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Diese Ziegel kommen nach Sylt

Bauernhof am Ziegeleiweg in Klein Nordende wurde per Hand abgerissen / Die rund 30000 Steine werden wiederverwertet

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Abrissunternehmer Harald Hauffe stapelt die alten Ziegel. Sie werden auf Sylt wieder verwendet. MKA

KLEIN NORDENDE "Wenn ich mal nicht mehr da bin, dann steckt bloß kein Geld mehr in das alte Haus. Das wäre ein Fass ohne Boden", hatte Herbert Hell, der Vater von Anke Hell-Hausmann, seiner Tochter mit auf den Weg gegeben. "Wir haben uns daran gehalten", sagen Hell-Hausmann und ihr Mann Mike.
Das alte Haus", vor dessen Sanierung der Vater gewarnt hatte, war der Bauernhof am Ziegeleiweg, Ecke Dorfstraße in Klein Nordende. Während der vergangenen zwölf Wochen wurde das Gebäude abgerissen. "An dem Haus ist Jahrzehntelang nichts gemacht worden, obwohl es bis 2009 noch bewohnt war", erzählt Heill-Hausmann. Nachdem ihr Vater verstorben war verfiel das Haus weiter. "Es war einsturzgefährdet und wir hatten Angst vor Vandalismus", berichtet das Klein Nordender Ehepaar. Deshalb entschieden die beiden, die Gebäude am Ziegeleiweg abreißen zu lassen.
Die Abrissarbeiten sorgten immer wieder für Gesprächsstoff. Denn der Abrissunternehmer Harald Häufle (Terra Nord) kam nicht mit einer Abrissbirne, sondern brach das Haus nach und nach in Handarbeit ab. Die gut erhaltenen Dachbalken wurden vorsichtig entfernt und sollen in seinem geplanten Bürogebäude ihren Platz finden. Die Ziegelsteine, die von Hand entfernt wurden, werden nach Sylt gebracht. Die rund 30 000 Steine werden dort bei einem Neubau als Klinker verwendet. "Die Ziegelsteine sind rund 200 Jahre alt. Solche Steine gibt es heute nicht mehr. Sie haben einen besonderen, rustikalen Charme", sagt Hauffe.
"Ich finde es gut, dass die Balken und die Steine wieder verwendet werden", so Anke Heil-Hausmann. Eine Palette der Steine steht in ihrem Garten. Daraus soll ein Räucherofen gemauert werden.
Was mit dem Grundstück passiert, haben sich Anke Heil-Hausmann und ihr Mann noch nicht überlegt. "Wir haben uns darüber noch keine Gedanken gemacht. Im Moment haben wir nichts vor. Uns war es wichtig, dass das Grundstück sauber ist. Ohne ein einsturzgefährdetes Gebäude", sagen sie. Meike Kamin

ZUM ZIEGELEIWG 13:

DIE GESCHICHTE EINES GRUNDSTÜCKS

Nach der Klein Nordender Chronik sollen am Ziegeleiweg 1 bereits 1701 ein Haus und ein Abschiedhaus gestanden haben. 1790 zusätzlich eine Scheune, 1867 ein reetgedecktes Wohnhaus, Fachwerk mit Ziegeln, zwei beheizbare Stuben, drei Kammern und zwei Küchen, Stallraum für drei Pferde, sechs Stück Hornvieh und eine Tenne. mke

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So sah das alte Haus einmal aus. Jetzt wurde es abge- rissen. MKA

aus den Elmshorner Nachrichten vom 14.04.2010

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