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Jan-Hendrik: Todesursache geklärt

KLEIN NORDENDE Nachdem tragischen Tod des 18-jährigen Jan-Hendrik Hammermann gibt es nun Gewissheit zur Todesursache: Der Jugendliche, der während eines Fußballspiels der SV Lieth in Stapelfeld verstarb, erlitt ein Herz-Lungen-Versagen. Das teilte der Lübecker Oberstaatsanwalt Günter Möller mit. Die Obduktion des A-Jugend-Spielers habe eine virale Lungenentzündung als Ursache ergeben.

Karsten Tiedemann, Geschäftsführer des Pinneberger Kreissportverbandes appellierte an die Eigenverantwortung der Leistungssportler, mehr auf sich Acht zu geben.


Virus schwächte Jan-Hendrik

18-jähriger Fußballer der SV Lieth hatte eine Lungenentzündung / Experten warnen vor leichtfertigem Umgang mit Erkältungen

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Jan-Hendrik Hammermann (stehend Vierter von links) trug in der A-Jugend-Mannschaft der SV Lieth die Nummer 10. Er starb am Wochenende während eines Spiels an Herz-Lungen-Versagen.

KLEIN NORDENDE Was viele vermutet haben, ist jetzt Gewissheit: Jan-Hendrik Hammermann (18) ist während eines Fußballspiels der SV Lieth in Stapelfeld an Herz-Lungen-Versagen gestorben. Wie der Lübecker Oberstaatsanwalt Günter Möller berichtete, hat die Obduktion des A-Jugend-Spielers eine virale Lungenentzündung als Ursache ergeben. Diese habe zu einem Lungenödem, einer Ansammlung von Wasser geführt. "Wenn man sich dann körperlich anstrengt, kann es zum Herz-Lungen-Versagen kommen", sagte Möller. Alkohol, Drogen oder andere Stoffe als Ursache für den dramatischen Tod sind Möller zufolge definitiv ausgeschlossen.

Ob die Virusinfektion akut war oder es sich um die Folge einer verschleppten Erkältung handelte, konnte Oberstaatsanwalt Möller noch nicht sagen. "Wir warten jetzt auf den schriftlichen Obduktionsbericht", erläuterte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Auch erst dann werde sich entscheiden, ob weitergehende Ermittlungen aufgenommen werden oder diese abgeschlossen werden. "Ein Szenario, dass der Trainer einen erkrankten Fußballer aufs Spielfeld geschickt hat, sehe ich nicht", so Möller.

Wie berichtet, war Jan-Hendrik Hammermann am Sonnabend in der Schlussminute eines Spiels seiner A-Ju-gend plötzlich zusammengebrochen. Sofort eingeleitete Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Der Jugendliche starb in den Armen seines Vaters und Trainers, dem Barmstedter Bürgermeister Nils Hammermann.

Für den Kardiologen Dr. Thomas Hofmann, Chefarzt der Inneren am Regio-Klinikum in Pinneberg, ist der tragische Tod des 18-Jährigen nichts Ungewöhnliches. "Einige Viren befallen Lunge und Herz. Es kommt zur sogenannten Herzmuskel-Entzündung", erläuterte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Das Tückische laut Hofmann: Die Patienten merken das in der Regel nicht. Bei Anstrengung könne Herzkammerflimmern entstehen. "Das kommt einem Herzstillstand nah", so der Kardiologe. Er weiß: "Der plötzliche Herztod tritt vermehrt bei Leistungssportlern auf." Deshalb rät Hofmann dringend, zwei Wochen nach einer Virusinfektion keinen Sport zu treiben.

Aber auch ohne Infektion sollten Aktive ihre Gesundheit im Blick behalten. Beispiel Gerald Asamoah: Der Profi-Kicker des FC St. Pauli leidet an einer Kardiomyopathie - einer angeborenen Erkrankung der Herzmuskulatur, die mit einer Verdickung der Herzscheidewand einhergeht. Die Karriere stand auf dem Spiel. "Bei jeder Begegnung des FC. St. Pauli steht deshalb jemand mit einem Defibrillator am Feld", erläuterte Hofmann.

Karsten Tiedemann, Geschäftsführer des Pinneberger Kreissportverbandes appellierte ebenfalls an die Eigenverantwortung der Leistungssportler. "Auch mit einer Erkältung sollten sie nicht leichtfertig umgehen und einen Arzt aufsuchen", sagte er. Der Mediziner müsse deutlich auf die sportliche Betätigung hingewiesen werden. "Dann richtet der auch die Behandlung auf die spezifischen Bedürfnisse des Patienten aus", so Tiedemann. thk/pwa

REAKTIONEN

Helge Melzer, Präsident des FC Elmshorn: "Wir werden eine Pflichtveranstaltung für alle Trainer durchführen. Dort werden Mediziner einen Vortrag über Krankheitssymptome und Gefahren wie Tabletten- und Drogenkonsum halten. Darüber hinaus werden wir alle Trainer anweisen, ihre Spieler aufzufordern, ihre Krankheiten anzumelden. Das Problem: Die Spieler und Eltern müssen dabei mitwirken. Ein regelmäßiger Gesundheitscheck ist momentan nicht realisierbar. Wir können diesen den Spielern und Eltern nahelegen, verlangen können wir das nicht. Möglich ist aber, dass neue Spieler bei der Aufnahme etwaige Vorerkrankungen angeben müssen."

Hans Jürgen Stammer, Vorsitzender der SV Halstenbek-Rellingen: "Wir wollen jedem Spieler zu Beginn der Saison raten, einen Gesundheitscheck zu machen. Zwingen kann man sie nicht." Stammer hat bereits Kontakte zu einer Pinneberger Reha-Klinik geknüpft. Als So-ofortmaßnahme kündigte er an: "Wir werden natürlich sehr viel genauer hingucken, ob ein Spieler verschnupft zum Training kommt."

Michael Fischer, Trainer des VfL Pinneberg, ist der Meinung, dass die Gesundheitsvorsorge mit einem Attest nicht zu machen ist. Der Trainer, selbst Vater von zwei Kindern, appelliert bei Erwachsenen an die Eigenverantwortung der Spieler und bei Jugendlichen an die der Eltern. "Man ist hellhörig geworden und geht hoffentlich wach-samerdamit um." Bei ihm selbst spiele oder trainiere kein Akteur, der erkrankt ist oder gar Antibiotika nimmt. "Dem schiebe ich einen Riegel vor." Ira

aus den Elmshorner Nachrichten vom 14.04.2011

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