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"Freie Republik" mitten im Dorf

"Freie Republik" mitten im Dorf

Anwohner des Utweges kämpfen seit über 25 Jahren für ihre Belange und feiern jährlich ihr Straßenfest in Klein Nordende

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Gute Stimmung im Festzelt: Die Anwohner des Utwegs halten eng zusammen. MKA

KLEIN NORDENDE Die Grenzen der Gemeinde Klein Nordende sind eigentlich fest umrissen - eigentlich. Die Straße "Utweg" liegt zwar auf Klein Nordender Gebiet, ist aber trotzdem etwas Besonderes. Diese Straße ist die einzige, die von der Bundesstraße 431 in Richtung Marsch führt. Doch damit nicht genug. Die Anwohner des Utwegs halten zusammen, wie Pech und Schwefel. Sie kämpfen für ihre Belange und feiern seit 25 Jahren im Sommer ihr Straßenfest. Kurz: Die "Freie Republik Utweg" gehört zu Klein Nordende und ist doch irgendwie eigenständig.

Die Geschichte der "Freien Republik Utweg" begann 1985. Familie Wegers beantragte eine Fußgängerampel, die den Weg über die Bundesstraße für die Schulkinder des Utwegs sicherer machen sollte. Zu dieser Zeit lag die Bundesstraße noch nicht innerhalb einer geschlossenen Ortschaft, die Autofahrer fuhren hier zwischen 80 und 100 Stundenkilometer schnell. Zweimal wurde der Antrag vom Kreis Pinneberg abgelehnt, obwohl die Gemeinde den Antrag befürwortete. Helga Wegers hatte schließlich die zündende Idee. Sie wandte sich an die Aktion "Bild kämpft für Sie." Anschließend ging alles ganz - schnell. "Die Gemeinde stellte das Geld zur Verfügung, obwohl es sich um eine Bundesstraße handelt und sie nicht in der Pflicht gewesen wäre", erinnert sich Wegers. Karl-Max Kapplusch, ebenfalls Anwohner des Utwegs und nach Meinung seiner , Nachbarn der "heimliche i Bürgermeister der Straße", I ergänzt: "Wenn die Gemeinde die Ampel nicht finanziert hätte, dann hätten wir sie heute noch nicht."

1987 stand die Ampel und die Utweger feierten ihr erstes Fest. "Der Kampf um die Ampel hat uns allen viel Mühe gemacht, alle Utweger haben das Vorhaben unterstützt. Das Ampelfest war unsere Belohnung", berichtet Wegers. In dieser Zeit sind die Utweger Nachbarn zusammengewachsen", sagt Kapplusch.

Seitdem wurde jedes Jahr gefeiert, immer unter einem anderen Motto und immer mit witzigen einzigartigen, sehr persönlichen Einladungen. Bei "Asterix und Obelix" ließen die Gallier grüßen, das Südseefest wurde unter Palmen am Utweg gefeiert. Während eines Straßenfestes wurde in Klein Nordende das erste Mal geboßelt und so der Grundstein für die Klein Nordender Dwars Boßler gelegt. Der Utweg Kurier, gemeinsame Osterfeuer und regelmäßige Silvestertreffen ergänzen die engen nachbarschaftlichen Beziehungen.

Damit allein wurde der Ruf der "Freien Republik Utweg" noch nicht begründet. Die Fahnenweihe zum zehnten Geburtstag des Ampelfestes, der eigene Festwagen des Utwegs beim Erntedankumzug und der Kampf gegen eine Trasse der Autobahn 20 durch Klein Nordende sorgten ebenfalls dafür, dass der Utweg in ganz Klein Nordende immer häufiger als "Freie Republik" betitelt wurde.

Zum 25. Geburtstag ihres "Ampelfestes" hatten sich die Utweger wieder viel einfallen lassen. Der Festausschuss um Helga Wegers, Karl-Max Kapplusch und Rolf Plett stellte am Nachmittag die Spiele ohne Grenzen für Groß und Klein und am Abend ein Festessen auf die Beine. Meike Kamin

aus den Elmshorner Nachrichten vom 09.07.2011

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