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Leidenschaft für das Sammeln

BRIEFMARKEN Zum Großtauschtag kamen rund 50 Sammler aus Hamburg und Schleswig-Holstein nach Klein Nordende

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KLEIN NORDENDE "Ein bisschen weiter rein, da ist ja fast nichts drauf auf der Marke", Johannes Konetzny passt genau auf, wie der Postbeamte seinen Stempel platziert. Schließlich handelt es sich um einen Sonderstempel, und Konetzny ist Briefmarkensammler. Er kauft gleich zwei Umschläge samt Sonderstempel: Einen wird er an einen Sammlerkollegen schicken, den anderen zu Hause ins Album heften.

Matthias Schwarz, der Mann hinter dem Tresen, bewahrt die Ruhe und setzt den zweiten Stempel exakter. Er weiß, dass er es hier mit Liebhabern zu tun hat, sein Sonderschalter ist beim Großtauschtag des Briefmarken-Sammler-Vereins Elmshorn aufgebaut. Außer dem Sonderstempel, der eigens für diese Veranstaltung entworfen wurde, hat Schwarz Briefmarken dabei. In einer normalen Postfiliale gibt es nur ein Grundsortiment an Marken, aber Schwarz hat alle aktuellen: 500 Jahre Reformation, 200 Jahre Fahrrad, 50 Jahre Farbfernsehen. Johannes Konetzny deckt sich mit Vorräten ein: "Wenn das Postamt nicht genügend Umsatz macht, müssen wir das bezahlen", erzählt er: Dann muss der Verein Geld ausgeben, damit Matthias Schwarz mit seinem Sonderschalter und -Stempel erscheint.

en 061017b40 bis 50 Sammler sind am Sonntag ins Gemeindezentrum Klein Nordende gekommen. Viele von ihnen haben einen Trolley dabei, um ihre vielen Alben zu transportieren. Sie kommen aus der Region zwischen Kiel und Hamburg und die allermeisten sind ältere Männer: "Das ist schon das Problem heute beim Briefmarkensammeln", sagt Jürgen Reinstrom aus Klein Nordende. Er ist 70, Vorsitzender des Vereins, sammelt seit 60 Jahren und hat weder seinen Sohn noch seinen Enkel für sein Hobby begeistern können: "Obwohl das so eine lehrreiche Geschichte ist". Er nennt als Beispiel Myanmar. Als Sammler mit entsprechendem Schwerpunkt wisse man, dass dieser Staat früher Burma oder Birma hieß und englische Kolonie war. Immerhin, heute hat Reinstrom einen Vater mit seinem Sohn getroffen, der seit zwei Jahren sammelt: "Dem haben wir Briefmarken geschenkt".

en 061017cNormalerweise wird allerdings getauscht oder gehandelt. Kurt Kieblich hofft dabei immer wieder auf den großen Wurf: Der Elmshomer hat ein Album dabei mit allen Briefmarken des Dritten Reichs. "Der Michel-Preis liegt bei 21 000", erklärt er, für 8 bis 9 000 Euro würde er es verkaufen. Der "Michel" ist ein Briefmarkenkatalog, in dessen diversen Ausgaben so gut wie alle Briefmarken der Welt verzeichnet sind, inklusive Wertangaben.

Diese Preise bezahlt allerdings niemand, sagt Kieblich, üblich seien Kurse um die 30 Prozent der Michel-Angabe. Deutschland hat Kieblich ebenfalls komplett, genauso wie sein Spezialgebiet Vatikanstaat. Dort erscheinen allerdings laufend neue Mar-
ken. Die könnte Kieblich sich quasi im Abo zuschicken lassen, um seine Sammlung stets aktuell und komplett zu haben; aber das wäre "unsportlich", findet er: "Es ist interessanter, wenn man sich trifft und tauscht". Darum sucht er auch immer weitere Vatikan-Marken: Die tauscht er bei Gelegenheit ein, aus seinem kompletten Vatikan-Album nimmt er dafür keine Marken heraus.

"Eigentlich bin ich Münzsammler", sagt Kieblich, aber mehr als eine Million Briefmarken besitzt er auch: "Ich habe mein Zimmer für mich mit Regalwänden, da kommt die Frau nicht ’rein". Kieblich sammelt "nur postfrisch", also ungestempelte Marken.

Reinstrom hat die Marken der Bundesrepublik ebenfalls komplett, seine sind allerdings sämtlich gestempelt. Und weil er das Gebiet voll hat, sammelt er inzwischen in einem neuen: Ihm sind alle Marken willkommen, die einen Elmshomer Poststempel tragen. "Da bin ich gerade eben fündig geworden", strahlt er: Ein Vereinskollege hat ihm welche vermacht. Zum Sammeln gehört das Jagen, findet Reinstrom: "Da ist man hinterher. Man möchte ja das, was einem fehlt, vollständig haben". Jann Roolfs

aus den Elmshorner Nachrichten vom 06.10.2017

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