Pressearchiv

Unser Pressearchiv

Werben für Verständnis und Toleranz

Einwohnerversammlung zum Thema Flüchtlinge in Klein Nordende / Informationen über Zuwanderung und Möglichkeiten der Hilfe

en 110715a

KLEIN NORDENDE Die Unterbringung von Asylbewerbern stand im Mittelpunkt der jüngsten Einwohnerversammlung in Klein Nordende. Bürgermeister Hans-Barthold Schinckel konnte mehr als hundert Gäste im Gemeindezentrum begrüßen. Rede und Antwort standen Roland Reugels (Amtsdirektor Elmshom-Land), Norbert Schmitz und Anda Zdravac-Vojnovic (beide vom Caritas-Verband), sowie Klein Nordendes Sozialausschuss-Vorsitzende Ulrike Weers.

Reugels ging auf die aktuellen Rahmenbedingungen ein. Rund 400000 Flüchtlinge würden 2015 in Deutschland erwartet. Die sei ein sprunghafter Anstieg gegenüber den Zahlen der vergangenen Jahre. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Al-big rechne mit bis zu 20000 Flüchtlingen im nördlichsten Bundesland. "Das wären 40-mal so viele wie 2008", so Reugels. 10,4 Prozent dieser Flüchtlinge würden dem Kreis Pinneberg zugewiesen.

en 110715bRund 90 Neuankömmlinge erwartet Reugels in diesem Jahr im Amtsbereich Elmshorn-Land.

Ulrike Weers ging auf die Situation vor Ort ein und bedankte sich für das große Interesse am Flüchtlings-Thema. Derzeit wohnen drei Familien aus dem Kosovo und Albanien mit insgesamt sieben Kindern in Klein Nordende. Ganz wichtig sei die Verständigung, für die man "eine sehr nette Dolmetscherin" habe, die die Familien beispielsweise auch zum Arzt begleiten würde. Das Amt statte die Wohnungen der Asylbewerber mit dem Notwendigen aus, um Unterstützung im Alltagsleben würden sich ehrenamtliche Helfer kümmern.

Für die Kinder würden Schulversorgung, Kita-Besuche und Einbindung in den Sportverein organisiert. "Die Erwachsenen orientieren sich meist nach Elmshorn", so Weers. Im Klein Nordender Gemeindezentrum solle bald eine Anlaufstelle für die Neuankömmlinge eingerichtet werden. Auch ein Stammtisch für die Helfer sei angedacht. Weitere Mitstreiter sind übrigens jederzeit herzlich willkommen.

"Die Flüchtlingszahlen werden wohl in den kommenden Jahren nicht zurückgehen", sagte Sozialreferent Schmitz vom Caritas-Verband. Die hohe Zahl an Asylbewerbern sei aber nicht ganz neu. Zuletzt habe es in den 90er-Jahren eine ähnliche Wellenbewegung gegeben, als Kriegsflüchtlinge aus Ex-Jugoslawien und Spätaussiedler in Deutschland eine neue Heimat gesucht hätten.

"Wir müssen uns jetzt erst wieder an so viele Flüchtlinge gewöhnen", so Schmitz. Ganz wichtig für die Neuankömmlinge sei, dass die Helfer über einen möglichst langen Zeitraum hinweg regelmäßig Kontakt zu ihnen halten würden.

Aus ihrer Praxisarbeit berichtete Anda Zdravac-Vojnovic, die im Caritas-Auftrag Sprechstunden und Schulungen anbietet, und dabei unter anderem über juristische Grundinformationen, Ansprüche auf ärztliche Versorgung und das geltende Arbeitsrecht aufklärt. Generell sei es für Flüchtlinge oft einfacher, sich in kleinen Gemeinden einzugewöhnen als in großen anonymen Städten. Potentielle Helfer sollten wissen, dass sie mit Menschen aus anderen Kulturkreisen konfrontiert würden. So sei zum Beispiel das Zeitgefühl oft ein ganz anderes als in Deutschland. Verständnis und Toleranz seien hier wichtige Werte. Helfer sollten sich und den Flüchtlingen, die sie betreuen, außerdem klar machen, dass sie bei allem Engagement nicht 24 Stunden für die Neuankömmlinge da sein könnten.  Carsten Wittmaack

aus den Elmshorner Nachrichten vom 11.07.2015

Zurück