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Das ewige Hallen-Gerangel

Das ewige Hallen-Gerangel

Bauschäden in Klein Nordende: Noch immer kein Prozess-Termin in Sicht. Bürgermeister genervt.

In der zukünftigen Aufwärmküche hängt
an der Decke zwar eine große Lüftung,
aber ohne Anschluss nach außen.
Fotos: nelai

Klein Nordende (ne). "Langsam muss mal was passieren!" Siegfried Schultz, Vorsteher des Schulverbandes Klein Nordende-Lieth, und Bürgermeister Hans-Barthold Schinckel reagieren gereizt, wenn es um die Frage nach dem Gerichtstermin zur Mängelklage in Sachen Bürgermeister-Hell-Halle geht.
Die Klageschrift, in der es um Planungs- und Ausführungsfehler bei der 2005 eingeweihten Halle geht, hat der Kieler Rechtsanwalt Erich Groß lange fertig. Knackpunkt sind die von dem zuständigen Hamburger Gericht geforderten Kopien sämtlicher Rechnungen. Mitarbeiter des Amtes Elmshorn-Land sollten diese Dokumente bereits Ende Dezember vorgelegt haben. Bis heute ist nichts geschehen. Die Gemeinde frage jede Woche nach, erklärt Schinckel.
Aber wegen Personalmangel im Amt lägen die Unterlagen noch nicht vor.
"Länger als vier Wochen darf das nicht mehr dauern", sagt Siegfried Schultz. Bis zu einem Jahr nach Einreichung der Klageschrift könne es noch dauern, bis der Prozess überhaupt beginne. Wenn dann noch eine der Parteien in Berufung ginge, könnte der Prozess bis 2013 dauern. Möglich, so der Verbands-vorsteher, sei auch ein Vergleich mit dem Hamburger Architekten und Bauleiter. Das hänge aber wiederum von dessen Versicherung ab.
Zur Erinnerung: Nach heftigen Debatten im Gemeinderat zwischen CDU und WG hatte die WG-Mehrheit sich 2001 für den Bau einer neuen Mehrzweckhalle und gegen die Restaurierung der alten, damals rund 30 Jahre alten Halle entschieden. Nach dem Abriss der alten Halle wurde im Juli 2002 der Grundstein zu der neuen, vom Schulverband, der Gemeinde und dem SV Lieth gemeinsam getragenen Mehrzweckhalle gelegt.
Kurze Zeit nach dem Richtfest im Dezember 2002 wurden massive Bau- und Planungsmängel sichtbar: Es regnete im
Foyer durch, es gab Probleme mit der Heizung und der große Lüfter in der Aufwärmküche hatte keine Abluft.
Der Hamburger Architekt samt einigen Handwerkern musste gehen, und auch der damalige Verbandsvorsteher Karl-Max Kapplusch, Initiator des Hallenneubaus, nahm seinen Hut. Mängelfeststellungen und neue Planungen brauchten ihre Zeit. Leidtragende waren die Schüler der Grundschule und die Sportler des SV Lieth, die länger als geplant auf ihre Sporthalle verzichten mussten. Endlich, am 12. August 2005, wurde dann die Halle eingeweiht und auf den Namen Bürgermeister-Hell-Halle getauft.
Damit war der Bau erst mal abgehakt, die Bezahlung aber noch nicht. Die Kosten der einst mit 2,7 Millionen Euro veranschlagten Halle sind durch den Planungs- und Baufehlerstreit um 1,3 Millionen Euro heute auf insgesamt gut vier Millionen angestiegen. Den Streitwert muss Klein Nordende als Geldgeber der Halle zwischenfinanzieren. Gewinnt die Gemeinde vor Gericht, erhält sie sämtliche Kosten einschließlich der Zinsen ersetzt. Kommt es zu einem Vergleich, bleiben die Zinsen bei der Gemeinde hängen. Schulverband und Gemeinde wären sehr froh, wenn die gerichtliche Auseinandersetzung 2009 erledigt werden könnte. Denn die Angelegenheit werde immer komplexer und undurchsichtiger.

Schulverbandsvorsteher Siegfried Schulz vor der
überdimensioierten Heizung. Folge: Es musste
eine Wand eingezogen werden.

Mit einem großen Fest wurde am 12. August 2005 die Halle eingeweiht.

aus den Elmshorner Nachrichten vom 09.02.2008

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