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„Den Tretroller neu erfunden“

Eine Klein Nordender Firma möchte den Markt für sich erobern

Setzt auf Tretroller - ob mit ohne ohne Elektroantrieb: Geschäftsführerin Birgit Schamuhn am Firmensitz von „go!mate!“ in Klein Nordende. FOTO: GO!MATE!

KLEIN NORDENDE Der Tret­roller - für viele Ältere ist er ein nettes Erinnerungsstück an Kindertage. Andere haben ihn später - vorübergehend - als Erwachsene wiederent­deckt, um von Bus oder Bahn schnell die letzten Meter bis zur Arbeitsstelle zu überwin­den. Für die Helgoländer ist er auf der auto- und fahrradfrei­en Insel nie ganz aus der Mode gekommen. Jetzt liegt der Roller überall wieder voll im Trend. Eine Unternehmerin aus Klein Nordende hat sich große Ziele gesetzt.

Lange Jahre war Birgit Schamuhn Geschäftsführerin in einer Elmshomer Modellbau­firma. Dann entschloss sie sich, ein eigenes Unterneh­men zu gründen. Sie hatte er­kannt, dass immer mehr Men­schen unabhängig vom Auto und auch vom Fahrrad eine praktikable Lösung „für die Mobilität der letzten Meile“ suchen. „Eine Lösung sollte es sein, die im Alltag bestehen und unkompliziert eingesetzt werden kann“, sagt sie. „Wir haben deshalb den Tretroller neu erfunden.“ Letzten Schwung gab die Entwicklung der Elektromobilität. Und so gründete Birgit zusammen mit ihrem Mann Jörg die Fir­ma „goimate“ mit Geschäfts­sitz in Klein Nordende.

Montage der Tretroller im westfälischen Wipperfürth. FOTO: MARTIN OSER

Zunächst wurde ein Inves­tor gesucht und gefunden, dann begann die Produktion. Sie erfolgt in einem Betrieb im baden-württembergischen Dottemhausen zwischen Ba­lingen und Rottweil. Die ferti­gen Teile werden von dort nach Wipperfürth in Nord­rhein-Westfalen transpor­tiert und dort montiert. Vor knapp drei Jahren waren die ersten Tretroller einsatzbe­reit. „Schon zwei Jahre später gab es für unsere Tretroller sowohl mit als auch ohne Elektromotor die erste Aus­zeichnung für gutes Indust­riedesign.“

„Eine Lösung sollte es sein, die im Alltag bestehen und unkompliziert eingesetzt werden kann“  Birgit Schamuhn, Geschäftsführerin

„Dazu zählen vor allem die Fahrradreifen - vom in 16- Zoll, hinten 12-Zoll-Größe. Außerdem sind die Roller mit hydraulischen Scheiben­bremsen ausgestattet.“ Wer den Antrieb nicht den eigenen Beinen, sondern dem Motor überlassen möchte, erhält ei­nen 36-Volt-Akku, dessen La­dekapazität für eine Strecke von etwa 35 Kilometer aus­reicht und bei Bedarf auch die Beleuchtung mit Strom ver­sorgt.

Birgit Schamuhns Unter­nehmen ist nicht allein am Markt, längst ist ein knappes Dutzend Mitbewerber beim Tretrollerbau aktiv. „Jeder hat bei der Konstruktion seine Schwerpunkte.  Zu den wich­tigsten Merkmalen unserer Roller gehört die Sicherheit“, sagt die Geschäftsführerin.

Der Motor ist ein her­kömmlicher Fahrradmotor, wie er auch für E-Fahrräder verwendet wird. Die Höchst­geschwindigkeit liegt bei 20 Kilometern pro Stunde. Unabhängig von der techni­schen Ausstattung: Ganz indi­viduell kann die Lackierung gestaltet werden. „Ob zum Beispiel Hotel oder Ferienan­lage - jeder kann sein eigenes Firmenbranding anbringen lassen und dann von seinen Gästen spazieren fahren las­sen“, bietet das Klein Norden­der Unternehmen an.

Rund 400 Tretroller hat „go!mate“ seit dem vergange­nen Jahr verkauft, in diesem Jahr sollen es nach den Plänen des Unternehmens bereits 1500 und im kommenden Jahr 5000 sein. Der Preis für einen E-Tretroller liegt bei et­wa 1600 Euro. Rückenwind erhofft sich Birgit Schamuhn vom Gesetzgeber aus Berlin. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat sich offen gezeigt, die rechtlichen Vor­aussetzungen für eine Zulas­sung der elektrischen Varian­te der Roller zu schaffen, die - sofern vorhanden - auf Fahr­radwegen und Radfahrstrei­fen und ansonsten auf der Straße fahren sollen. Dabei geht es um Roller mit Ge­schwindigkeiten von 12 bis 20 Stundenkilometern. Außer­dem ist an eine Versiche­rungspflicht und eine ent­sprechende Plakette gedacht. Auch die Mitnahmemöglich­keit in öffentlichen Verkehrs­mitteln soll festgeschrieben werden. „Bei unseren Rollern ist das kein Problem“, freut sich Geschäftsführerin Scha­muhn. „Sie können dreimal gefaltet werden und wiegen ganze sieben Kilo.“

Bis die endgültige Zulas­sung in Deutschland kommt, setzt Birgit Schamuhn vor al­lem auch auf das Auslandsge­schäft. In Kopenhagen, Mal­mö, Antwerpen oder Wien ge­hören die Roller längst zum Straßenbild. Dass schon bald auch in deutschen Städten die Tretroller des Unternehmens zum Alltag zählen werden - daran zweifelt Birgit Scha­muhn nicht. Um die größeren Ziele („Vielleicht kommen wir eines Tages auch auf 15000 Roller pro Jahr“) erreichen zu können, sucht sie noch einen weiteren Investor. An Kun­den, so ist sie sich sicher, wird es nicht fehlen. Dabei hat sie auch Segler sowie Jacht- und Caravanbesitzer im Visier, für die ein Tretroller, ob mit oder ohne Elektroantrieb, ein idea­ler Bestandteil der Bordaus­stattung sein könne. Wolfgang Duveneck

Elmshorner Nachrichten, 02.04.2019

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