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Bericht der EN vom 15.12.2007


Donnerstag, 11.07 Uhr am Fundhaus im Kastanieneck: "Guckt euch das mal an", staunte ein Ermittler - er hatte im Gartenschuppen der Familie D.* hochexplosiven Sprengstoff gefunden, den Sohn Martin* (15) selbst gebastelt hatte. Foto: Biehl

Bombenbastler Martin D.* - Donnerstag verhörte ihn die Polizei stundenlang, beschlagnahmte Computer und Daten-träger. Gestern ging er wieder zur Schule. Foto: EN

Bombenbastler: Gestern wieder in der Schule

Nach dem Sprengstofffund: Wer trägt die Kosten des Großeinsatzes in Klein Nordende?

Von Bert C. Biehl

Klein Nordende. Der Tag nach dem Großeinsatz in der kleinen Gemeinde - der Schreck ist verflogen, aber die Fragen bleiben. Nachdem ein rund 150 Einsatzkräfte starkes Aufgebot von Polizei, Feuerwehr, Rettungsdiensten und dem Amt für Katastrophenschutz am Donnerstagvormittag Straßen sperrte, dutzende Häuser, die Schule und den Kindergarten evakuierte, ist wieder Normalität eingekehrt. "Die Lehrer haben in ihren Klassen darüber gesprochen, wie die Kinder die Situation empfunden haben", berichtet Schulleiterin Ursula Franke. Mit Gesprächskreisen, Briefen oder Bildern hätten die Schüler das Geschehen aufgearbeitet. Und auch für Martin D.* verlief der Freitag wieder normal - er ging
wie gewöhnlich zur Schule. Auch über kleine Pannen bei der Evakuierung können die Betroffenen jetzt schmunzeln, so wie Beate Rohlfing. Sie wohnt Am Redder, wartete morgens auf ihren Mann Andreas, der aus Elmshorn zurückkommen wollte, um sie abzuholen. Doch er kam zunächst nicht durch die Straßensperren - "und ich hatte gar nicht mitbekommen, dass die Polizei bei mir klingelte", sagt die Anwohnerin. Ihr Mann setzte sich schließlich durch, konnte seine Frau aus dem Haus retten.
Ein Bombenbastler in der Nachbarschaft - "Wie konnte es dazu kommen?" Das fragt sich nicht nur Bürgermeister Hans-Barthold Schinckel. Der 15-jährige Martin D.* gehört offenbar zur "Bastlerszene", die sich im Internet frei zugängliche Rezepte für Sprengstoff beschaffen und damit experimentieren. Ein bundesweiter Trend, den die Kripo mit wachsender Sorge beobachtet. "Die Täter sind noch relativ jung und sind sich
durchweg nicht der erheblichen Gefahren für sich und Unbeteiligte bewusst", sagt LKA-Sprecher Kai Schlotfeld. Die Landespolizei bietet seit 2006 Unterrichtsmodule für Schulen an. In der Realschule von Martin D.* hat diese Aufklärung offenbar noch nicht stattgefunden. "Die Stoffe, mit denen die , Bastler' umgehen, sind so wirkungsvoll wie gewerbliche oder militärische Sprengstoffe, aber leider absolut nicht beherrschbar, weil außerordentlich empfindlich", warnt Schlotfeld.
Die Kosten des Großeinsatzes trägt wohl der Steuerzahler - Gefahrenabwehr sei der Auftrag des Staates, Feuerwehr und Rettungsdienste hätten dafür keine Kostensatzung, so ein Sprecher des Amtes für Katastrophenschutz.

*Namen geändert

aus den Elmshorner Nachrichten vom 15.12.2007

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