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Autos blockieren Feuerwehreinsatz

KLEIN NORDENDE "Es war der Tag, von dem wir gehofft haben, dass er nie kommt, aber wussten, dass er kommen würde", sagt Klein Nordendes Bürgermeister Hans-Barthold Schinckel. Denn weil bei der gegenüberliegenden Schule gerade Unterrichtsbeginn war, blieben Kameraden im Verkehr stecken, wurden sogar beschimpft, weil Autofahrer den Ernst der Lage nicht erkannten. Das Ganze passierte am Dienstag, 2. Juni, gegen 7.20 Uhr. Da wurde die Freiwillige Feuerwehr Klein Nordende alarmiert, um zu einem Unfall auf der Bundesstraße 431 auszurücken. Rund drei Minuten brauchen die ersten Feuerwehrleute normalerweise, um die Wache zu erreichen. Nach sieben bis acht Minuten können die Einsatzfahrzeuge samt Mannschaft ausrücken. Diesmal dauerte es länger. Um in solchen Fällen alle zu warnen, soll wieder die alte Sirene im Ort ertönen.

Autos blockieren Feuerwehreinsatz

Albtraum: Parkende Autos in der zweiten Reihe behinderten die anrückenden Feuerwehrleute / Wertvolle Zeit ging verloren / Nun soll die Sirene eingesetzt werden

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Abgestellte Autos behindern die Feuerwehr besonders während Schulbeginn und Schulende. MKA

KLEIN NORDENDE Das Problem an diesem Morgen: Der Unterricht an der Grundschule Klein Nordende-Lieth, die direkt gegenüber der Feuerwache an der Schulstraße liegt, beginnt um 7.30 Uhr. Ab 7.15 Uhr nimmt der Verkehr in der Schulstraße stetig zu, da zahlreiche Kinder von ihren Eltern mit dem Auto zur Schule gebracht werden.
Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Klein Nordende kommen mit Privatfahrzeugen zur Wache. Nichts unterscheidet sie von allen anderen Autos. Sie nutzen die Schulstraße wie alle anderen Verkehrsteilnehmer und müssen sich durch das morgendliche Verkehrschaos kämpfen. Das kostet wertvolle Zeit. Doch nicht nur die vielen Pkw's behindern die anrückenden Feuerwehrleute. Besonders die Verkehrsteilnehmer, die den "Kiss & Go-Haltestreifen" als Parkzone nutzen oder hemmungslos in zweiter Reihe parken, machen den anrückenden Feuerwehrleuten das Leben schwer. Feuerwehrmann Sönke Weers kann von dieser Situation ein Lied singen. Er wollte mit seinem Pkw die Wache erreichen und wurde von Eltern, die in zweiter Reihe parkten behindert.
Weers versuchte, die Autofahrer auf sich aufmerksam zu machen. Vergebens. Sein Bemühen, an den verkehrswidrig Parkenden vorbei zu kommen, wurde durch deren mutwilliges Ausparkmanöver noch weiter erschwert. Damit nicht genug. Als der Klein Nordender endlich den Parkplatz hinter der Wache erreicht hatte, war ihm die Autofahrerin, die ihn behindert hatte, gefolgt. Weers sah sich mit einer Flut von Pöbeleien und Schimpfworten konfrontiert. "Ich wurde auf das Übelste beschimpft", so Weers. Das alles kostet wertvolle Minuten, die bei einem Einsatz über Leben und Tod entscheiden könnten. Nur eine Mutter schien den Ernst der Lage an diesem Morgen sofort verstanden zu haben, berichtet Wehrführer Martin Höppner. Sie stand im Bereich der Feuerwache und brachte alle zu Fuß und mit dem Fahrrad ankommenden Schülerinnen und Schüler zur Seite und so aus dem Gefahrenbereich vor der Feuerwache.
Neben dem Verkehrschaos ist es für die Feuerwehrleute ein Albtraum, sollten sie im Einsatzfahrzeug sitzend ein Kind übersehen und anfahren.
Direkt nach dem Einsatz haben die Einsatzkräfte überlegt, wie die Situation vor der Schule weiter entschärft werden kann. Künftig werden bei Einsätzen zwischen 6.30 und 14 Uhr nicht nur mittels digitalen Funkempfängers alarmiert, sondern die Sirene wird wieder eingesetzt. "Wenn die Sirene heult, dann wissen hoffentlich alle, dass die Feuerwehr ei-
nen Einsatz hat und die Feuerwehrleute auf dem Weg zur Wache sind. Das ist in Punkto Sicherheit der richtige Weg", so der Wehrführer. Die Gemeinde Klein Nordende hat vor der Schule zwei "Kiss & Go Streifen" gebaut. In der Haltebucht können die Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, kurz anhalten, sich von ihren Sprösslingen verabschieden und dann weiterfahren. Ein Anhalten auf der Straße wird so vermieden.
Das Parken, länger als drei Minuten halten und/oder das Fahrzeug verlassen, ist auf diesen Streifen während der Schulzeit nicht zulässig. "98 Prozent der Eltern halten sich an diese Regelung. Zwei Prozent leider nicht. Die bringen durch ihr Verhalten den Verkehrsfluss zum Erliegen", so der Vorsitzende des Wegeausschusses Gerd Schümann.
Diese Maßnahme scheint immer noch nicht ausreichend. "Wir überlegen ständig, wie wir die Situation vor der Schule verbessern können. Unsere Schule liegt nun einmal direkt gegenüber der Feuerwache", erläutert der Bürgermeister und berichtet von der nicht umsetzbaren Idee, die Schulstraße in eine Einbahnstraße zu verwandeln, von Überlegungen einen Zebrastreifen zu installieren. Kerstin Westphal vom Ordnungsamt des Amt Elmshorn-Land weiß um die Probleme an der Klein Nordender Schulstraße. Immer wieder kontrolliert sie die Verkehrsteilnehmer, notiert Verkehrssünder. "Oft sind es dieselben Eltern. Die reagieren böse oder amüsiert", erzählt Westphal.
Auf eine weitere Maßnahme haben sich Wehrführer, Bürgermeister, Schümann, der stellvertretende Wehrführer Florian Schinckel geeinigt. Einmal im Jahr wollen die Feuerwehrleute den Schulkindern zeigen, wie ein Einsatz abläuft und wie sich die Jungen und Mädchen dann verhalten sollen. Meike Kamin

Kommentar

Unvernunft und Egoismus

Von Meike Kamin

en-050610-1b.jpgEs brennt oder ein Autofahrer ist nach einem Unfall in seinem Pkw eingeklemmt und keiner geht hin. Wertvolle Minuten verstreichen, die über Leben und Tod, ein beherrschbares Feuer oder einen unkontrollierbaren Großbrand entscheiden können. Unvernunft und Egoismus von Eltern, die ihre Sprösslinge am liebsten direkt ins Klassenzimmer fahren würden, haben in Klein Nordende der Feuerwehr bei einem Einsatz das Leben schwer gemacht. Doch statt sich für das Fehlverhalten zu entschuldigen, gab es Pöbeleien und Un-einsichtigkeit. Dabei wäre das Problem "Verkehrschaos" in Klein Nordende mit ein wenig Rücksichtnahme durchaus lösbar. Sowohl am Gemeindezentrum, als auch an der Kirche könnten die Kinder problemlos aussteigen und die letzten 500 Meter zu Fuß zur Schule gehen. Der von der Gemeinde geschaffene Kiss & Go-Streifen bietet darüber hinaus die Möglichkeit, die Kinder problemlos vor der Schule abzusetzen. Anhalten, aussteigen, weiterfahren. Doch es scheint einfach nicht möglich zu sein, an die Vernunft dieser Verkehrsteilnehmer zu appellieren. Schade, denn es sind nur diese wenigen Autofahrer, die alle anderen gefährden. Apropos: Niemand möchte erleben, was passiert, wenn diese Menschen die schnelle Hilfe der Feuerwehr brauchten und die dann nicht rechtzeitig vor Ort wäre.

aus den Elmshorner Nachrichten vom 05.06.2010

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