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Die Delikatesse aus der Erde

Saisonbeginn für den traditionsreichen Liether Spargel / Nadine Slowik erntet täglich bis zu 50 Kilogramm

Nadine Slowik erntet die ersten Spargelstangen der Saison 2020. FOTO: WOLFGANG DUVENECK

KLEIN NORDENDE Seit Jahr­zehnten ist er in der Region ein Begriff für Gourmets - der Liether Spargel aus Klein Nordende. Die gute Nach­richt in einer Zeit, in der im Zeichen der Corona-Krise sonst nach wie vor von Ein­schränkungen die Rede ist: er ist wieder da! Dort, wo bis vor einem Jahr noch im Restau­rant „Zum Tannenbaum“ Ge­nerationen von Gästen das frische Gemüse serviert be­kamen, wird es von heute an täglich von 10 bis 13 Uhr frisch im kleinen Hofladen am Sandweg 154 angeboten. Mit Einhaltung der Ab­standsregeln, versteht sich.

Nadine Slowik ist die letzte Spargelbäuerin im Ort und in der näheren Umgebung. Seit zehn Jahren ist die 41-Jährige Chefin über 21 Reihen von ungefähr 80 Meter Länge mit dem „weißen Gold“, das schon ihr Großvater dort an­gebaut hat. Früher, so weiß sie, gab es noch zahlreiche andere Spargelfelder rings­um. „Aber die meisten Bauern hatten wohl keine Lust mehr“, vermutet sie und gibt zu, dass die Spargelernte durchaus ein Knochenjob ist, der vor allem den Rücken be­ansprucht. Trotzdem bewäl­tigt sie im Gegensatz zu Großbetrieben die Ernte ohne angereiste Erntehelfer aus Polen und Rumänien. „Beim Stechen habe ich Hilfe aus der Nachbarschaft, mein Vater kümmert sich um die Folie, die die Beete bedeckt, und meine Mutter bedient die Sortiermaschine und ist mit für den Verkauf zustän­dig“, berichtet sie.

Mit großen Betrieben möchte sich Nadine Slowik nicht vergleichen: „Wir ern­ten pro Tag etwa 50 Kilo, manchmal auch weniger. Die Ware wird frisch verkauft, und wenn sie alle ist, ist eben Schluss.“ Früher, so erinnert sie sich, wurde ein Großteil in der eigenen Gaststätte ver­braucht. Inzwischen kom­men die Kunden, um sich selbst zu versorgen. Viele sind Stammkunden, manche reisen sogar extra aus Ham­burg an.

Die ersten Stangen, die aus der Erde geschossen sind, lassen eine gute Saison erwarten. „Wir haben hier zum Glück Geestboden mit einer guten Muttererde, ideal für unseren Spargel“, freut sich die Spargelbäuerin, die ur­sprünglich gelernte Küchen­meisterin ist. Inzwischen ist sie zur Berufskraftfahrerin umgestiegen. Die Arbeit in großen „Brummis“ für eine Tief- und Erdbaufirma macht ihr Spaß, die Größe der Last­wagen spielt keine Rolle. „Ich habe alle Führerscheine“, sagt sie.

Der Nebenerwerb mit dem Spargelanbau lässt sich gut mit ihrem anderen Beruf ver­binden. „Übrigens kommt auch mein Chef als Kunde, um bei mir Spargel einzukau­fen“, freut sie sich. Spätes­tens bis zum Johannistag am 24. Juni hat er ebenso wie alle anderen Kunden Gelegen­heit dazu. Danach ist wieder Pause bis zum nächsten Jahr.

Etwa zehn Jahre lang, so er­läutert Nadine Slowik, kann ein Spargelfeld genutzt wer­den. In der großen, industri­ellen Produktion sei die Zeit kürzer, weil die Pflanzen en­ger gesetzt würden. Voraus­sichtlich im kommenden Jahr werde an der derzeitigen Stelle zum letzten Mal geern­tet, bevor sich der Boden er­holen kann. Danach soll es auf einem benachbarten Feld mit neuen Pflanzen weiter­gehen. „Auf einem Acker kann innerhalb von 100 Jah­ren erfahrungsgemäß nur et­wa dreimal Spargel gepflanzt werden“, erläutert die Bäue­rin.

Für Nadine Slowik ist der Spargelanbau zu einem schö­nen Hobby geworden. „Ich setze damit quasi in dritter Generation die Tradition fort und schaffe damit zugleich einen kleinen Nebenerwerb. Der reicht zwar nicht für Reichtümer, aber ein Urlaub zum Beispiel nach Gran Ca­naria ist schon drin - auch wenn ich mir da in diesem Jahr wohl keine großen Ge­danken machen muss“, meint sie augenzwinkernd. „Vielleicht gibt’s dafür statt­dessen in diesem Jahr einen neuen Rasenmäher...“

Ebenso wie andere Fein­schmecker freut auch sie sich auf die nächsten Wochen, wenn sie nach Herzenslust den Spargel in allen Variatio­nen genießen kann: „Am liebsten mag ich ihn klassisch - mit Buttersoße, Salzkartof­feln und Schinken oder auch mit Holländischer Soße.“ Wolfgang Duveneck

Elmshorner Nachrichten, 21.04.2020

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