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Blechlawine durchs Moor

Heimliche Umgehungsstraße Liether Moor

Foto: Silvia Dammer

KLEIN NORDENDE Die Bauarbeiten an der Ahrenloher Straße in Tor­nesch wirken bis nach Klein Norden­de und werden für die Bewohner im Liether Moor zur Belastungsprobe. Wo noch vor drei Wochen Pkw oder Traktoren vereinzelt die schmalen Straße nutzten, entwickelt sich das Verkehrsaufkommen jetzt fast wie auf der Autobahn. Ortskenntnis und Navis führen die Pkw-Fahrer über die engen Moorstraßen Richtung Tornesch oder A23. Sogar Lkw brin­gen die Häuser der Anlieger zum Vi­brieren.

Seit der Vollsperrung der L110 suchen sich Auto- und Lkw-Fahrer Alternativen zur offiziellen Umleitung und fahren durchs Moor

Zahlreiche Autofahrer haben die Straße Liether Moor als Abkürzung entdeckt. Die schmale Asphaltstraße durch das Naturschutzgebiet ist fließendem Verkehr gar nicht gewachsen. Hier können sich Pkw-Fahrer nicht mal gefahrlos begegnen. FOTOS: SILVIA DAMMER (3

Von Silvia Dämmer

KLEIN NORDENDE Wenn durch eine Baumaßnahme irgendwo eine Straße gesperrt ist, finden Autofah­rer oder deren Navis schnell entsprechende Schleichwe­ge, um die weiträumigen Umgehungen zu umfahren. Im Fall der gesperrten Ahrenloher Straße in Tornesch fließt der Verkehr seit Anfang Juli verstärkt durchs Moor. Sehr zum Ärger der Anwoh­ner der Klein Nordender Straße Liether Moor.

Kerstin Wrage (kleines Foto) und Ehemann Emst Heinrich sind ziemlich sauer: „Schau’n Sie sich das mal an hier - Autos über Autos. Wie Perlen an einer Kette zieht sich die Blechlawine durch unsere Straße. Hier fahren sogar Lkw und Reisebusse durch, obwohl die das gar nicht dürfen.“ Mit „unserer Straße“ meint

Kerstin Wrage die Straße Lie­ther Moor, über die vor allem Ortskundige von Ellerhoop über Seeth-Ekholt nach Tor­nesch kommen und sich damit die kilometerlange Umleitung via B431 über Elmshorn und Heidgraben sparen. Das ist zwar den Pkw- Fahrem gestattet - für Lkw ab 3,5 Tonnen ist die Straße tabu - bringt jedoch Stress für die Anwohner mit sich. Abgesehen vom Lärm, der, so Wrage, täglich bereits gegen 4 Uhr morgens beginnt, staubt es, wenn die Fahrzeu­ge bei Gegenverkehr von der schmalen Fahrbahn auf die Bankette ausweichen müs­sen. „So halten Straßenbelag und Bankette nicht lange“, vermutet das Ehepaar. „War­ten Sie mal, bis der Regen kommt.“

Normalerweise Kann man die Autos, die täglich über die Straße Liether Moor fahren, an zehn Fingern abzählen.

„Die ersten Autos fahren schon durch die Straße, bevor die ersten Vögel wach sind.“ Karin Wrage wohnt im Liether Moor

„Mit dem Rad würde ich im Moment hier nicht fahren“, bestätigt auch Dietmar Stockschläter, der ebenfalls im Liether Moor wohnt. Zu gefährlich bei der hohen Geschwindigkeit, mit der manche Autofahrer über die schmale Asphaltstraße durchs Moor donnern. Sogar die Tempo-30-Zonen auf der Straße werden meistens ignoriert. Nicht selten käme es an den Engstellen oder den nicht einsehbaren Kurven der Straße zu gefährlichen Begegnungen.

Die drei vermuten, dass sich die Situation noch ver­schärft, wenn die Urlaubszeit vorbei ist und die Pendler schnellstmöglich zur A 23 zu kommen versuchen. Was die Wrages und Dietmar Stock­schläter mindestens genauso ärgert wie das Mehr an Pkw vor ihren Gartentüren: „Wir erhofften uns Unterstützung erhofften uns Unterstützung von der Gemeine, bekamen aber sowohl von Bürgermeis­ter Adolf Luitjens als auch von seinem Stellvertreter Jens Jacobsen nur zu hören, das lege sich wieder, und dar­um müsse sich der Landkreis kümmern“, erzählt Dietmar Stockschläter. Er habe deshalb selbst beim Straßenver­kehrsamt des Kreises vorge­sprochen. „Ja“, bestätigt Sil­ke Dräger, Leiterin des Fach­dienstes Straßenbau und Verkehrssicherheit des Krei­ses Pinneberg, „ich weiß, dass die Umleitungen erheb­liche Belastungen für die Anwohner im Liether Moor bringen und ich kann ihren Ärger auch verstehen.“

Die LI 10 ist zwar keine Kreisstraße, jedoch ist die Kreisverwaltung für die Umleitung zuständig. Liether Moor bis zum Ende der Bau­maßnahme an der L110 für Nichtanlieger zu sperren - das wünschen sich die Anwohner - sei nicht zu realisieren, erklärte Dräger. „Wenn wir Liether Moor für Nichtanlie­ger sperren, müssen wir diese Maßnahme auch überwachen. Dafür gibt es bei der Polizei nicht genügend Personal“, begründet sie. Und: Mit jeder gesperrten Straße mehr wür­den sich die Autofahrer wieder andere Schleichwege suchen, um vermeintlich schneller ans Ziel zu kommen.

Gleichwohl führten die Anwohnerbeschwerden seit Beginn der Baumaßnahme auf der Ahrenloher Straße dazu, dass die Beamten der Polizeistation Uetersen die möglichen inoffiziellen Umgehungen in Tornesch täglich kontrollieren. Wie Sandra Mühlberger, Presse­stelle der Polizeidirektion Bad Segeberg, bestätigt, wur­den dabei bisher 300 Fahr­zeugführer gebührenpflich­tig verwarnt. Die Uetersener Beamten kontrollieren aller­dings nicht die Strecke durch das Liether Moor. Verkehrs­kontrollen hier liegen in der Verantwortung des Elms­horner Polizeireviers.

Bei Thorsten Buchwitz, Leiter des Polizeireviers, liegt das Thema ganz oben auf dem Dringlichkeitssta­pel: „Wir werden uns j etzt vor Ort ein Bild zur Situation machen und die Straße schwerpunktmäßig in Abständen kontrollieren“, sichert er zu. Allerdings gibt auch er zu bedenken: „Ahn­den können wir nur tatsäch­liche Verstöße gegen die Stra­ßenverkehrsordnung. Lie­ther Moor ist ja für den Pkw- Verkehr freigegeben.“

„Wenn wir Liether Moor für Nichtanlieger sper­ren, müssen wir das auch kontrollieren.“ Silke Dräger, Kreisverwaltung Pinneberg

Bürgermeister Adolf Luit­jens fühlt sich zu Unrecht des Nichtstuns bezichtigt: „Die Situation am Liether Moor ist bekannt und wir sind mit dem Ordnungsamt von Elmshorn Land, dem Stra­ßenverkehrsamt des Kreises Pinneberg und der Polizei in engem Kontakt, um Möglich­keiten zu finden, die Situati­on in den Griff zu bekom­men.“

Für Kerstin Wrage und andere Bewohner im Liether Moor nur bedingt ein Trost: „Langsam liegen die Nerven blank.“ Silvia Dammer

Elmshorner Nachrichten, 19.07.2019

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