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Schinckel nimmt Kreis ins Visier

Klein Nordendes Bürgermeister kritisiert Verwaltung bei Neujahrsempfang / Wachsende Einwohnerzahl und finanzieller Engpass

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KLEIN NORDENDE Kritik an der Kreisverwaltung, widersprüchliche Einwohnerzahlen und Klönschnack statt Musik prägten den Klein Nordender Neujahrsempfang am Sonntag. In einer wie gewohnt mit rund 250 Gästen "ausverkauften" Bürgermeister-Hell-Halle sprach der Kulturausschuss-Vorsitzende Andreas Kamin die einleitenden Worte. Auf musikalische Untermalung habe man wie im Vorjahr zugunsten der Unterhaltung verzichtet, erklärte er. Kamin wies auf die Stellwände an den Seiten der Halle hin, die einige heimische Vereine wie der Betreuungsverein Liether Moor oder der Spielmannszug Klein Nord-ende-Lieth nutzten, um sich während des Empfanges der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Zu sehen waren auch wieder unzählige Fotos, die Walter Fröhlich im Laufe des vergangenen Jahres in der Gemeinde gemacht hatte. Darunter diverse Aufnahmen vom 125-jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr. 2016 stünde mit dem 20-jährigen Bestehen des Kulturzentrums Töverhuus wieder ein Jubiläum an, sagte Kamin. Ein Jahr später sei Klein Nordende dann 150 Jahre Landgemeinde. Wie dieses Jubiläum gefeiert werden könnte, müsse allerdings noch beraten werden. Nach Angaben Kamins zählte Klein Nordende Ende 2015 exakt 3343 Einwohner aus 31 Nationen. 288 Zuzüge hätten im abgelaufenen Jahr lediglich 180 "Wegzüge" gegenübergestanden.

Die Einwohnerzahl kollidierte allerdings mit den Angaben, die sich Bürgermeister Hans-Barthold Schinckel jüngst vom Amt besorgt hatte. Demnach lebten am Neujahrstag 3424 Menschen in Klein Nordende. Wie auch immer: Die Zahlen beweisen laut Bürgermeister, dass Klein Nordende ein ausgesprochen beliebtes (Groß-)Dorf ist, das gegen alle demografische Trends weiter wächst.

en 120116bIn seiner Ansprache ließ Schinckel das vergangene Jahr Revue passieren. Der Bürgermeister bedankte sich beim Flüchtlings-"Willkom-mensteam" unter Leitung von Ulrike Weers, das den Neuankömmlingen bei quasi allen Themen zur Seite stehe. Angefangen bei der Suche nach Kita-Plätzen bis hin zur Wohnungseinrichtung. Etwa 40 Flüchtlinge hätten derzeit in Klein Nordende eine neue Heimat gefunden. Schinckel rechnet damit, dass sich die Zahl in einem Jahr verdoppelt haben dürfte.

Wenig schmeichelhaft fiel seine Zensuren-Vergabe hinsichtlich der Zusammenarbeit mit einzelnen Kreis-Abteilungen aus. Lediglich die Untere Naturschutzbehörde durfte sich über eine Zwei freuen. Der Fachdienst Bauen und Planen kam mit einer Vier bis Fünf davon, andere Abteilungen fielen ganz aus Schinckels persönlicher Wertung.

Doch nicht nur der Kreis macht Sorgen, auch um die eigenen Bilanzen steht es eher schlecht. Schinckel verwies mit Blick auf das Haushaltsloch seiner Gemeinde auf gestrichene Zuschüsse und Projekte. Auch die Bürger bekommen den finanziellen Engpass anhand gestiegener Grund-und Gewerbesteuern zu spüren. Auch die derzeit noch ungewöhnlich niedrige Abwassergebühr dürfte zukünftig "moderat angehoben werden", wie Schinckel ankündigte. Mit Blick auf die Finanzen wies der Bürgermeister auf die Bedeutung neuer Baugebiete hin. Diese würden dringend benötigtes Geld in die Gemeindekasse spülen. Gern ausweisen würde Klein Nordende obendrein neue Gewerbegebiete - doch auch hier verweigere der Kreis derzeit sein Okay für die vorgeschlagenen Areale. Carsten Wittmaack

aus den Elmshorner Nachrichten vom 12.01.2016

 

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