Pressearchiv

Unser Pressearchiv

Fußball: Zwei junge Liether Mädchen für Hamburg

Hania Wulf und Anneke Borbe wurden in verschiedene Auswahlmannschaften des HFV berufen

en-160512-1a
Anneke Borbe hat den Ball fest in Griff. Die Elfjährige von der SV Lieth wurde mit der Hamburger Auswahl Zweite im Norden. Foto: asr (2) 

KLEIN NORDENDE. Dass viele Jungs schon im Kindergartenalter fußballverrückt sind, ist normal. Ein Mädchen, das mit vier Jahren in einen Fußballverein eintritt, ist dagegen eine Ausnahme. Wenn sie dann mit zehn Jahren schon in das Mädchen-Auswahlteam des Hamburger Fußball Verbands (HFV) aufgenommen wird, obwohl das Mindestalter bei elf Jahren liegt, ist das wirklich bemerkenswert. Inzwischen ist Hania Wulf 14 Jahre alt und spielt zum vierten Mal beim DFB-Länderpokal der Mädchen mit. In der U 15-Mannschaft des HFV ist sie als Sechser im Mittelfeld eine Spielmacherin des Teams.

en-160512-1bDie Auswahl-Mannschaften von 21 Bundesländern treten bei dem Ländervergleich von heute, Mittwoch, bis Sonntag gegeneinander an. Im letzten Jahr sind die Juniorinnen des HFV Vorletzte geworden. "Diesmal landen wir im Mittelfeld", glaubt Hania.

Das ehrgeizige Mädchen ist ein wenig nervös, denn bei dem Pokal werden auch Spielerinnen für die U 15- und U 16-Nationalmannschaften der Frauen gesichtet. Obwohl die Konkurrenz groß ist, macht sich Hania Hoffnungen: "Ich hab' Chancen, ich muss mich nur anstrengen, hat meine Trainerin Marcia Monroe Merchant gesagt."

Der Eintritt in die Nationalmannschaft ist ihr großes Ziel. Dafür trainiert sie viermal in der Woche und spielt an den Wochenenden Punktspiele und Turniere. Und zwar in der ersten C-Jugend der SV Lieth, also bei den Jungs. Noch nie hat Hania, die mit zwei Brüdern und einer Schwester auf dem elterlichen Bauernhof in Haselau lebt, in einer Mädchenmannschaft gespielt. "Meine Trainer meinten, das Tempo ist bei den Jungs höher." Auch deshalb trainiert sie zusätzlich noch beim HFV-Stützpunkt der Jungs in Pinneberg.

Schon ihre Mutter spielte Fußball, und so begann Hania ihre Fußball-Karriere vor zehn Jahren im benachbarten TV Haseldorf. Damals spielten auch die zwei älteren Brüder (heute 16 und 18) noch Fußball, "aber die haben beide aufgehört", erzählt Hania. Sie blieb nicht lange in Haseldorf, sondern ging nach Heist, später nach Heidgraben und zu Holsatia in Elmshorn, und erst seit knapp einem Jahr spielt sie bei der SV Lieth.

Allerdings scheint es zunehmend schwierig für sie, als einziges Mädchen ihren Platz in einem Jungs-Team zu behaupten. Spielerisch gebe es wohl kein Problem, aber die Stimmung sei nicht so gut, meint Hania. "Mit Jungs ist das immer schwierig." Eventuell wird sie daher in der kommenden Saison in die Mädchenmannschaft eines anderen Vereins wechseln - und dann in der Bundesliga spielen. Ein Angebot hat sie schon, entschieden hat sie sich noch nicht.

Auch die elfjährige Anneke Borbe brennt für den Fußball. "Da kann ich mich so richtig austoben", sagt sie. Schon mit vier Jahren interessierte sich die Bismarckschülerin dafür, schließlich war ihr drei Jahre älterer Bruder bereits im Fußballverein. Dennoch musste sie ein Jahr warten - ihre Mutter hatte Bedenken - und probierte erst einmal Handball aus. Mit fünf durfte sie endlich in die G-Jugend-Mannschaft der SV Lieth. Dem Verein ist sie bis heute treu geblieben, jetzt spielt sie in der zweiten D-Jugend - wie Hania bei den Jungs. Aber nicht im Feld, sondern als Torhüterin. Wenn Anneke sich bei einem Punktspiel ins Tor stellt, kommen von den Gegnern schon mal Sprüche wie: "Guck mal, ein Mädchen im Tor - da kriegen wir ja jeden Ball rein!" Dann aber ist die Verwunderung groß, denn Anneke ist eine richtig gute Keeperin. So gut, dass sie im August 2011 in die Hamburger Auswahl-Mannschaft der U 13-Juniorinnen aufgenommen wurde. Zuletzt hat sie am vergangenen Wochenende beim U 13-Turnier des Norddeutschen Fußballverbandes in Bremen den Kasten erfolgreich verteidigt: Das Hamburger Team wurde Zweiter.

Zum ersten Mal war das Auswahl-Team gemeinsam im Bus zu einem Feld-Turnier gefahren: "Das war toll", sagt Anneke. "Die Mädchen bekamen ihre Ausrüstung gestellt und wurden den ganzen Tag verpflegt", ergänzt Annekes Mutter Inga Borbe. "Und wir mussten nicht wie sonst die dreckigen Trikots zum Waschen mitnehmen", schmunzelt sie.

Inga Borbe ist zwar "mit dem Fußball-Virus infiziert" und fiebert regelmäßig am Spielfeldrand mit, möchte aber keine überehrgeizige "Fußball-Mutti" sein. Sie achte darauf, dass Anneke neben Fußball und Schule auch noch andere Dinge unternimmt und sich mit Freundinnen trifft. Das ist allerdings schwierig, hat die Fünftklässlerin doch viermal pro Woche Mannschaftstraining - zweimal mit der D-Jugend bei Trainer Manfred Pistone, einmal mit den Junioren im Stützpunkt Pinneberg und einmal mit der Mädchen-Auswahl in Hamburg.

Dazu kommt ein spezielles Torwart-Training. "Das ist manchmal ganz schön hetzig", gibt Anneke zu, "aber ich bin auch ziemlich ehrgeizig." Obwohl Anneke noch einen langen Weg vor sich hat, weiß sie schon genau, wohin sie will: "Ich möchte den Job von Nadine Angerer übernehmen." Die Chancen stehen gar nicht mal schlecht - gute Torhüterinnen sind bei den Juniorinnen nämlich schwer zu finden. Anette Schwarz-Rostock

aus den Elmshorner NAchrichten vom 16.05.2012

Zurück