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Nähen für Risiko-Patienten

Karin Kruse und ihre Mitstreiter vom Eisstock-Club Klein Nordende fertigen aus Baumwoll-Resten behelfsmäßige Schutzmasken

Karin Kruse arbeitet jetzt viel an ihrer Nähmaschine. FOTO: KRUSE

KLEIN NORDENDE Vor der Corona-Pandemie hat Karin Kruse noch nie mit einer Näh­maschine gearbeitet. Jetzt lässt die 71-Jährige aus Klein Nordende ständig die Nadel rattern, für den guten Zweck. Zusammen mit ihrem Mann und zwei anderen Damen aus dem Eisstock-Club Klein Nordende produziert Kruse neuerdings behelfsmäßigen Mund- und Nasenschutz aus alter Bettwäsche, Geschirrtü­chern oder ausrangierter Kleidung.

Wichtig ist nur, dass es sich um reinen Baumwoll-Stoff handelt. „Die Masken sind nicht medizinisch einsetzbar für Ärzte und Kranken­schwestern, aber allemal so gut wie die einfachen Einmal­masken aus der Apotheke“, sagt Kruse. „Und sie sind wie­derverwendbar, da sie bei über 60 Grad gewaschen wer­den können.“ Nutznießer sol­len insbesondere pflegende Personen, ältere Mitbürger und Risikopatienten sowie Supermarktkassiererinnen und so weiter sein.

Als erstes will Kruse den Mundschutz kleineren Alten­heimen anbieten, die nicht mehr ausreichend mit medi­zinischem Mundschutz ver­sorgt sind. „Am Telefon war eine Dame schon sehr interes­siert“, sagt Kruse. Die ersten 36 Masken hat sie inzwischen schon an das Seniorenheim Haus Godewind in Elmshorn geliefert. Später will Kruse den Mundschutz an Apothe­ken abgeben. Die Idee: Die Mitarbeiter könnten die Mas­ken dann an diejenigen wei­terverschenken, die sie jetzt am dringendsten benötigen.

15 Minuten arbeitet Karin Kruse zurzeit an einer Maske. Etwa eine Stunde hat sie als komplette Nähanfängerin ge­braucht, um das Prinzip zu verstehen. Wie man eine Näh­maschine bedient, hat ihr ihr Mann erklärt, der selbst er­fahren im Umgang mit der Maschine ist. Kruse benötigt für eine Maske ein 25 mal 34 Zentimeter großes Stück Stoff, das doppelt genäht und mit zwei Falten, Seitenrändern und Gummis zur Befes­tigung versehen wird. „Es ist sehr einfach, so einen Mund­schutz zu nähen“, sagt Kruse. „Einzige Voraussetzung ist, dass man mit einer Nähma­schine umgehen kann.“

Die Idee kam Kruse, als sie im Fernsehen einen Bericht über die Mitglieder der Esse­ner Feuerwehr gesehen hat, die selber solchen Mund­schutz aus Baumwolle genäht und eine detaillierte Anlei-tung auf der Intemetseite der Stadt Essen veröffentlicht ha­ben. Nach diesem Vorbild ha­ben die Mitglieder des Eis­stock-Clubs Klein Nordende ihre eigene Anleitung erstellt.

Auch die Stadt Elmshorn hat die Intemetadresse der Stadt Essen mit der Näh-Anleitung schon auf ihrem eige­nen Internetauftritt veröf­fentlicht. Was im Vorwort zu der Anleitung ausdrücklich betont wird: Es handelt sich bei dem Mundschutz ledig­lich um einen Behelf, wenn zertifizierter Mundschutz nicht mehr verfügbar ist. Ziel ist es, die Verbreitung von Tröpfchen durch den Träger zu reduzieren - insbesondere, wenn dieser in Kontakt mit Risikopersonen kommt. Der selbstgenähte Mundschutz stellt keinen Eigenschutz für den Träger dar.

Karin Kruse ist selbst Risi­kopatientin. Sie leidet unter einer Herz- und einer Lun­genkrankheit und geht zur Zeit kaum noch aus dem Haus. Mit dem Nähen des Mundschutzes hat die 71-Jährige eine sinnvolle Beschäfti­gung gefunden, die anderen Menschen wie ihr hilft, die Krise zu überstehen. Aber zu viert können die Mitglieder des Eisstock-Clubs natürlich nur in sehr begrenztem Maße etwas ausrichten. Deshalb ruft Kruse alle Hobby-Näher aus dem Kreis Pinneberg auf, sich selbst an die Nähmaschi­nen zu setzen und mitzu­arbeiten. Die Nähanleitung stellt Kruse zur Verfügung - zur Not auch analog, wenn je­mand kein Internet zuhause hat. Auch Stoffspenden sind gerne gesehen. Cornelia Sprenger

NÄHER GESUCHT

Kontaktdaten

Wer mithelfen und selber einen Mundschutz nähen möchte, wendet sich an Karin Kruse per E-Mail unter esc-klein-nordende@gmx.de, über den Kurz­nachrichtendienst Whats-App unter (01 52) 2 4 74 61 66 oder ganz klassisch unter Telefon (041 21)807651. cop


Elmshorner Nachrichten, 04.04.2020

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