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Wir wollen einfach Spaß haben

Lütt Nordender Dwars Boßler" gehen regelmäßig auf Tour / Selbst gebauter Bollerwagen wird ständig erweitert

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Bei Wind und Wetter: Die Klein Nordender Dwars Boßler gehen jeden ersten Sonntag im Monat mit ihrem selbst gebauten Bollerwagen auf Tour. KAMIN

KLEIN NORDENDE Einmal im Monat, jeden ersten Sonntag um 9.45 Uhr um genau zu sein, geschieht vor dem Klein Nordender Gemeindezentrum Merkwürdiges. Männer mit einheitlichen Baseballcaps, Polo-Shirts und manchmal auch mit Regenjacken bekleidet, bauen vor dem Haupteingang des Gebäudes ein eigentümliches Gefährt zusammen.

Was aussieht wie ein etwas überdimensionierter Bollerwagen, entpuppt sich als Transportvehikel mit zahlreichen Besonderheiten. Eine gelbe Rundumleuchte ziert das Gefährt ebenso wie eine Schleswig-Holstein-Flagge. Ein Schnapsgläserhalter ist das Herzstück des Handkarrens, ein Erste-Hilfe-Kasten außen angebracht. Stauraum für Boßelkugeln, Werkzeug und kühle Getränke ausreichend vorhanden. Der Name der Truppe, in deren Eigentum sich das Gefährt befindet, darf natürlich auch nicht fehlen: "Lütt Nordender Dwars Boßler".

"Das ist unser Service-Mo-bil, ein selbst gebauter Bollerwagen der Marke High-Tech", erklären sie. Komplett fertig wird er allerdings nie, denn es kommen durch die Erfahrungen auf der Strecke immer wieder neue Vorschläge. Bisher wurden unter anderem Ideen wie, der Kugelablagekasten, ein angeketteter Flaschenöffner, Halterung für Erste-Hilfe-Kasten, Ablagehalterungen für Käscher und Warnflaggen umgesetzt. "Abgedeckt werden kann das Ganze mit aufrollbaren Gummiplanen, damit der extrem schmackhafte Likör nicht nass wird", erzählen die Boßler lachend von ihrem Gefährt.

Die "Lütt Nordender Dwars Boßler" sind kein Verein, sondern ein bunter Haufen Klein Nordender, Elmshorner, Heidgrabener und Tornescher Männer im Alter zwischen Mitte 20 bis um die 70, die einfach Spaß am Boßeln haben. "Am 28. März 1998 haben wir die Gründungsurkunde unterschrieben", so die Boßler.

Der Namensteil "Dwars" ist dabei Programm. "Das Wort Dwars bedeutet: quer, verdreht, verdreiht", erklären die Boßler und schildern schmunzelnd, was bei ihnen so alles etwas "verdreht" läuft: "Fast alle von uns sind noch in anderen Vereinen Mitglied. Wir wollten keinen weiteren Verein gründen, sondern einfach Spaß haben, ohne Vorturner und Satzungen." Aufgaben wurden natürlich auch ohne Satzung verteilt. Es gibt Hängerzugführer, Hängerzugpfleger, Bosselberichterstatter, Eierlikörversorger, Euroverwalter, Boßel-Teamkoordinator, Eventmanager, ein Castingteam und den Homepage-Gepard.

Eine weitere, ebenfalls etwas "quere" Besonderheit: Die Dwars Boßler nehmen keine Frauen auf. "Bisher hat es keine durch unser Casting geschafft", sagt Hartwig Sievers. Tatsächlich gibt es einen Beschluss der Boßler, keine Frauen aufzunehmen. Einmal im Jahr sind die Frauen allerdings mit von der Partie: Beim gemeinsamen Grillfest.

Neben Spaß und Geselligkeit kommt das Boßeln nicht zu kurz. Die Wurfstrecke hat eine Gesamtlänge von 4,8 Kilometer und führt durch das Liether Moor. Auf dem ersten Teil des Rundkurses wird mit einer 1200 Gramm schweren Pockholzkugel gespielt, auf dem zweiten Teil der Strecke mit einer Gummikugel, die 1100 Gramm wiegt. Meike Kamin

aus den Elmshorner Nachrichten vom 09.08.2011

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