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Mehr als nur graue Motten


Die Lepidopterologische Arbeitsgruppe zeigte die bunte Welt der Nachtfalter.

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Der "hypomecis roboraria" war einer der gefangenen Falter, den die Zuschauer betrachten konnten.

Klein Nordende (mei). "Es ist noch nicht wirklich dunkel, sondern dämmert noch. Viele Nachtfalter fliegen erst, wenn es wirklich dunkel ist und leider geht das nicht auf Bestellung. Es ist viel Geduld erforderlich", sagte Birgitt Piepgras den knapp 60 Besuchern der Europäischen Nachtfalternächte an der Liether Kalkgrube gegen 22.30 Uhr. Das war nicht das Einzige, was Piepgras und ihre Kollegen Jörg Roloff und Walter Baltruweit von der Lepi-dopterologischen Arbeitsgruppe Südwestliches Schleswig-Holstein den Anwesenden mit auf den Weg gaben. Sie baten die Zuschauer, nicht direkt in die Lampe des Leuchtturmes zu schauen, mit denen die Insekten angelockt werden. Allergiker sollten der Lampe nicht zu nahe kommen, da nachtaktive Hornissen ebenfalls auf das Licht fliegen und ein Stich dieses Insektes einen allergischen Schock auslösen könnte.
Bis dann tatsächlich die ersten Nachtfalter auf dem dünnen Gewebe der Lampe landeten, hatten Piepgras, Roloff und Baltruweit viel Zeit, um den Besuchern den Sinn der Europäischen Nachtfalternächte zu erläutern und ihnen die Besonderheiten der Insekten näher zu bringen. Die Lepidopterologische Arbeitsgruppe Südwestliches Schleswig-Holstein nimmt zum wiederholten Mal an den "Europäischen Nachtfalternächten" teil. Sie dienen einer weiträumigen, europaweiten Momentaufnahme über die in einem gleichen Zeitraum fliegenden Nachtfalter, der Kontaktpflege zwischen den Fachleuten und der Information einer breiten Öffentlichkeit. Rund 530 Wissenschaftler in über 30 Ländern Europas sind während der Nachtfalternächte aktiv. Die Ergebnisse werden ausgewertet und veröffentlicht. Aus diesen Ergebnissen lassen sich Empfehlungen für den Naturschutz ableiten. Neben diesen Informationen zu den

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Walter Baltruweit zeigte den Besuchern der Europäischen Nachtfalternächte 2009 die gefangenen Insekten und ihre typischen Bestimmungsmerkmale. Fotos: Kamin

Nachtfalternächten erklärte Roloff vor allem Kindern, wie Insekten in der Nacht navigieren. Um trotz der Dunkelheit eine gerade Strecke fliegen zu können, peilen sie in regelmäßigen zeitlichen Abständen den Mond an. Anhand eines bestimmten Winkels zum Mond finden die Nachtfalter ihren Weg. Roloff erklärte anschließend, warum Insekten die Lampe anfliegen. Die Strahlen der viel näher stehenden Lampe haben einen anderen Winkel, der dazu führt, dass die Nachtfalter spiralförmig auf die Lichtquelle zufliegen. Das erste Insekt, das auf dem Leuchtturm landete, war allerdings kein Nachtfalter, sondern ein Maikäfer. Mit Winkelmesser, Schnur und Stöcken und mit Hilfe der anwesenden Kinder zeigte Roloff diese besondere Form der Navigation.
Roloff erklärte den Anwesenden den Unterschied zwischen Menschen und Insekten: Die Insekten haben ihr Skelett außen, während das menschliche Skelett unter Haut und Muskeln verborgen ist. Er fragte auch, wer besser riechen kann, der Mensch, der Hund oder die Insekten. Die Insekten, war die Antwort.
Im Laufe des Abends konnten die drei Lepidopterologen mit dem Vorurteil: "Das sind doch alles nur graue Motten" aufräumen. Ein zitronengelber Spanner konnte von den Interessierten ebenso betrachtet werden, wie der fein gezeichnete hypomecis roboraria.
Alle Nachtfalter, die entweder den Leuchtturm anflogen, von Piepgras und Baltruweit mit dem Schmetterlingsnetz gefangen wurden oder sich für die ausgelegten Köder interessierten, wurden von Piepgras notiert, den Anwesenden in einer Plastikröhre zum Betrachten überlassen und anschließend in einen Kasten mit Eierkartons verfrachtet. "Die Nachtfalter kommen in diesen Kasten, damit wir Doppelzählungen vermeiden. In den Eierkartons können sich die Falter gut verstecken und wir lassen sie am Ende der Nachtfalternacht wieder frei", erklärt Piepgras.

aus den Elmshorner Nachrichten vom 06.06.2009

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