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Corona-Meister mit großem Kader

Klare Gesten und deutliche Worte findet Thomas Dämmich, Coach der SV Lieth II. FOTO SPECKNER

Von Johannes Speckner

KLEIN NORDENDE Dank guter Kondition sowie Trainings­fleiß erreichte Thomas Däm­mich schon bei zahlreichen Lauf- und Triathlon-Veran­staltungen das Ziel. Vorzeitig aufzugeben, kam für ihn nie infrage - und insofern fand er es als Coach der Kicker der SV Lieth II auch „sehr bedauer­lich“, dass die Fußball-Saison 2019/2020 im Amateur-Be­reich wegen der Corona-Krise abgebrochen werden musste. „Wir hätten die Spielzeit lieber regulär beendet - und ich bin mir sicher, dass wir auch sport­lich aufgestiegen wären“, be­teuerte der 55-Jährige. Fakt ist: Weil die SVL-Reserve in der A-Kreisklasse 5 mit 2,65 den besten Punkte-Quotienten aufwies, wurde sie vom Ham­burger Fußball-Verband zum Tabellen-Ersten und Aufstei­ger in die Kreisliga erklärt.

„Wir sind sozusagen Coro­na-Meister“, befand Däm­mich, der gequält lächelnd hin­zufügte: „Wirklich feiern konnten wir diesen Erfolg aber nicht - das sorgt für einen bit­teren Beigeschmack.“ Zudem steht der Erfolgscoach mitfüh­lend dem Dilemma der Mann­schaften, die bis zur Unterbre­chung der Spielzeit die heißes­ten Verfolger seiner Elf waren und nun sehr vermutlich nicht aufsteigen, gegenüber: „Gerade für den TSV Seestermüher Marsch, der für mich von der Erfahrung her den stärksten Kader hatte, ist das eine bittere Nummer“, weiß Dämmich.

Dämmich hat Mitleid mit Seestermühe und Holsatia

Würden die Seestermüher mit dem siebtbesten Punkte- Quotienten aller acht A-Klas- sen-Zweitplatzierten noch aufsteigen, sofern sieben an­dere Teams auf eine Meldung für die kommende Saison in der Kreisliga verzichten, bleibt dem Rang-Dritten SC Egen­büttel III und dem Tabellen- Vierten Moorreger SV dieser Sprung definitiv verwehrt. „In den letzten Jahren sind ja meistens aus jeder Kreisklas- sen-Staflel vier Teams aufge­stiegen - wenn ich nun sehe, dass viele Mannschaften, die auch eine gute Saison gespielt haben, nur wegen der Corona-Krise nicht mit dem Aufstieg belohnt werden, kriege ich als Trainer einen dicken Hals“, findet Dämmich klare Worte.

Mitleid empfindet Däm­mich auch für die Kicker des Nachbarn Holsatia im Elms­horner MTV, die in der Kreisli­ga 8 Mitte März nach den letz­ten ausgetragenen Partien den ersten Platz belegten, dann aber aufgrund der Quotien- ten-Regelung hinter den TuS Hasloh sowie den SV Rügen­bergen II auf den dritten Rang abrutschten und den Aufstieg verpassten. „Das tut weh - und mit etwas Pech wäre es uns ähnlich ergangen“, befand Dämmich mit Blick auf das Tableau der A-Kreisklasse 5, in dem die Seestermüher eine ab­solvierte Partie weniger, aber zum Glück der Liether auch sieben Punkte weniger auf wie­sen (Quotient 2,38). „So ge­hören wir zu den wenigen, glücklichen Aufsteigern“, atmete Dämmich tief durch.

Nach der Zielsetzung für die kommende Serie befragt, sta­pelte der gebürtige Hambur­ger tief: „Wir werden uns mit Händen und Füßen gegen den Abstieg wehren müssen - un­ser erstes Ziel ist es, möglichst zeitig den Klassenerhalt sicher zu haben.“ In der Kreisliga 8, in der bis vor drei Jahren noch die Liga-Mannschaft der „roten Teufel“ um Punkte kämpfte und in die der HFV-Spielaus- schuss nun die SVL-Reserve einteilen dürfte, sieht Däm­mich „sechs bis acht richtig starke Teams, die um den Auf­stieg kämpfen werden“.

Mit den anderen Gegnern könne seine Elf „mithalten“, so Dämmich, der „zuversicht­lich“ ist, dass seine Schützlinge sich „schnell an das höhere Tempo gewöhnen werden“. Da sich die Talente, die nun aus der A-Jugend in den Reserve- Kader wechseln, „erst an den Herren-Bereich gewöhnen müssen“, wäre es laut Däm­mich „vermessen, gleich einen Platz im Tabellenmittelfeld an­zupeilen“. Bemerkenswert ist, dass im Kader der Liether Zweitvertretung nur vier Spie­ler stehen, die älter als 25 sind alle anderen Akteure sind 22 Jahre oder jünger.

Spieler sind dem Coach ans Herz gewachsen

Acht von ihnen kommen aus dem Team, das Dämmich schon im D-Junioren-Bereich übernahm. „Deshalb sind mir die Jungs sehr ans Herz ge­wachsen“, so Dämmich, der betonte: „Wir sind ein ver­schworener Haufen, in dem auch das Menschliche stimmt  ansonsten würde ich auch gar nicht mehr an der Seitenlinie stehen.“ Dämmich gehörte 16 Jahre lang dem Hamburger Traditionsverein SC Urania an, ehe er 2002 nach Klein Nordende zog und sich seither bei den Liethern engagiert.

Personalnot dürfte es am Butterberg nicht geben. Dämmichs Kader umfasst 30 Spieler und der Erfolgscoach geht davon aus, dass von den ersten Herren, die ihrerseits 25 Aktive im Aufgebot haben und „mit denen die Zusammenarbeit hervorragend funktioniert, immer ein paar Akteure aushelfen werden“. Deshalb hatte Dämmich den SVL-Verantwortlichen sogar empfohlen, darüber nachzudenken, nach einer fünfjährigen Unterbrechung erstmals wieder eine dritte Mannschaft zu melden. „Dazu wird es aber nicht kommen“, weiß Dämmich, der klarstellte, dass „in der Vorbereitung jeder Spieler die Chance hat, sich zu empfehlen“.

Auch die Akteure, die es schwer haben, an den Spieltagen in den 1 Ser-Kader zu kommen, würde Dämmich „natürlich nicht vom Hof jagen“, wie er versicherte. Sollten allerdings Spieler aufgrund mangelnder Einsatzzeiten unzufrieden werden, würden die SVL-Verantwortlichen ihnen auch keine Steine in den Weg legen, wenn sie den Klub bis zum Ende der Sommertransferperiode oder im Winter verlassen wollen. Marc Schakulat, der lange selbst für die Liether Reserve kickte und nun bei Gencler Birligi Elmshorn als Trainer ein neues Team für die B-Kreisklasse aufbaut, hatte diesbezüglich sogar schon ein­mal die Fühler ausgestreckt.

Seit Mitte Juni bieten Däm­mich sowie Co-Trainer Niclas Schwarzhafter, der nach sei­nem Wechsel aus der eigenen Jugend in den Herren-Bereich zwei Kreuzbandrisse erlitt und deshalb auf Dämmichs Geheiß an die Seitenlinie wechselte, ihren Schützlingen einmal pro Woche eine Übungseinheit an. „So werden wir es handhaben, bis feststeht, wann die neue Saison beginnt“, erklärte der Erfolgscoach. Deshalb sollten die SVL-Kicker eine so starke Kondition haben, dass sie die neue Saison ähnlich gut zu Ende bringen können, wie ihr Trainer seine Läufe und Triathlon-Wettkämpfe....

Elmshorner Nachrichten, 13.07.2020

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