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Ärger um Radschnellweg

Vereine im Liether Moor kritisieren mangelnde Transparenz bei der Planung

Vertreter der Vereine, die im Liether Moor aktiv sind, trafen sich, um über den geplanten Radschnellweg zu beraten. Eine Trassenvariante soll mitten durchs Liether Moor führen. FOTO: MEIKE KAMIN

KLEIN NORDENDE „Es wird zurzeit über uns und über das Liether Moor gesprochen, aber nicht mit uns. Wir haben viele Fragen“, sagen Martin Röseke und Jörg Bendmann, Erster und Zweiter Vorsitzen­der des Betreuungsvereins Liether Moor. Das Thema, das den Betreuungsverein, die Jagdvereinigung Klein Nord­ende, den Ortsbauernver­band, die Arbeitsgruppe Lie­ther Kalkgrube und den Ro­bustrinderverein beschäftigt, ist der geplante Radschnell­weg von Elmshorn nach Ham­burg. Ein Teil dieses Fahrrad­schnellweges soll durch das Liether Moor führen.

Der Hintergrund: Im Sep­tember 2019 hatte der Kreis Pinneberg zu einem Ideen­workshops zur Machbarkeits­studie für den Radschnellweg Elmshorn-Hamburg eingela­den. An diesem Workshop nahmen Röseke und Bend­mann teil. Ein wesentlicher Teil dieser Veranstaltung war die Arbeit in Kleingruppen, um über die Vor- und Nachtei­le der jeweiligen Trassenva­rianten zu diskutieren.

Die Vertreter des Betreu­ungsvereins Liether Moor be­teiligten sich in der Arbeits­gruppe für die Trasse Elms­horn-Tornesch. Zwei Varian­ten - „B“ (östlich der Bahn­strecke durch das Liether Moor) und „C“ (westlich der Bahnstrecke über Klein Nord­ende und Tornesch) - wurden beleuchtet. Kriterien, wie eine direkte Verbindung, wenig Konflikte zwischen Rad und Auto, gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr,

Siedlungsnähe, ökologische Vertretbarkeit, Ausstattung des Weges und geringe Ein­griffe in die Natur, wurden diskutiert. Aus dieser Diskus­sion heraus wurde eine neue Variante, eine Kombination von „B“ und C“ entwickelt, die von der Mehrheit der Arbeits­gruppe für gut befunden wur­de. „Diese Kombination wäre siedlungsnah, in Sachen Landwirtschaft nahezu kon­fliktfrei, hätte zahlreiche An­bindungsmöglichkeiten an den ÖPNV und bezieht Heid­graben mit ein“, so Martin Röseke.

Diesem Ideenworkshop schloss sich ein weiterer an. Hier waren die Vertreter der Kommunen eingeladen. „Wir wurde über die Ergebnisse lei­der nicht informiert. Wir hat­ten nur den Eindruck, dass al­les, was wir vorher erarbeitet hatten, plötzlich Makulatur war“, so Röseke und Bend­mann. Informationen über diese Sitzung, so die beiden, gab es nicht. Auf Nachfrage im Wegeausschuss der Gemein­de Klein Nordende gab es zur Antwort, dass diese Sitzung unter Ausschluss der Öffent­lichkeit stattgefunden hätte.

Um von Seiten der Vereine, die im Liether Moor aktiv sind, ein Stimmungsbild zu erhalten, trafen sich deren Vertreter und die Vorsitzende des Umweltausschusses An­drea Gentzsch. Alle einte das Gefühl, dass die Planungen für den Radschnellweg bisher deutlich weniger transparent waren als vom Kreis verspro­chen. Diskutiert wurden wäh­rend des Treffens die Trassen­varianten, die Möglichkeit, die vorhandenen Straßen zu nutzen, den Durchgangsver­kehr per Pkw aus dem Moor raus und Fahrradfahrer in das Moor rein zu bringen. Auch die mögliche Beleuchtungs­problematik wurde bespro­chen und als Alternative ein reflektierender Straßenbelag in Spiel gebracht. Gentzsch machte deutlich, dass für sie das Liether Moor ein Gebiet ist, in dem man die Seele bau­meln lassen kann: „Hier will ich nicht schnell durch.“ Die Vereinsvertreter einigten sich schließlich darauf, dem Kieler Umweltminister Jan-Phillip Albrecht einen Brief zu schreiben und ihn auf das Konfliktpotential zwischen dem Landschaftsschutzge­biet „Liether Moor“ und dem Radschnellweg hinzuweisen.

„Warum muss der Rad­schnellweg durchs Liether Moor? Entlang der alten Bun­desstraße 5 gibt es bereits einen Fahrradweg, der ausge­baut werden könnte und den Wunsch nach einer schnellen Verbindung erfüllen würde?“, fragt der Vorstand des Betreu­ungsvereins Liether Moor. Schlussendlich wünschen sich alle Vereine eine transpa­rente Kommunikation. Und mit Blick auf die Gemeinde Klein Nordende sagten Rös­eke und Bendmann: „Der Ver­ein wurde auf Wunsch und Initiative der Gemeinde 2001 gegründet. Der Bürgermeis­ter ist als Beisitzer im Vor­stand vertreten“. Beide wun­dern sich über die mangelnde Kommunikationsbereit­schaft der Gemeinde. Meike Kamin

Elmshorner Nachrichten, 29.02.2020

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