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Hart aber herzlich

Die Laientheatergruppe "Wilde 13“ probt seit einem halben Jahr für ihr neues Stück - wenig Arbeit ist das nicht / Ein Probenbesuch

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ELMSHORN/KLEIN NORDENDE Ein langer Saal, Tonfliesen auf dem Boden und Stuhlstapel ringsherum. Im Klein Nordender Ge­meindehaus sieht es nicht ge­rade heimelig aus, auch wenn Lars Hirschauer auf zwei Ti­sche, ein paar Stühle und ei­nen Pappmaschee-Kürbis zeigt und erklärt: "Das ist das Wohnzimmer.“
Hirschhauer hat bei der neuen Aufführung der Laien­schauspielgruppe "Wilde 13“ die Regiearbeit übernom­men. "Genug ist nicht genug“ heißt das Stück, das am 1. und 2. März im Elmshorner Stadttheater aufgeführt wird. Hier im Gemeindehaus wird nun eine der letzten Proben stattfinden.

Die letzten Schritte vor dem großen Auftritt

Peu a peu kommen die Dar­steller und Bühnenmitarbei­ter an. Die Stimmung ist herzlich, zur Begrüßung wird jeder umarmt. "Wir sind fast eine Familie“, sagt Schau­spieler Torsten Schröder. So muss es wohl sein, denn die Gruppe verbringt sehr viel Zeit miteinander. Geprobt wird zweimal in der Woche, mittwochs manchmal bis 22 Uhr. Dazu kommen ein Probenwochenende in einem Ferienhaus und die vielen Ar­beiten rund um das Stück: Requisite besorgen, Bühnen­bild gestalten und alles zu den richtigen Orten bringen. Auch deshalb ist es nicht so einfach für die Gruppe, an Nachwuchs zu kommen. "Es steckt halt sehr viel Zeit in diesem Hobby“, sagt Hir­schauer.

Bevor die Probe beginnt, gibt es noch ein bisschen Hausmeisterei. Wann ist der nächste Termin? Was fehlt noch? Die "Wilde 13“ steht in einer Runde, trinkt Kaffee aus bunten Hartplastikbe­chern und diskutiert die nächsten Schritte. Am Sonn­abend sollen Bilder für das Bühnenbild gemacht wer­den. Hirschauer hätte gerne eines, wo die Ehe zwischen den Figuren Erich und Helga noch in Ordnung war. "Das war ja vor dem Krieg“, sagt Jörn Müller, der im Stück den Erich spielt. Und seine Thea­terfrau Babett Schemion meint, dann müsse sie auf dem Foto ja ein Hochzeits­kleid tragen. Schließlich ging es schon gleich nach dem Ja- Wort bergab.

Kein einfaches Unterfangen

en 190223 1bDas Szenenspiel hat noch gar nicht richtig begonnen, da sind die Schauspieler schon in ihren Rollen. Erich, eine Rolle, die an die berühm­te Figur "Ekel Alfred“ ange­lehnt ist, stänkert los. "Auf dem Foto kann ich doch den Bademantel anziehen.“ "Doch nicht auf dem Foto“, echauffiert sich Schemion alias Ehefrau Helga, und Erich schießt zurück "Es ist immer noch mein Haus!“
Man merkt dem Team den Spaß an der Sache an. Aber ein leichtes Hobby hat sich die Gruppe nicht ausgesucht. I m Spiel geht es um Nuancen, um kleine Feinheiten, die den Unterschied zwischen gut gespielt und albern über­zeichnet machen. Mal stimmt eine Betonung nicht,
mal ist eine Bewegung ein wenig zu schnell und es wirkt unnatürlich: Schauspielerei ist ackern. Wer sich darauf einlässt, muss Beharrlichkeit zeigen. Und Mut.
"Wenn man auf der Bühne steht, der Vorhang noch zu, und hört das Gegrummel der Zuschauer - dann fragt man sich erst mal: Was mache ich hier eigentlich?“, erzählt Müller. Lampenfieber sei ganz normal und auch dem abgebrühtesten Schauspieler schlottern am Anfang die Knie, glaube er. "Doch wenn am Ende der Schlussapplaus einsetzt, weiß man, warum man das macht.“ Daniela Lottmann

KARTEN UND TERMINE

Wilde 13
Die Komödie "Genug ist nicht genug“ wird am 1. und 2. März im Stadttheater Elmshorn auf­geführt. Das Stück stammt von dem Autor Nick Walsh. Karten gibt es auf der Internetseite des Stadttheaters oder an der The­aterkasse, Königstraße 56, Telefon (041 21)611 89. dlo > www.stadttheater-elmshom.de

Elmshorner Nachrichten, 23.02.2019

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