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Angst vor Verkehrsrowdies im Liether Moor

Angst vor Verkehrsrowdies im Liether Moor

Lebensgefährliche Zustände für Anwohner im Liether Moor. Auto- und Motorradfahrer rasen über die schmalen Straßen.

Von Gerd Nelaimischkis

Klein Nordende. "Muss erst jemand überfahren werden?" Silke Grothgar, Anwohnerin im Liether Moor, ist fassungslos. An den schmalen Einfahrtsstraßen zum Moor stehen große, grüne Hinweisschilder "Landschaftsschutzgebiet - Bitte langsam fahren". Es sind Tempo-50 oder sogar Tempo-30-Schilder aufgestellt. Vor dem Haus der Grothgars hat Bürgermeister Hans-Barthold Schinckel zusätzlich ein großes Schild "Vorsicht! Spielende Kinder" aufstellen lassen. Aber nichts hilft. Im Gegenteil. Die Straßen im Moor, günstige Verbindungen zwischen Elmshorn und dem Autobahnzubringer Tornesch, werden immer mehr zur Rennstrecke. "Die heizen mit 80 und mehr über die schmalen Straßen", ärgert sich die 26-Jährige. Völlig abgehoben seien dabei die Motorradfahrer, die offenbar keine Grenzen kennen. Besonders gefährdet sind Kinder, ältere Leute auf Fahrrädern oder Fußgänger.
Was die Mutter zweier kleiner Kinder traurig stimmt: Unter den Rasern sind sogar Anwohner des Liether Moors, also Nachbarn. So lässt sich auch erklären, warum auf der Einwohnerversammlung zur Verkehrsberuhigung des Liether Moors die Lösungsansätze mehrheitlich von Anwohnern und Nutzern des Moors restlos gekippt worden seien.
Als Kind, so erinnert sich Silke Grothgar, habe sie mit Freundinnen noch auf der Straße spielen können. Heute sei das für Kinder lebensgefährlich. So seien erst kürzlich ihr Mann Mathias (26) und Sohn Maximilian (3) von einem Raser fast umgefahren worden. Nur mit knapper Not hatte der Fahrer sein Fahrzeug unmittelbar vor beiden zum Stehen bringen können. Ihr Mann wollte nach diesem Vorfall Anzeige erstatten. Doch die Polizei in Tornesch habe die Annahme der Anzeige abgelehnt. Erst in Elmshorn nahm die Polizei die Anzeige an. Ein Erfolg ist bisher allerdings ausgeblieben.
Erfolglos seien auch Bitten an die Polizei geblieben, die schon bestehenden Geschwindigkeitsbegrenzungen zu kontrollieren. Ohne Erfolg, so befürchtet die Moor-Anwohnerin, werde deshalb auch die von der Gemeinde und vom Kreis favorisierte Schilderlösung zur Sperrung der Wege für Pendler sein. Eine Schrankenlösung mit Schlüsseln für Anlieger und Landwirte wäre aufwendiger, aber auch wirkungsvoller.
"Wir werden eine Lösung finden", versprach Klein Nordendes Bürgermeister Hans-Barthold Schinckel. Das Thema gebe es jetzt schon fast vier Jahre, damit viel zu lange. Oberstes Ziel müsse sein, Bürger der Gemeinde zu schützen.
Bis eine Lösung greift, kann es noch dauern. Silke Grothgar hofft deshalb auf einen bald einsetzenden Winter. Denn im Moor wird nicht gestreut. Wer dann noch mit dem Auto durch das Moor fährt, landet häufig in den Gräben. Nach wenigen Tagen erledigt sich die Sache mit den Rasern von selbst: Dann fährt kaum noch einer durch das Moor.

Silke Crothgar hat Angst um das Leben ihrer Familie. Auf den Straßen im Moor wird gerast, ohne Rücksicht auf Verluste.
Foto: ne

aus den Elmshorner Nachrichten vom 12.10.2007

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