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Liether Moor: Das Ende der Schleichwege

Fakten geschaffen nach langer Diskussion

KLEIN NORDENDE Die Verkehrszeichen "Verbot für Kraftwagen und sonstige mehrspurige Kraftfahrzeuge" stehen ab sofort im Liether Moor. Die Straßen Wischdamm und Weg am Schnakenmoor im Liether Moor sind damit für Fahrzeuge gesperrt. Ab sofort dürfen diese Straßen nur noch von Motorrad- und Mofafahrern, Fahrradfahrern, Fußgängern sowie landwirtschaftlichem Verkehr genutzt werden.
"Autofahrer, die trotz des Verbots die Straßen benutzen, müssen damit rechnen, kontrolliert zu werden", sagt die Leiterin des Ordnungsamtes des Amt Elmshorn-Land Kerstin Westphal.
Mit der Sperrung der beiden Straßen durch das Liether Moor endet ein jahrelanger Kampf der Gemeinde Klein Nordende und der Bewohner des Moores, den Durchgangsverkehr aus dem Moor heraus zuhalten. Die Straßen und Wege wurden und werden von zahlreichen Pendlern als Schleichwege genutzt. Verkehrszählungen der Gemeinde hatten ergeben, dass pro Stunde bis zu 48 Fahrzeuge die Straßen durch das Liether Moor genutzt hatten. Im Laufe der Jahre erwies sich nicht nur die Masse der Pkw als Problem, sondern auch und vor allem die hohe Geschwindigkeit.
Ein Blick zurück: Seit 2003 beschäftigen sich Anwohner und Gemeinde mit dem Durchgangsverkehr. Ideen wie eine komplette Sperrung des Moores mit Schranken, eine Beschilderung "Anlieger frei" wurden diskutiert und wieder verworfen.
Im vergangenen Jahr zeichnete sich schließlich die jetzige Lösung ab. Nachdem sich auch die Anlieger mit 26 gegen drei Stimmen für die Beschilderung "Verbot für Kraftwagen und sonstige mehrspurige Kraftfahrzeuge" ausgesprochen hatten, konnte schließlich die Sperrung vorgenommen werden. mka

en-220610-1.jpgLandwirtschaftlicher Verkehr frei
Mit der Enthüllung des Schildes "Verbot für Kraftwagen und sonstige mehrspurige Kraftfahrzeuge" durch Klein Nordendes Bürgermeister Hans-Barthold Schinckel (links) und den Leiter des Bauhofes Waldemar Krieger sind die Durchfahrten Wischdamm und Weg am Schnakenmoor für Auto- und Lkw-Fahrer verboten. MKA


Kommentar

Endlich weniger Autos im Moor
Von Rainer Strandmann

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Schier ewig hat es gedauert, doch am Ende ist das Liether Moor nun doch verkehrsberuhigt - und das ist gut so. Das Moor ist nicht nur Landschaftsschutzgebiet und mit seinen Biotopen hochwertiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Autofahrer, die auf den schmalen Wegen Vollgas gaben, vertrugen sich auch in keinster Weise mit Fußgängern und Radfahrern, die ihr Heil oft genug in fluchtartigen Manövern suchen mussten.
Bemerkenswert: Die nun gefundene Lösung mit Verbotsschildern ohne irgendwelche Ausnahmen ist höchst basisdemokratisch zustande gekommen. Nachdem zahlreiche Varianten von Schranken, Pollern bis zu Verbotsschildern mit der Einschränkung "Anlieger frei" angedacht und wieder verworfen wurden, haben sich die betroffenen Moor-Anlieger zusammengesetzt und selbst über die sinnvollste Lösung abgestimmt. Politik und Verwaltung sind diesem Votum letztlich nur noch gefolgt.
Interessant ist, dass sich die Betroffenen nicht für eine weiche, sondern eine harte Lösung entschieden. Sie selbst dürfen die gesperrten Wege nämlich selbst auch nicht mehr befahren. Dahinter stand die Einsicht, dass halbherziges Handeln den Verkehrsfluss von Elms-horn nach Tornesch oder Seeth-Ekholt und umgekehrt nicht stoppen wird. Manchmal lohnt es sich eben doch, Dinge so lange zu diskutieren, dass am Ende (fast) alle vom Beschluss überzeugt sind.

aus den Elmshorner Nachrichten vom 22.06.2010

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