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Drei Kugeln für die Kümmerin

Mit Herzblut, Zeit und Kontakten hält Ulrike Weers seit 25 Jahren die Fäden in Kultur und Soziales ihrees Heimatorts Klein Nordende in der Hand

Zum 25. Jubiläum schenkte die Gemeinde Ulrike Weers Keramikkugeln für den Garten.

KLEIN NORDENDE Stationen einer überzeugten Dorfbe­wohnerin: Mit 24 Jahren als bürgerliches Mitglied in den örtlichen Ausschuss für Fami­lie, Jugend und Schule einzie­hen; vier Jahre später in den Kulturausschuss, weitere vier Jahre später in die Gemeinde­vertretung. Danach heiraten und zwei Kinder kriegen. Ar­beiten in Hamburg - okay, aber wegziehen aus Klein Nordende war nie eine Opti­on für Ulrike Weers.

Ihr Mann Ralf Weers führt eine Tischlerei in Elmshorn, sie arbeitet dort vormittags im Büro. Wenigstens dorthin umsiedeln, in die Stadt gleich hinter der Ortsgrenze? Nein, lieber ein Haus auf dem Grundstück bauen, das schon der Oma gehörte. Dort hat Ul­rike Weers einen Arbeitsplatz „oben im Giebel“ mit großem Fenster, das einen Ausblick bietet an den Häusern vorbei auf die Felder. Auf die schöne Seite des Dorfes, in dem sie geboren wurde.

Seit 25 Jahren engagiert sich Ulrike Weers, 57, in Klein Nordende als Gemeindever­treterin. „Ich habe ja nun schon den vierten Bürger­meister“, blickt sie zurück. Bei der jüngsten Gemeinde­vertretersitzung gratulierte ihr der aktuelle, Adolf Luitjens, im Namen der Gemein­de: „Alle sind aufgestanden und haben applaudiert, das war schon ein bisschen Gän­sehaut“.

Ihre politischen Schwer­punkte kann Weers mit vier Wörtern zusammenfassen: „Immer was mit Menschen“. Sie saß in ihrer langen Lauf­bahn auch im Amts- und im Finanzausschuss und im Schulverband, aber „aktiv und mit Herzblut“ erzählt sie von ihrem sozialen Engagement. Sie war dabei, als die Partner­schaft Klein Nordendes mit Zempin auf Usedom vor 26 Jahren begründet wurde und begleitet noch heute die zweijährlichen Reisen Klein Nordender Senioren auf die Insel. Weers ist auch eine der „Gründungsmütter“ des Ver­anstaltungszentrums „Töverhuus“, das die Gemeinde seit 1996 gemeinsam mit Familie Hamke betreibt.

Ulrike Weers sitzt seit 25 Jahren in der Klein Nordender Gemein­devertretung. FOTO: JANN ROOLFS

Als Ulrike Weers 2003 den Vorsitz im Ausschuss für Fa­milie, Jugend und Sport über­nahm, baute sie gemeinsam mit Vereinen das örtliche Fe­rienprogramm auf. Einen Bus mieten und irgendwo hinfah­ren, das kam ihr als Kinder­programm nicht in den Sinn; lieber organisierte sie einen Schnuppertag auf dem Ten­nisplatz oder Spiele bei der Feuerwehr. 2013 übernahm Weers den Vorsitz im Sozial­ausschuss, zwei Jahre später kamen die Flüchtlinge und sie rief den Integrationstreff ins Leben: „Einer muss sich ja kümmern“. Woher sie ihre Helfer nahm? „Wenn man Leute kennt, weiß man, wen man ansprechen muss.“ Und dass die Angesprochenen dann Zusagen, dafür baut Ul­rike Weers täglich vor: „Ich helfe, wo es gebraucht wird.“ Wenn sie dann jemanden auf- fordert, hat sie gute Chancen.

„Ganz viel Herzblut“ sieht sie als Voraussetzung für ihr Engagement in der Gemein­devertretung. Darum hat es sie auch nie gereizt, etwa auf Kreisebene aktiv zu werden. Ihre Leidenschaft gilt Klein Nordende. „Wir verreisen auch nicht großartig“, sagt Weers. Ihr Programm, wenn sie tatsächlich mal nichts zu erledigen hat: „Gartenstuhl, Füße hoch, Buch vor die Na­se“.

Zu ihrer Überraschung wur­de sie 2008 zur zweiten Stell­vertreterin des Bürgermeis­ters, weil ihre Wählergemein­schaft bei der Kommunalwahl so viele Stimmen bekommen hatte. Höhere Posten strebt sie nicht an: „Weil ich das viel zu sehr mit nach Hause neh­me.“ Lieber engagiert sie sich noch im Schützenverein und beim DRK.

Zweite Voraussetzung: „Auf alle Fälle viel Zeit“. Im Schnitt investiert Weers min­destens 15 Stunden pro Wo­che in ihr Engagement. Als es darum ging, den Integrationstreff zu organisieren, wurde es zum „Halbtagsjob“ - da meldete sich irgendwann die Familie, erzählt sie.

Das Ehrenamt hat in ihrer Familie einen hohen Stellen­wert: Ehemann Ralf engagiert sich im Innungsvorstand, die beiden Söhne machen in der Feuerwehr mit. Ulrike Weers’ Vater, Erich Wittern, saß selbst lange Jahre im Gemein­ derat, zeitweise leitete er den Sozialausschuss, in dem seine Tochter Mitglied war. Sie ver­standen sich zwar gut, erin­nert sich Weers, aber: „Wir ha­ben uns manchmal zu Hause ... mit Volldampf...“, sie lässt ihre Fäuste vor der Brust kol­lidieren. „Dann taten mir mein Mann und meine Mutter Leid.“ Auch Ex-Bürgermeis­ter Günther Hell, ein Urge­stein des Dorfes, gehört zu ih­rer weiteren Familie.

Sonst noch etwas? „Es macht Spaß, das Organisie­ren.“ Bevor sie mit Besuchern aus Zempin und Klein Nord­ender Senioren verreist, fährt sie alle Stationen ab: Stört ir­gendwo Kopfsteinpflaster, gibt es behindertengerechte Toiletten? Ihre Belohnung: „Wenn die Leute Zusammen­kommen“, wenn ältere Dörf­ler Kontakte gegen die Verein­samung knüpfen, wenn Ulrike Weers „so ein Wir-Gefühl“ spürt wie neulich beim ersten Kalkgrubenlauf.

„Ich möchte irgendwann länger verheiratet sein als im Gemeinderat“, hat sich Weers vorgenommen. Darum will sie nach dem Ende der laufen­den Wahlperiode nicht wie­der für die Gemeindevertre­tung kandidieren. Bis dahin sind es allerdings noch vier Jahre, darum sagt sie lieber „wahrscheinlich“. Jann Roolfs

Elmshorner Nachrichten, 15.06.2019

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