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Am Ende versöhnlich

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Amüsant und meinungsstark: Literarisches Quartett der Elmshorner Nachrichten im Töverhuus

KLEIN NORDENDE "Was mit Veit in Mondsee passiert, können Sie selber lesen." Vermutlich nicht der typischste Satz, den man bei einer Buchdiskussion erwartet, aber wie so vieles braucht auch dieser Satz einen Kontext. Diesen Kontext gab es am vergangenen Freitagabend im Klein Nordender Töverhuus beim Auftritt des Literarischen Quartetst der Elmshomer Nachrichten.

Knapp 100 Literaturinteressierte waren gekommen, viele davon waren schon eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung da und warteten bei Wein, Currywurst und herrlichem Wetter auf Einlass, um auf einem der begehrten Zuschauerplätze Platz zu nehmen. EN-Redakteur Knuth Penaranda eröffnet die literarische Diskussion um Punkt 20 Uhr und überließ dann dem ersten Protagonisten das Feld: "Unter der Drachenwand", von Amo Geiger geschrieben, und von Barbara Lutz präsentiert. Ein Buch, das sich mit der Hauptfigur Veit Kolbe beschäftigt. Ein Soldat, der 1944 nach seinen Kriegserfahrungen die Normalität in einer kleinen, idyllischen, österreichischen Stadt namens Mondsee, gelegen an dem Berg "Drachenwand", sucht. Das klassische Sujet für einen Kriegsroman, der aber keiner ist; genauso wenig, wie Mondsee idyllisch ist. Das Quartett spielte nicht im Gleichklang.

Fazit: Ein "Liebeskriegsroman"

Die Meinungen gingen auseinander. Der fiktive Roman im historischen Kontext scheint also für die einen Liebes- und für die anderen Kriegsroman zu sein. Journalist Dierk Wulf ließ den Autor in einem Zitat zu Wort kommen: "Es ist kein Kriegsroman, sondern eine Liebesgeschichte." Einig war sich das Quartett trotz dieser Aussage nicht, zumindest aus welcher Perspektive der Roman zu sehen ist. Einklang gab es allerdings in der abschließenden Beurteilung: der "Liebeskriegsroman" hat beeindruckt.

Den zweiten Kandidaten des Abends stellte Buchhändlerin Christel Storm von Franzobels "Das Floss der Medusa." Ein Buch, in dem Franz Stefan Griebl, so der richtige Name des Autors, über die historische Begebenheit auf der Fregatte "Medusa" schreibt. Obwohl man bereits im Vorhinein das Ende, also den Untergang des Schiffes kennt, vermag es der Autor einen Spannungsbogen aufzubauen. "Das Beste, was er je geschrieben hat", so Christel Storm. Auch wenn es nicht für zartbesaitete Leser geeignet sei: Von sozialen Missständen, Ekel und Drangsalierung wird alles bis ins Kleinste geschildert. Bilder werden erzeugt, teilweise dem Leser mit Beispielen aus der heutigen Filmgeschichte vorgesetzt. Für Emst Thieß wie ein schlechtes B-Movie aus Hollywood. Ein Roman, um das Elend der Menschheit aus dem Sessel zu betrachten.

"Tyll". Der Titel des Buches von Daniel Kehlmann ist kurz und knapp. Weniger knapp ist die ihm zu Grunde liegende Zeitspanne, in die Emst Thiel einführte: Der Dreißigjährige Krieg. Der Schelm wird ein paar hundert Jahre in der Zeit versetzt und treibt sein Unwesen weiter. Ganz so leicht ist es aber nicht. Der Roman stellt nicht "Till Eulenspiegel" in den Fokus, sondern den Krieg. Tyll ist es möglich, als Gaukler allen Gesellschaftsschichten den Spiegel vorzuhalten. Dem Buch fehlt es an Emotionen, die es, so der Konsens des Quartetts, in dieser Schreckenszeit aber auch nicht mehr gegeben habe.

Zwischen Schmunzeln und Tränen

Den Abschluss des Abends gestaltet Dierk Wulf mit dem Werk "Was man von hier aus sehen kann" von Mariana Leyk. Ein intelligentes Buch, das von einer jungen Liebe und einer alten Dame mit hellseherischen Fähigkeiten handelt. Das Quartett war sich zum Ende der Veranstaltung einig: Eine Geschichte zwischen Schmunzeln und Tränen. Sollte man einen "Gewinner" des Abends küren, so wäre es vermutlich dieses Werk, denn es handelt von einer uns fernen Welt. Eine Welt der vollkommenen Akzeptanz. Frederick Houriez

aus den Elmshorner Nachrichten vom 23.04.2018

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