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Wer schießt da nachts im Moor?

Jäger in Sorge: Verdacht auf Wilderei. Kuhherde durchgegangen. Auch Schilder durchschossen. Drei tote Rehe in Seeth-Ekholt
Von Bert C. Biehl

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Die Pfeile zeigen die
einzigen sichtbaren
Spuren der unbe-
kannten Schützen
(gr. Bild): Otto Schin-
kel von der Jagdge-
meinschaft Klein Nord-
ende zählte sechs
Treffer im Vorwegwei-
ser beim B 431-Kreisel.
Kleines Bild: Auch das
Ortsschild von Klein
Nordende wurde durch-
schossen.

Fotos (2): Biehl


Elmshorn/Klein Nordende/Seeth-Ekholt. Sind es Wilderer? Sind es Waffen-Narren? Oder Tierquäler? Die Jäger rund um Elmshorn sorgen sich um mysteriöse Schüsse in den Mooren. Mehrere tote Rehe sind in Klein Nordende und Seeth-Ekholt bereits verendet aufgefunden worden. Jüngster Vorfall: Eine bisher nicht erklärbare Detonation - vermutlich ein Schuss -versetzte nachts eine Kuhherde in Panik. Die Tiere durchbrachen auf der Flucht mehrere Zäune und irrten ziellos umher. Zeitweise war sogar der Bahnverkehr in Gefahr. Bislang konnte die Polizei noch keinen Verantwortlichen fassen. Jetzt bitten die Jäger alle Bürger um erhöhte Aufmerksamkeit.
Rückblende. Die Nacht zum 9. September. Gegen 3.40 Uhr klingeln Beamte des Elmshorner Polizeireviers Landwirt Martin O. aus dem Bett. Von seiner Weidefläche im Liether Moor sind 35 Rinder ausgebrochen. Zehn trotten auf Hainholz zu. 25 Kühe werden 200 Meter entfernt auf einer anderen Weide gefunden - dahin gelangten die Tiere über einen Weg entlang der Bahnlinie Elmshorn-Hamburg. Wie durch ein Wunder blieb der Zugverkehr verschont. "Die Tiere hatten den kurz zuvor erneuerten Zaun durchbrochen - sie müssen in große Panik versetzt worden sein." Zeugen sagen später aus, sie hätten gegen 2 Uhr nachts einen lauten Knall im Moor gehört. Martin O. findet Fußspuren, die von einem der Weide benachbarten Hochsitz in den Wald führen.
"Wir machen uns große Sorgen: Wer ballert da herum?" fragt Otto Schinkel. Der Sprecher der Klein Nordender Jagdgemeinschaft und seine 15 Waidmänner führen seit einiger Zeit penibel Buch darüber, wer von ihnen wann und wo geschossen hat. Der Grund: Seit Längerem knallen immer wieder nachts Schüsse in dem 900 Hektar großen Revier. "Von uns war es keiner", sagt Schinkel. Jagdpächter Klaus-Jürgen Mohrdieck fand vor zirka sechs Wochen ein verendetes Reh im Liether Moor - mit einer schussähnlichen Verletzung. Die Jäger vermuten einen Zusammenhang mit den mysteriösen Schüssen auf Verkehrsschilder entlang der B 431. Gleich sechs Einschläge weist der Vorwegweiser auf, der am Ortsausgang von Groß Nordende vor dem Kreisel steht. Zwei Kilometer weiter nördlich hat es das Ortsausgangsschild von Klein Nordende in Richtung Elmshorn erwischt. Und auch das Ortsende-Schild von Elmshorn in Richtung Süden weist eine verdächtige Beule auf.
Auch östlich von Elmshorn häufen sich die ungeklärten Schieß-Vorfälle. Dieter Inselmann, seit 35 Jahren Jagdpächter in Seeth-Ekholt, hat in diesem Jahr bereits drei an Schusswuhden verendete Rehe gefunden, das vorerst letzte vor zirka acht Wochen. "Wir glauben, dass das Rehwild weniger geworden ist", sagt Inselmann. So seien Böcke, die man genau kenne, plötzlich auf unerklärliche Weise verschwunden. Auch sei das Wild nicht mehr so zutraulich wie früher. Er vermutet, dass Wilderer aus dem Auto heraus auf Tiere schießen, dann flüchten und die Beute später abholen. So seien die Täter in der unübersichtlichen Landschaft kaum zu erwischen.

aus den Elmshorner Nachrichten vom 17.10.2008

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