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Hier quakt die Kreuzkröte, hier wächst das Sumpfherzblatt

Mekka für Biologen und Geologen: Die Liether Kalkgruben lagen mal in Äquatomähe.

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Wilfried Brumm (v. I.), Hans-Joachim Wohlenberg
und Holger Hansen betreuen das Schutzgebiet
Liether Kalkgrube.
Mehr als 100 Jahre lang wurde in der Grube Kalk
abgebaut, seit 1991 steht sie unter Naturschutz.
Fotos: Roolfs

Klein Nordende (ro). Biologen finden hier sieben unterschiedliche Orchideenarten und machen Bestandsaufnahmen von Nachtfaltern. Geologen sammeln immer wieder neue Erkenntnisse aus den einmaligen Gesteinsformationen, die hier frei zugänglich sind und nicht, wie sonst fast überall, sieben bis acht Kilometer tief in der Erde stecken. Und viele Besucher, allein in diesem Jahr bei Führungen schon mehr als 600, lassen sich von einer Reise in die Vergangenheit faszinieren, die 265 Millionen Jahre zurück reicht, bis in die Zeit, als die Liether Kalkgrube bei Elmshorn noch in Äquatornähe lag. "Das macht unsere Aufgabe interessant: vom Ruhe suchenden Spaziergänger über Schulklassen bis Wissenschaftler", beschreibt Wilfried Brumm seine Beschäftigung als ehrenamtlicher Betreuer im Naturschutzgebiet Liether Kalkgrube. Dort hat nicht nur die Natur ein Refugium gefunden, das 32 Meter tiefe Loch südlich von Elmshorn ist für Geologen eine Sensation und genießt den Status eines nationalen Geotops. Ein riesiger Salzstock unter Elmshorn ist im Laufe vieler Millionen Jahre aus tiefen Schichten an die Erdoberfläche gewandert und hat dabei Gesteinsschichten transportiert, die normalerweise tief verborgen liegen und hier begutachtet werden können.
Geschaffen wurde das Schutzgebiet von Menschen in jahrzehntelanger Wühlarbeit: Ab dem 19. Jahrhundert wurde hier Kalk für Düngemittel und Ziegel abgebaut. In den 1880er Jahren wurde hier die tiefste Bohrung der Welt bis in eine Tiefe von 1339 Metern vorangetrieben. 1986 wurde der Kalkabbau eingestellt. Pläne, aus der Grube einen Angelsee zu machen oder sie mit Klärschlamm zu verfüllen, zerschlugen sich, 1991 wurde das 16 Hektar große Gebiet unter Naturschutz gestellt. Bis heute sorgen Pumpen dafür, dass die Grube, deren Sohle 15 Meter unterhalb des Grundwasserspiegels liegt, nicht absäuft.
Die Liether Kalkgrube präsentiert sich als offen zugängliches Schutzgebiet. Ein Weg führt um die Grube herum, ein anderer mitten rein. Neun Informationstafeln geben Auskunft über die Besonderheiten des Gebiets, erklären das "Marienglas", eine besondere Form des Gipses, und seltene Tiere und Pflanzen wie Kreuzkröte oder Sumpfherzblatt. Hans-Joachim Wohlenberg führt gern Besucher durch die Kalkgrube. Er ist zu erreichen unter Tel.(04122)52314.

aus den Elmshorner Nachrichten vom 09.10.2008

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