Baggern für ein Biotop

Im Liether Moor wurde ein Grabenkomplex geschaffen, damit neue Pflanzen und Tiere das Gebiet bevölkern. Dabei gab es immer wieder Einblicke in die Urzeit.

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KLEIN NORDENDE Seit vielen Jahren bemüht sich der Betreuungsverein Liether Moor aus Klein Nordende um die Schaffung wertvoller Biotope im Bereich des Liether Moores. Kleine Paradiese sind entstanden, die erneut selten gewordene Tiere und Pflanzen beherbergen. So sind Kraniche und Weissstörche, Zwergtaucher und Teichrohrsänger wieder heimisch geworden, Libellen und Amphibien haben ihre Bestände vermehrt und moortypische Pflanzen wie Gagel und Moosbeeren breiten sich erneut aus.

Nun hat der Verein sein bisher größtes Projekt beendet, zwei sogenannte Mooraugen mit einem anhängenden weitläufigen Schlenkensystem, das sich sternförmig in alle Richtungen ausbreitet.

en 261017bDie Vorlage für dieses großartige Biotop findet sich beim „Ewigen Meer“, nördlich von Aurich, wo sich ein Moorauge - ein großer Zentralsee - im Laufe von Jahrhunderten auf natürliche Weise entwickelt hat, von dem ebenso zahlreiche wasserführende Schlenken in alle Richtungen führen. Es lag nahe, ein solches in Kleinformat künstlich auf einer großen Binsenwiese zu schaffen, um das einst trockengelegte und abgetorfte Liether Moor so mit einem ganz besonderen Kleinod zu versehen.

Die Fläche dazu bot sich gerade zu als perfekt an. Dort, wo sich einst der Esinger See nach der Eiszeit gebildet hat und längst verlandete, wo Rentierherden weideten, sind die Umrisse der Ufer immer noch zu erkennen und in der Ostseite der Kalkgrube sogar angeschnitten. Bis in unsere Zeit war diese alte Seensenke relativ feucht und nahezu nicht für die Landwirtschaft nutzbar gewesen.

Auch eine urzeitliche Muschelbank entdeckt

Im September begannen die aufwändigen Baggerarbeiten nach intensiver Vorbereitung. Dabei waren zu Beginn Archäologen und Paläontologen vom Landesamt und der Universität tätig. Brodeltöpfe - eiszeitliche Verschiebungen - wurden in den tiefen Anschnitten per Bagger sichtbar und als Höhepunkt wurde gar die Muschelbank eines Urmeeres angeschnitten.

en 261017cBis vor 200 Jahren befand sich noch eine über drei Meter hohe Torfschicht des ehemaligen Flachmoores auf der heutigen Oberfläche. Desto interessanter waren Funde von Eichenwurzeln und Schilfhalmen, Zehntausende Jahre alt und in heute einem Meter Tiefe gut erhalten.

Es regnete sintflutartig in Strömen,aber die Firma Emst Sahlmann und Sohn aus Seeth Eckholt mit ihren beiden erfahrenen Baggerführem ließ sich nicht entmutigen. Stoisch baggerten sie sich durch den Untergrund, schufen die beiden Zentralseen samt den Schlenken mit ihren Windungen und teichartigen Verbreiterungen auf etwa 3.5 Hektar.  Extra aus Holland wurde ein spezielles Raupenfahrzeug angemietet, das sich aus dem matschigsten Untergrund wie ein Panzer wieder herauszog.

Begeisterung stieg auf, als die ersten Luftfotos mit einer Drohne gemacht wurden. Völlig verändert und in den einstigen Urzustand zurückversetzt, zeigte sich die eintönige Binsenwiese ganz so, wie es in Urzeiten während der Verlandung des Esinger Sees auch ausgesehen haben muss.

Im Frühling werden dann auch die Spuren der Baggerketten wieder Zuwachsen. Besonders aber wird auf die Entstehung von weitläufigen Schwimmteppichen aus Torfmoosen gehofft. Sind sie doch verantwortlich für die Bildung von typischen Mooren, indem sie nach unten hin absterben und sich in Torf verwandeln. So wird in den nächsten Jahrzehnten langsam nach und nach bei einem Wachstum von einem Millimeter je Jahr eine neue Moorlandschaft entstehen. Es ist sogar ein Projekt, das in seiner fortlaufenden Entstehung Jahrhunderte andauem wird und unseren Nachkommen Lebensräume schafft, die es kaum noch in der kultivierten Landschaft gibt und durch Menschen einst beseitigt wurden.

Die Rückkehr der Ringelnatter

en 261017dNatürlich konnte ein solches Projekt nicht eben mal so verwirklicht werden. Die Mitarbeiter des Vereins, zumeist engagierte Klein Nordender, die Untere Naturschutzbehörde und mehrere Ämter der unterschiedlichsten Bereiche arbeiteten Hand in Hand für die Umsetzung. Doch damit ist es nicht getan. In den folgenden Jahren wird das Ge-biet unter Beobachtung stehen und die Entwicklung erkundet und dokumentiert werden. Auch weiterhin wird menschliche Hilfe nötig sein bei der Wiedercinbürgcrung von Arten, sei es für die fleischfressende Pflanze Sonnentau oder für die Freihaltung einer Blänke, die eigens für kleine Uferläufer, genannt Limicolen, angelegt wurde. Dieser Vogel hat sich bereits zu den Baggerarbeiten in den Binsen aufgehalten, und zweimal kam gar jeweils ein ganzer Trupp niedrig vorübergeflogen. Es handelt sich dabei zumeist um Wald- und Bruchwasserläufer, jedoch auch um vereinzelte Flussuferläufer.

Viele Tierarten werden aber auch durch andere Tiere erst eingetragen, zumeist über Laich, der sich im Gefieder von Enten befindet. So können beispielsweise Fische und Frösche hinzukommen, oder Insektenarten, aber auch andere Pflanzen, die Moorwasser aushalten. Natürlich werden sich auch zahlreiche Libellen und Schmetterlingsarten bald ansiedeln, dazu Molche, Ringelnattern, und vielleicht, mit etwas Glück, auch Kreuzottern, die seit vielen Jahrzehnten nicht mehr im Liether Moor gesehen wurden.

Aussichtsturm für den richtigen Überblick

Der in der Nähe befindliche Aussichtsturm des Vereins bietet dazu ideale Möglichkeiten, Einblick in das Gebiet zu erlangen, und mit einem Fernglas werden sich von da aus viele spannende Beobachtungen der Vogelwelt machen lassen. Es werden Führungen angeboten, bei denen man speziell auf die vielen kleinen Geheimnisse des Moores aufmerksam gemacht wird.

Dieses aufwändige Biotop-Projekt fügt sich ein in die Vernetzung der Moore Norddeutschlands und ist ein kleiner Schritt, dem Klimawandel entgegen zu treten. Im Torf werden gewaltige Mengen an Kohlendioxid gebunden, das nicht in die Atmosphäre gelangt. Viele solcher Gebiete zusammen genommen sind für das lokale Klima von nicht zu unterschätzendem Wert. Fehler der Vergangenheit wird man zwar nicht mehr großflächig rückgängig machen können, aber im Verbund mit zahlreichen Mooren ist es doch ein positiver Einfluss auf unsere Mitwelt. Wenn jeder von uns ein bisschen tut, kann die Menge sehr viel erreichen. Und im Kreis Pinneberg wird diesbezüglich bereits engagierter Einsatz erbracht.

en 261017eINFO DER VEREIN

Wer Interesse an einer Mitarbeit oder einer Mitgliedschaft im Betreuungsverein hat, kann sich unter Telefon (041 22) 54536 oder per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! an Martin Röseke wenden. pt

 aus den Elmshorner Nachrichten vom 26.10.2017

Figuren am Straßenrand: „Mehr Rücksicht, bitte!“

haz 251017

(Klein Nordende/su) Huch, möchte da etwa ein Seniorenpaar über die Straße? Das könnte eine Frage sein, die sich Autofahrer seit kurzem in der Klein Nordender Dorfstraße. Höhe Einmündung mit der Sandhöhe, in Fahrtrichtung Elmshorn stellen. Ein gewollter Effekt.

Am vergangenen Freitag wurde in Elmshorns Nachbargemeinde das erste Figurenpaar enthüllt, das Ergebnis eines Ortsentwicklungskonzeptes ist, an dem die Bürger in verschiedenen Gruppen gearbeitet hatten. Das Seniorenpaar, das Künstler Joerne Diedrichsen aus Bootssperrholz gefertigt hat, ist zum Thema „ Rücksicht“ entstanden. Etwa vier Tage Arbeit seien in das Kunstwerk geflossen, so Diedrichsen, der sein Atelier seit vielen Jahren in Klein Nordende hat. Zunächst habe er beim Material an Schiffsstahl gedacht, doch dies sei sehr schwer zu bearbeiten gewesen.

„Ich finde es richtig gut“, so Bürgermeister Hans-Barthold Schinckel bei der Enthüllung der Figuren. Hetlingen habe beispielsweise Elbkinder an den Straßen. Er sei von diesen Motiven immer begeistert, wenn er sie sehe, weil sie Aufmerksamkeit erregten. Das Seniorenpaar soll nur der Anfang sein. Viele weitere Szenen könnten folgen. Gespannt sind alle Beteiligten auch beispielsweise auf die Idee, die Skulptur eines Teufelchens an die Straße zu stellen - der Teufel als Anregung, den Fuß vom Gas zu nehmen. Das Stichwort „Rücksichtnahme“ tauchte damals mehrfach als Nennung in den Wunschlisten der Bürger auf.

Aber auch eine Skulptur mit Fahrrad könnte entstehen - als Anregung, öfter einmal auf den Drahtesel zu wechseln. Montiert wurde das Seniorenpaar aus Sperrholz vom Bauhof. Schinckel hofft, dass es von Vandalismus verschont bleibt.

aus der Holsteiner Allgemeinen Zeitung vom 25.10.2017

„Rentner“ bremsen Autofahrer aus

PILOTPROJEKT In Klein Nordende sollen Figuren notorische Raser stoppen

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KLEIN NORDENDE Jome Diedrichsen hat sich fest vorgenommen, notorische Raser in Klein Nordende einzubremsen. Gelingen soll dies mithilfe von lebensgroßen Figuren. Jüngst wurde das erste „Einbremspaar“ an der Ecke Dorfstraße/Sandhöhe aufgestellt. Zu sehen sind zwei Rentner, sie mit Handtasche, er mit Krückstock. „Das ist eine Art Pilotprojekt“, sagt Diedrichsen zu seinem alten Ehepaar, das er in Holz verewigt hat. „Eigentlich hatte ich Schiffstahl angedacht“, verrät Diedrichsen, der in Friedrichstadt geboren wurde und auf Sylt aufwuchs. Seit 2005 hat er ein Atelier in Klein Nordende, und so liegt ihm die Verkehrssicherheit in seiner neuen Heimat besonders am Herzen.

Mit Hilfe von Farbe verpasste er dem Holz einen Stahl-Look. Vier Tage Arbeit habe er in das Fertigen der Holzfiguren investiert, so Diedrichsen, „inklusive Aussägen“. Weitere Figuren sollen folgen. Angedacht ist ein kleiner Teufel mit feuerroten Augen sowie ein Fahrrad mit dem Slogan „Bum fat not oil“. Das Projekt ist ein Ergebnis des Ortsentwicklungskonzeptes, an dem Klein Nordender Bürger in mehreren Themengruppen monatelang gearbeitet hatten (wir berichteten). Ziele der Verkehrsgruppe waren unter anderem eine bessere Verkehrslenkung, die Erweiterung des ÖPNV-Angebotes, und die Umsetzung des Kunstprojektes von Diedrichsen. Carsten Wittmaack

aus den Elmshorner Nachrichten vom 24.10.2017

Erstsemester in der Kalkgrube

GEOWISSENSCHAFTEN Studenten der Uni Hamburg erkundeten zu Studienbeginn das Naturschutzgebiet

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KLEIN NORDENDE „Nehmen Sie so viel Gelände mit, wie Sie können. Betteln Sie so lange, bis Sie mit dürfen.“ Diesen Rat gab Schutzgebietsreferent Roland Vinx den neuen Geowissenschaftsstudenten der Universität Hamburg mit auf den Weg. Betteln mussten die Erstsemester an diesem Tag nicht lange. Professorin Eva-Maria Pfeiffer vom Institut für Bodenkunde hatte sie gleich an ihrem zweiten Tag an der Universität zu einer praktischen Orientierungseinheit in die Liether Kalkgrube in Klein Nordende eingeladen. Hier erfuhren die Studenten aus erster Hand, wie es ist, einen Salzstock in 30 Metern Tiefe zu erforschen oder anhand von Gesteinsschichten die Erdgeschichte zu entdecken.

en 231017bGleich nach der Begrüßung sagte Pfeiffer: „Geowissenschaften sind ein tolles Fach. Heute erhalten Sie einen ersten allgemeinen Einblick.“ Gemeinsam mit Roland Vinx vom Naturschutzgebiet Liether Kalkgrube und Hans-Joachim Wohlenberg von der Gemeinschaft zur Erhaltung von Kulturgut in Tomesch zeigte Pfeiffer zunächst anhand von Karten die Entstehung des Geotops. Wohlenberg und Vinx wiederum schilderten die Entwicklung der ehemaligen Abbaugrubc von Düngekalk hin zum Naturschutzgebiet und Nationalen Geotop. Auch erinnerten sie an die Tiefbohrung von 1872. Dieser Einführung folgte dann der Rundgang durch die Kalkgrube. Die Studenten bekamen dabei Gesteinsschichten zu sehen, die normalerweise in etwa sechs bis sieben Kilometern Tiefe verborgen sind. Als Teil eines Salzstocks sind diese geowissenschaftlichen Besonderheiten im Liether Moor bis an die heutige Erdoberfläche aufgestiegen.

ln der Liether Kalkgrube tauchten die Studenten schließlich etwa 30 Meter tief in den Salzstock, der von Elmshorn bis Tomesch reicht, ein. Reste von Gipsgestein, Kalk, Sand und Tonstein aus dem Perm sind dabei ebenso zu sehen wie der Kupferschiefer, der als schwarzes Band in der felsigen Ostwand der Kalkgrube zu erkennen ist. Die Studenten konnten nach diesem Orientierungstag feststellen: Die Kalkgrube ermöglicht zusammen mit einem Findlingsgarten im Eingangsbereich einen beeindruckenden Rückblick auf Ereignisse aus 1,9 Milliarden Jahren Erdgeschichte. Meike Kamin

aus den Elmshorner Nachrichten vom 23.10.2017

Klönschnack, Frühstück und Büchermarkt

KLEIN NORDENDE Beim Landfrauenverein Nordende und Umgebung reiht sich zurzeit eine Veranstaltung an die nächste. Kaum waren die Damen von ihrer Tour nach Quedlinburg zurückgekehrt, stand schon etwas Neues auf dem Programm: Ein gemeinsames Frühstück mit einem Büchertauschmarkt.

Die Idee dahinter: Ein gemütliches Treffen zum Plaudern und Austauschen, ohne still einem Vortrag zu lauschen. Deshalb beschloss das Vorstandsteam, seine Mitglieder ins Klein Nordender Töverhuus einzuladen.

Jede teilnehmende Landfrau sollte drei Bücher mitbringen, die sie im Rahmen des Marktes gegen anderen Lesestoff eintauschen konnte. Der Büchertauschmarkt kam bei den Anwesenden ausgesprochen gut an. Auch das leckere Frühstück und die Zeit zum Klönen machten den Frauen sichtlich Spaß oder, wie Pressewartin Ulrike Rösch es formulierte: „Landfrauen haben sich immer etwas zu erzählen. Die Damen haben sich bei der Veranstaltung spürbar wohl gefühlt.“ mka

aus den Elmshorner Nachrichten vom 20.10.2017