidung in den kommenden Jahren fortgesetzt wird. Selbst könnten die Mitglieder der Kulturgemeinschaft, die das nationale Geotop im Auftrag von Kreis und Land betreuen, die Pflege nicht mehr leisten. Die bisherigen Pflegemaßnahmen durch Einsatz von Motorsensen und viel Handarbeit während der Winterzeiten seien an ihre Grenzen gestoßen. "Dies gilt umso mehr, da der an der Pflege maßgeblich beteiligte Schäferhof aus Appen nicht mehr mitwirken kann", berichtet Vinx.

en 220815dMit den Burenziegen scheint nun eine Lösung gefunden. Die Tiere fühlen sich laut Besitzer Marc Christians richtig wohl in den Steilwänden der Kalkgrube. Fleißig frisst dort eine 60-köpfige Herde seit Anfang des Monats auf einer Fläche von etwa 1,2 Hektar sämtliches Grünzeug weg, um die darunter liegenden Erd- und Gesteinsschichten des Geotops wieder sichtbar zu machen.

Auch Züchter Marc Christians aus Holm, dem mit 500 Tieren die europaweit größte Burenziegenherde gehört, würde die Zusammenarbeit gern fortsetzen. Dafür braucht er aber frühzeitig grünes Licht von Kreis und Land. Denn seine Tiere sind gefragt - kommen in vielen Naturschutzgebieten des Landes zum Einsatz.

Die Burenziegen fressen Gras, Büsche und Bäume. Bis in eine Höhe von 180 Metern klettern sie dazu. Bei seinem Geschäftsmodell macht sich der gelernte Maler und Lackierer eine Eigenart der Tiere zu Nutze: "Ziegen sind zu faul, sich zu bücken. Sie fressen alles ab Kniehöhe. Also etwa 40 Zentimetern." Kleine Bäume knabbern sie am Stamm durch. Birken mit drei bis vier Metern Höhe rammen sie im Verbund um. Seine Tiere sind für Behörden oder die Stiftung Naturschutz, für die er 250 Hektar Fläche pflegt, im Einsatz. "Die Ziegen sind vor allem im unwegsamen Gelände oder in Gebieten, wo man mit Sense und Säge nicht oder nur mit hohen Kosten arbeiten kann, gefragt", erläutert Christians.

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"Über die

Hälfte ist
schon weg.
Das mit
den Ziegen
funktioniert
sehr gut"

Die größte Herde mit 150 Tieren sei derzeit für das europäische Naturschutzprojekt Life Aurinia auf dem Truppenübungsplatz in Nordoe bei Itzehoe im Einsatz. Dort soll der europaweit geschützte Tagfalter wieder angesiedelt werden. "Die Ziegen grasen die Fläche ab, zerstören sie im Gegensatz zu Maschinen aber nicht", so der gebürtige Moorreger.

Die Burenziegen entdeckte Christians 2005 für sich. "Ich war immer zu faul, Rasen zu mähen", gesteht er ein. Bei einer Fläche von 3000 Quadratmetern wenig verwunderlich. Aus Bayern kaufte er die ersten 20 Burenziegen, die sich fortan um die Rasenflächen und Büsche kümmerten. "Ich bin dann vom Kreis Pinneberg angesprochen worden, ob ich nicht mit den Ziegen Landschaftspflege übernehmen kann", erinnert sich Christians. Er sagte zu. Im Tävsmoor am Flugplatz Heist-Uetersen, in den Hol-mer Sandbergen oder den Grünbrücken bei Bad Sege-berg waren seine Tiere bereits im Einsatz. "Es wurde immer größer", so Christians. Vor allem seit 2011 seine Tiere im Life-Aurinia-Projekt eingesetzt werden.

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Die "Arbeitszeit" der Tiere reiche von Mitte April bis Mitte November. "Je nach Wetter bleiben die Ziegen draußen auf Grünflächen", so der Holmer. Ansonsten geht es im Winter in den Stall. Aktuell sind sechs Herden im Einsatz. Einmal am Tag besucht Christians jede Herde. 250 Kilometer fährt er pro Tag durch Schleswig-Holstein.

250 bis 300 Jungtiere zeugen die 13 Zuchtböcke pro Jahr. Nach zwölf Monaten ist für viele Böcke, nach zwölf bis 24 Monaten für Ziegen der Weg vorbestimmt. "Je nach Auftragslage lasse ich diese schlachten und verarbeiten", sagt Christians, der die Erzeugnisse wie Ziegenmettwurst oder Ziegenleberwurst direkt verkauft - Telefon (0176) 48216641. Zudem ist er Lieferant für das "Naturgenuss Festival".

"Nur die Felle verarbeite ich nicht oder nur auf Bestellung. Aufwand und Kosten für Ziegenfell sind unglaublich hoch", so Christians. Die Altziegen bleiben auf dem Hof. "Die haben Wohnrecht auf Lebenszeit", scherzt der "Ziegenschäfer". Dort lebt auch sein ganzer Stolz: Der beste Bock Deutschlands. Das 16 Monate alte Tier setzte sich im hessischen Butzbach mit seiner Form, dem Rahmen und einem Gewicht von 105 Kilogramm gegen 40 Konkurrenten durch. Im Landschaftsschutz kommt er nicht zum Einsatz. Als Deutscher Meister hat er andere Aufgaben. Jan Schönstedt, Bastian Fröhlig

Tag des Geotops: Am Sonntag, 20. September, steht der nächste Tag des Geotops an. Von 10 bis 13 Uhr gibt es alle halbe Stunde Führung durch das geologische Naturdenkmal. Treffpunkt ist am Eingang (Straßenecke Langengang/Finkhörn). Die Teilnahme ist kostenlos.
Mehr Fotos finden Sie im Internet unter shz.de/elmshorner-nachrichten

FLEISCH LIEFERANT BURENZIEGE

Die Burenziegen haben ihren Ursprung in Südafrika und wurden vor allem zur Fleischerzeugung gezüchtet. Sie stammt von der Hottentottenziege ab, die wiederum ein Abkömmling der Nubischen Ziege ist. In die Rasse wurden auch Ziegen aus Europa und Indien eingekreuzt. Seit 1977 gibt es die Rasse, die schnell handzahm wird, in Deutschland. Aufgrund ihrer Geländegängigkeit und der Tatsache, dass die kitzführende Geiß nicht gemolken werden muss, ist sie prädestiniert für den Einsatz in der Landschaftspflege, um die Verbuschung in extensiv genutzten Weidelandschaften in den Griff zu bekommen.

aus den Elmshorner Nachrichten vom 22.08.2015

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