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„Nicht immer Druck von oben kriegen“

Mathias Grothgar aus Klein Nordende hat seine Selbstständigkeit von langer Hand vorbereitet - doch ein ganz wichtiger Mensch hatte zunächst Bedenken

NEU IM GESCHÄFT

Von Hans-Heinrich Reichelt

Sie sind innovativ, inves­tieren und riskieren viel, um ihre Idee von einem erfolg­reichen Unternehmen in die Wirklichkeit umzusetzen: Start-Up-Gründer. Auch im Kreis Pinneberg gibt es zahl­reiche Menschen, die sich mit ihrer Geschäftsidee etablieren wollen. Unsere Zeitung stellt in einer Serie, die immer montags er­scheint, fünf von ihnen vor. Heute: Garten- und Land­schaftsbauer Mathias Groth­gar.

Mathias Grothgar packt gern selbst an, er hat sich im Garten- und Landschaftsbau selbstständig gemacht. FOTO: REICHELT

KLEIN NORDENDE Liether Moor 5, Klein Nordende. Das Navi läuft sich wund. Die Straßen werden schmaler, das Tempo langsamer. Die Frage rattert durch den Kopf: Bin ich hier richtig? Kennt sich das Navi hier wirklich aus? Bi’n Himmel - links ab­biegen. Weite Felder, saftig grüne Knicks, ein paar Häuser. In der Stille bellt ein Hund. Kein Mensch weit und breit. 100 Hektar Nah­erholungsgebiet. Das Navi hat nicht aufgegeben - gut so. „Sie sind am Ziel, Ihr Ziel liegt links,“ sagt die Stimme aus dem Off. Aufatmen, an­gekommen. Liether Moor 5, Klein Nordende. Haus­besuch bei einem Gründer. Bei Mathias Grothgar - „Garten- und Landschafts­bau“ steht auf dem Auto, das in der Einfahrt vor dem Haus parkt. Und dann steht der Chef selbst in der Tür: groß, schlank, braun gebrannt, Fünf-Tage-Bart, lächelnd, Händedruck wie ein Schraubstock. Kein Wunder, der Mann muss anpacken können. Und er packt an - ab morgens um 7 Uhr. Abends: „open end“.

Grothgar ist nicht der Typ, dem die Worte aus dem Mund purzeln. Aber das, was er sagt, klingt glaubwürdig. „Ich wollte mein eigener Herr sein. Nicht immer Druck von oben kriegen. Wenn Abgabetermine nicht eingehalten wurden, gab’s Ärger. Dabei hatte ich die Termine gar nicht gemacht.“

Zwei Jahre lang hat Grothgar parallel zu seinem eigent­lichen Job im Garten- und Landschaftsbau an Wochen­enden gearbeitet. „Ich habe meine Selbstständigkeit von langer Hand vorbereitet. Und natürlich auch Rücklagen gebildet.“

Aber als er sich dann tat­sächlich entschied, ein Grün­der zu werden, legte sich eine Person quer: seine Frau Silke, Mutter der beiden Söhne, gelernte Bürokauffrau, Ver­waltungsangestellte im Amt Moorrege mit sicherem Ein­kommen. „Dennoch“, sagt sie, „ich hatte Angst, dass das alles nichts wird“. Matthias Grothgar überzeugte seine Frau. Wie? Der Startupper: „Ich habe Flyer drucken las­sen, auf ebay Kleinanzeigen geschaltet, persönliche Kontakte angemorst. Und so kamen die Aufträge.“ Er atmet tief durch, zwinkert spitzbübisch: „Ich war ein­fach überzeugt, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Deswegen hätte ich das auch gemacht, wenn meine Frau letztendlich kein grünes Licht gegeben hätte.“ Sie steht neben ihm, nimmt seine Hand in ihre Hand. Berührend - zwei Menschen, die seit 15 Jahren gemeinsam durch dick und dünn gehen.

Den Business-Plan, den Grothgar erstellt hatte, schickte die IHK Elmshorn zurück. Das Verhältnis von Einnahmen, Ausgaben und Gewinn stimmte nicht. Nach neuer Kalkulation - diesmal mit Hilfe seiner Frau - zeigte die IHK den Daumen nach oben. Der Weg für den eigenen Garten- und Land­schaftsbau war frei.

Grothgar legt Teiche an und Terrassen, er ebnet Wege und setzt Zäune, er fällt Bäume, fasst Beete ein, beschneidet Büsche, wenn Drainagen verstopft sind, putzt er die Rohre wieder frei. Einen Teil zahlen die Kunden an, der Rest ist bei Abgabe fällig.

Wie viel Geld hat Grothgar investiert? „Gut 15000 Euro.“ Am teuersten war das Auto mit dem Anhänger.“ Der Rest des Geldes ging, wie Grothgar sagt, für Buddel­werkzeug weg. So nennt er Spaten, Schaufeln, Hämmer, Sägen, Maschinen.

Gibt’s auch Freizeit, wenn man sich selbstständig gemacht und erst einen Mit­arbeiter hat? Ja. Am liebsten macht der Unternehmer Krafttraining in der 30 Qua­dratmeter großen Garten­laube. Hier hat sich Grothgar ein Fitnessstudio einge­richtet, hier trainiert er Kon­dition auf dem Rad, mit Han­teln und auf Trainingsbänken stärkt er seine Muckis. Grothgar: „Es ist einfach ein geiles Gefühl, wenn man sich den Tag einteilen kann.“

Elmshorner Nachrichten, 17.08.2020

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