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Burghard Schalhorn ist wieder da

Kreistagspolitiker saß zwei Wochen in Australien fest / Die Rückkehr gelang mit einem Flug des Auswärtigen Amts

Der Trip dauerte deutlich länger als geplant: Nach zwei Wochen des Wartens im australischen Bris­bane sind der Klein Nordender Burghard Schalhorn und seine Familie wieder wohlbehalten zu Haue angekommen. Foto: Pixabay/davodlbnn

KLEIN NORDENDE Zwei Wo­chen lang sitzt Burghard Schalhorn, Kreistagspoliti­ker der KWGP aus Klein Nordende, am anderen Ende der Welt fest. Im australi­schen Brisbane besucht er eine Verwandte (wir berich­teten). Dann kommt die erlösende Nachricht: Mit einem vom Auswärtigen Amt organisierten Flug geht es endlich nach Hause. Seit Montag ist er wieder in Klein Nordende.

Schalhorn war am 2. März mit Frau und Schwägerin an die australische Ostküste geflogen, um eine Verwandte zu besuchen. Es sah nach einem Traumurlaub aus. „Queensland gilt als Sonnen­staat Australiens. Wir hatten jeden Tag um die 31 Grad“, sagt Schalhorn nach seiner Rückkehr. Brisbane, die Hauptstadt Queenslands, sei einfach schön. „Die Stadt ist wie geleckt. Es gibt keine Ver­unstaltungen durch Sprayer, keinen Müll auf der Straße, überall saubere Ruhebänke aus Edelstahl und sogar öf­fentliche Grillplätze. Die sind ebenfalls top gepflegt“, schwärmt der 78-Jährige. Auf dem Programm standen Touren durch den Busch, der Besuch einer Krokodilfarm und Entspannung am Strand. „Die Landschaft dort ist ein­fach großartig.“

Doch nach etwa zwei Wochen ist klar: Das Corona­virus macht sich auch in Australien rasant breit. Es gelten ähnliche Einschrän­kungen wie in Deutschland. Die meisten Geschäfte sind geschlossen. Nur noch Ärzte, Supermärkte und Tankstel­len sind geöffnet. Es gelten 1,5 Meter Mindestabstand.

„Die Polizei greift da auch wirklich durch“, sagt Schal­horn.

Am 23. März soll es zurück­gehen. Kurz vorher versucht Schalhorn den Check-In bei der gebuchten Fluglinie. Doch nichts geht mehr. Die Schalhorns sitzen in Austra­lien fest. Etwa 16 000 Kilome­ter Luftlinie trennen sie vom heimatlichen Klein Norden­de. Es beginnen nervenzeh­rende Tage mit zahlreichen Anrufen bei der deutschen Botschaft, dem Auswärtigen Amt (AA) in Berlin, Helfern aus Deutschland und dem Honorarkonsul in Brisbane.

Auf das Außenamt ist Schalhorn nicht gut zu spre­chen: „Die waren völlig über­fordert. Niemand konnte uns sagen, was Sache ist.“ Anrufe in der Botschaft seien nicht entgegengenommen wor­den.

Erst nach einem Bericht über die Schalhorns in unse­rer Zeitung kommt Bewe­gung in die Angelegenheit. „Die Bundestagsabgeord­neten Ernst Dieter Ross­mann und Michael von Abercron haben mich kontaktiert und mit Informationen ver­sorgt. Dafür bin ich Ihnen sehr dankbar.“ Und offenbar hat auch der Honorarkonsul in Brisbane den Beitrag gelesen. „Der hat sich an­schließend bei mir gemeldet und sich wirklich um uns gekümmert“, sagt Schal­horn.

Die Botschaft meldet sich auch bei der unserer Redak­tion. Die Betroffenen seien nirgends registriert, sagt ein Mitarbeiter. Also könne auch kein Rückflug organisiert werden. Schalhom möge sich so schnell wie möglich bei der Botschaft oder einem Konsu­lat melden. Der 78-Jährige widerspricht: „Natürlich hat­ten wir uns registriert. Wir sind sogar regelmäßig aufge­fordert worden zu melden, ob wir noch in Australien sind“, sagt der Politiker.

Am Freitag, 3. April, steht dann fest: Es geht nach Hau­se. „Wir standen wie 200 an­dere Deutsche auf einer Liste des Auswärtigen Amtes“, sagt Schalhorn. Am Sonntag, 5. April, hebt gegen 15 Uhr Ortszeit eine Maschine der deutschen Condor ab. „Es war genug Platz für alle. Wir konnten den Abstand wah­ren“, sagt Schalhorn. Mit Zwischenstopp zum Tanken im thailändischen Phuket geht es in 22 Stunden nach Frankfurt am Main, von dort mit dem Zug nach Hamburg und weiter nach Elmshorn. Nach fast 30 Stunden sind die Schalhorns wieder daheim. „Ich bin kein Nörgler. Aber das hat alles ganz schön ge­schlaucht.“

Nachdem der Bericht über die Schalhorns erschienen war, hatte es kritische Leser­briefe gegeben. Eine Reise sei unverantwortlich. Schließlich sei die Corona-Pandemie längst bekannt gewesen, hieß es darin unter anderem. Schalhorn reagiert gereizt: „Das ist wie mit ’nem Hahn, der versucht, ein Ei zu legen. Der hat einfach keine Ah­nung.“ Kurz vor der Abreise habe er sich beim Auswärti­gen Amt erkundigt. „Es gab keine Reisewarnung.“ Tobias Thieme

Elmshorner Nachrichten, 14.04.2020

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