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„Durch Corona ging es von 100 auf Null“

Jan-Mirko Hamke hat sein Unternehmen umstrukturiert

Holzarbeiten statt Messebau: Jan-Mirko Hamke aus Klein Norden­de hat wegen Corona einiges in seinem Unternehmen geändert. Foto: Bastian Fröhlig

KLEIN NORDENDE / Bastian Fröhlig

An Nürnberg hat Jan-Mirko Hamke coronabedingt keine guten Erinnerungen. Im vergangenen Jahr hatte er gerade die Mes­sestände vorbereitet und aufgebaut, als der erste Co- rona-Lockdown kam. „In diesem Jahr hatten wir um 17.30 Uhr die Standüberga­be und um 18 Uhr gab es die Durchsage, dass Großveran­staltungen in Bayern abge­sagt sind“, erinnert sich Hamke „Ich dachte nur: Jetzt geht es schon wieder los.“ Messen, Konzerte, Events, Weihnachtsmärkte - normalerweise ist der Unternehmer aus Klein Nordende bundesweit unterwegs. „Durch Corona ging es von 100 auf Null“, er­läutert er.

„Alarmstufe rot“, meldete die Veranstaltungsbranche im vergangenen Jahr und be­leuchtete symbolisch Ge­bäude. Hamke wählte die Grundschule in Klein Nord- enäe. „Die Kunden konnten und können nicht planen“, erläutert er. Immer wieder

wurden Veranstaltungen ab­gesagt, Personenzahlen be­grenzt. Hamke stellte selbst das Festival op Platt in Elms­horn auf die Beine. „Wenn es keine Veranstaltungen gibt, mache ich mir selbst wel­che“, sagt er lachend.

Als der erste Lockdown im März 2020 kam, setzte Hamke auf Kurzarbeit. Für ein halbes Jahr. 50 Prozent. „Irgendwie musste man ja an Geld kommen“, sagt er. Doch lange begnügte er sich nicht damit. „Dann kamen die wilden Ideen. Ich habe Material für eine 1 Million Euro rumstehen, Lagermie­te, Versicherungen und kau­fen will das derzeit auch kei­ner“, sagt er lachend.

Er griff zum Telefon und suchte nach Aufträgen. Für ein Bauunternehmen aus Seestermühe stellten er und seine vier Mitarbeiter Zäune auf, renovierten Wohnun­gen. „Durch die eigene Holz­werkstatt können wir einiges machen - von Türen über Fenster bis zu einfachen Mö­beln“, sagt Hamke.

Besonders gefragt in der Corona-Anfangszeit: Plexiglasscheiben. „Wir haben Hunderte Spuckschutze auf­gebaut - von Elmshorn bis Lübeck“, berichtet er. Zwölf Testcenter baute das Unter­nehmen auf. „Damit konnten wir einigermaßen über die Runden kommen. Die Probleme waren die laufen­den Kosten“, erläutert Ham­ke. Vor allem das 700 Qua­dratmeter große Lager schlug ins Kontor. Hamke nahm zwischenzeitlich einen zins- und tilgungsfrei­en Kredit auf. „Man muss mit seinen Partnern, auch der Bank reden. Dann findet man Lösungen.“

„Man hat ein Netzwerk von Leuten, die man kennt und ich kriege es hin, die richtigen Leute zusammen­zutelefonieren“, erläutert Hamke, der auch seine Kon­takte aus der Freiwilligen Feuerwehr nutzte. „Wir ha­ben mit unglaublich viel Fantasie aus dem Nichts eine neue Geschäftsidee ent­wickelt“, sagt er. Der Mangel an qualifizierten Handwer­kern kam ihm zugute.

„Wir profitieren vom Be­darf an Handwerkern, haben aber plötzlich mit den glei­chen Problemen zu tun, dass wir nicht an Holz oder ande­re Baustoffe kommen“, er­läutert Hamke. Ein Garten- und Landschaftsbauer, ein Logistikmanager, ein Tischler und ein Kfz-Mechatroniker gehören zu seinem Team. „Wir sind breit aufge­stellt und können einiges umsetzen, zumindest, was wir im Bereich des Legalen dürfen“, sagt Hamke.

Nach den Sommerferien 2021 habe der Messebereich wieder angezogen. Kurzzei­tig. „Jetzt ist wieder Daddeldu“, sagt er über die Absage von Weihnachtsmärkten und Veranstaltungen. Den­noch ist das Team gut be­schäftigt. „Ich musste schau­en, dass ich die Leute und die Werkstatt sinnvoll einsetzen kann, damit es nicht rausge­schmissenes Geld ist“, sagt er.

Dabei konnte auch auf sei­ne Kunden setzen. „Was ich vorgestreckt habe, haben die Kunden auch bezahlt“, be­richtet Hamke. Er klopft zur Sicherheit dreimal an seinen Kopf. „Schließlich will ich auch in den kommenden Jahren mit meinen Kunden Zusammenarbeiten.“

Seine Mitarbeiter sind bis auf einen geblieben. Dafür hat er zwei neue eingestellt. „Ich wollte so viele Mitarbei­ter wie möglich halten, da­mit wir durchstarten kön­nen, wenn es wieder los­geht“, erläutert Hamke. Dass kann aber für unerwar­tete Probleme sorgen. „Als wir nach fünf Monaten erst­mals wieder ein Mischpult und Lautsprecher aufgebaut haben, haben wir uns schon gefragt, wie das geht. Bei zehn Veranstaltungen pro Woche sitzt es“, sagt Hamke lachend.

„Ganz unglücklich bin ich nicht. Ich habe mal geregelte Arbeitszeiten“, sagt Hamke, der normalerweise abends, am Wochenende und an Feiertagen unterwegs ist. Derzeit seien die Auftrags­bücher für 2022 aber leer: „Ich habe einige Kunden, die vorsichtig sagen, sie könn­ten sich vorstellen, wieder an einer Messe teilzuneh­men, aber in meiner Soft­ware ist noch kein Auftrag, der auf Grün steht“, erläu­tert Hamke. Er kann es ver­stehen: „Welcher Veranstal­ter kann zusagen, was nächs­tes Jahr im Frühjahr oder Sommer los ist? Ich bin nicht böse oder sauer.“ Er ist sich sicher: „Irgendwer wird schon um die Ecke kommen und sagen, wir sollen einen Zaun bauen. Da bin ich mitt­lerweile entspannt.“

Elmshorner Nachrichten, 28.12.2021

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