Neuer Blick übers Liether Moor

AUSSICHTPLATTFORM Vereine und Politik realisieren Konzept / Naturlehrpfad mit Infotafeln soll Besucher anlocken

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KLEIN NORDENDE Plattes Land, irgendwo weiter hinten Bäume und ein paar Kühe. Für das norddeutsche Auge nichts Ungewöhnliches und auf den ersten Blick auch nicht besonders aufregend. Dass es im Liether Moor dennoch einiges zu entdecken gibt, beweist der neue Naturlehrpfad samt Aussichtsplattform in Klein Nordende. Am vergangenen Sonnabend wurden beide offiziell mit Vertretern der Gemeinde und der beteiligten Vereine eingeweiht.

Besagte Aussichtsplattform und 24 Infotafeln sind an verschiedenen Punkten im Liether Moor zu finden. Für die Tafeln sind regionale Vereine verantwortlich, namentlich der Arbeitskreis Liether Kalkgrube, der Betreuungsverein Liether Moor, die Jagdvereinigung Klein Nordende und der Verein für extensive Robustrinderhaltung im Liether Moor. Mit ihnen wollen die Vereine und die Gemeinde über Flora, Fauna sowie Land- und Forstwirtschaft in der Region aufklären und den Betrachtern ein Gefühl für die unmittelbare Umwelt vermitteln.

„Sinn der Geschichte ist es“, so Hans-Berthold Schinckel, Bürgermeister von Klein Nordende, „die Leute, die interessiert sind, zu den Orten zu fuhren und sie so zu gestalten, dass sich jeder Gedanken über die Natur macht.“ Und das sei „gut gelungen“. Die Infotafeln führen dabei nicht auf einem Rundweg durch das Moor, sondern begegnen Spaziergängern quasi zufällig auf ihrem Weg. So vermitteln sie nebenbei etwas über die Umwelt oder regen zum Erkunden der Gegend an. „Viele Leute, die schon seit Jahren mit dem Fahrrad durch das Liether Moor fahren, bleiben jetzt auch mal stehen und gucken, was für eine Landschaft das eigentlich ist“, sagt Telse Ortmann, stellvertretende Vorsitzende des Umweltausschusses Klein Nordende. Außerdem werden die Infotafeln auch bei Führungen, die die Vereine in der Umgebungveranstalten, mit einbezogen.

Das Konzept für den Naturlehrpfad ist schon etwas älter: Bereits 1987 gab es erste Ideen dieser Art im Verein Liether Kalkgrube. Aber erst, als der Betreuungsverein Liether Moor 2010/2011 ein Biotop samt Infoschildem einrichtete, nahm auch der Naturlehrpfad in seiner heutigen Form Gestalt an. Zusammen mit Gemeinde und Vereinen wurde ein Konzept erstellt. 2015 konnten dann die Anträge an die Aktivregion Pinneberger Marsch und Geest gestellt werden. Insgesamt hat das Projekt 70000 Euro gekostet. Knapp die Hälfte wurde gefordert, den Rest trägt die Gemeinde Klein Nordende. Ortmann bedankt sich besonders bei den Vereinen für die gute Zusammenarbeit. Diese sehen auch hin und wieder nach dem Rechten. „Leider gibt es im Moor mehr Vandalismus, als uns lieb ist“, sagt Bürgermeister Schinckel.

Wer mehr erfahren möchte, kann sich einen Flyer mit Lageplan bei der Gemeinde, den Vereinen und an den Infotafel beschaffen. Oder an einer Führung der Vereine teilnehmen, zum Beispiel am Sonntag, 17. September. Dann bietet der Arbeitskreis Liether Kalkgrube zwischen 10 und 12.30 Uhr anlässlich des Tages des Geotops etwa halbstündlich kostenlose Führungen an. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Hendrik Pflaumbaum

aus den Elmshorner Nachrichten vom 11.09.2017

Viele kleine Feuerwehrleute

FEUERWEHRTAG Spieleparcours für Kinder und Jugendliche bei den Klein Nordender Brandbekämpfern

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KLEIN NORDENDE Vor zwei Jahren feierte Klein Nordendes Feuerwehr ihr 125-jähriges Bestehen. Der Trubel war groß, nur das Wetter spielte nicht recht mit. Und so wurden damals die wohl weltweit ersten „jubilympi-schen Spiele“ auf 2016 verschoben. Vor einem Jahr kamen die Großen bei der Ju-bilade voll auf ihre Kosten -nur die Jugend stand ein wenig im Abseits. Zum Ausgleich organisierte Klein Nordendes Wehr in diesem Jahr einen Feuerwehrtag, der ganz im Zeichen des Nachwuchses stand.

Acht Spielstationen hatten die Brandbekämpfer auf dem Schulgelände gegenüber der Feuerwache aufgebaut. „Der Platz bei uns hätte einfach nicht ausgereicht“, erklärte der stellvertretende Wehrfuhrcr Florian Schinckel. Am Anmeldestand konnten sich die teilnehmenden Jungen und Mädchen ihre Laufzettel abholen. Dann mussten Geschicklichkeit und Geschwindigkeit unter Beweis gestellt werden. Wer den Parcours erfolgreich hinter sich gebracht hatte, konnte sich auf einer Hüpfburg austoben, bei einem Wasserspiel sein Talent als Nach-wuchs-Brandbekämpfer unter Beweis stellen oder in einem Einsatzfahrzeug der Wehr eine Runde drehen. Apropos Nachwuchs-Brandbekämpfer: Die 20 Mitglieder der Klein Nordender Jugendwehr kümmerten sich an den einzelnen Spielstationen um die Teilnehmer. Wobei in Teams von zwei bis sechs Personen angetreten werden durfte und auch die Eltern vollen Einsatz - beispielsweise beim Schubkarre fahren samt Nachwuchs - zeigten.

Extra zum Kindertag hatte die Wehr die Anfangszeit von 15 auf l4 Uhr vorverlegt. Und damit die Kleinen rechtzeitig ins Bett kamen, war gegen 18 Uhr Schluss. Fürs leibliche Wohl wurde auch gesorgt: Warmes gab es vom Grill und der Förderverein bot Kaffee und Kuchen an und präsentierte ganz nebenbei den VW-Feuerwehrbus Baujahr 1955, der von 2013 bis 2015 umfangreich restauriert wurde.

Einer, der dabei tatkräftig mithalf, war Rainer Weers. „Das Fahrzeug ist jetzt wieder einsatzbereit“, sagte er mit stolzem Blick auf das feuerrote Gefährt, mit dem einst in Klein Nordende Brände gelöscht wurden. Carsten Wittmaack

aus den Elmshorner Nachrichten von 04.09.2017

Brandbekämpfer sind auch Party-Planer

Die Klein Nordender Feuerwehr macht sich auch für das Gemeindeleben stark / Organisation von drei Festen / Zusammenhalt durch Aktivitäten

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KLEIN NORDENDE Getreu nach dem Motto „Es gibt nur ein Klein Nordende“ wird Gemeinschaft bei der Wehr ganz großgeschrieben. „Ob Ehrenabteilung oder Jugend, bei uns ist jeder stark mit eingebunden“, so Wehrfiihrer Martin Höppner. Viele gemeinsame Aktivitäten, auch neben dem Dienstgeschehen, schweißen die Kameraden zusammen. Zudem richtet die Freiwillige Feuerwehr die drei größten Veranstaltungen des Dorfes aus. Die Bürger danken es ihnen: Viele Einwohner Klein Nordendes unterstützen die Wehr durch ihre Mitgliedschaft im Förderverein.

Das Familien-Osterfeuer, ausgerichtet vom Förderverein, lockt jeden Ostersonnabend rund 1000 Besucher an. Auch der „Tag der Feuerwehr“ ist beliebt, neben Fahrten im Feuerwehrwagen sowie Spiel und Spaß für Kinder gibt es abends ein gemütliches Beisammensein mit Musik. Der Tag dient aber auch der Brandschutzerziehung. „Wir haben hier schon Fett- und Spray-dosenexplosioncn vorgeführt und den Gästen in einem vernebelten Zelt gezeigt, wie man bei Rauch die Orientierung verliert“, erzählt der stellvertretende Wehrfiihrer Florian Schinckel. Und beim Frühlingsball schwingen jährlich rund 500 Besucher zu Live-Band und DJ das Tanzbein.

Jugendfeuerwehr und Ehrenmitglieder weiden immer stark mit cinbczogcn. „Die Ehrenabteilung ist jeden zweiten Dienstabend zum Klönen da und hilft bei der Ausbildung“, berichtet der Wehrführer. Ob Pfingstzeltlager, Kreisjugendfeuerwehrtag oder Ausflüge, für die Jugend wird immer was geboten.

Auch die Aktiven festigen ihre Kameradschaft durch gemeinsame Unternehmungen. Letztes Jahr fuhr der Vorstand zu einem Eishockey-Spiel der „Freezers“. Die Aktiven nehmen jährlich am Fußballspiel in Seester, dem Tomescher Blaulichtcup sowie dem Claus-Thies-Vollcyballtumier in Seeth-Ekholt teil. Außerdem fahren viele Kameraden zum Sommerfest der Partnerwehr Zempin auf Usedom. Zum 25. Bestehen dieser Partnerschaft pflanzten sie dort 2015 eine Blutbuche, den Baum des Jahres 1990. Und auch von Usedom kommen regelmäßig Gäste nach Klein Nordende.

Der Förderverein der Wehr ist etwas ganz Besonderes, denn in dem nur 1200 Haushalte zählenden Dorf hat er stolze 500 Mitglieder. Die Feuerwehr wird nach Leibeskräften unterstützt, ob durch die Anschaffung von Ausrüstungsgegenständen oder durch Finanzspritzen für gemeinsame Erlebnisse. Michaela Eschke


► Freiwillige Feuerwehr Klein Nordende

Adresse: Schulstraße 35, 25336 Klein Nordende
Wehrführer: Martin Höppner (Stellvertreter: Florian Schinckel)
Gründungsjahr: 1890
Stärke Einsatzabteilung: 60
Stärke Ehrenabteilung: 23
Stärke Jugendfeuerwehr: 20
Fahrzeuge: LF16/12 (22-48-01), LF10/6 (22-45-01), TSF(22-40-01), ELF (22-11 -01), MZF (22-18-01)
Einsätze im Jahr 2016: 23
Ansprechpartner Neumitglieder: Martin Höppner, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Ansprechpartner Jugendliche: Marcel Kuball, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Internet: www.feuerwehr-klein-nordende.de
Förderverein: www.foerderverein-feuerwehr-klein-nordende.de

aus den Elmshorner Nachrichten vom 02.09.2017

Ein Loch verhalf unserer Region zu Weltruhm

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KLEIN NORDENDE Den Preußen verdankt Klein Nordende einen Weltrekord, der heute fast in Vergessenheit geraten ist. Im 19. Jahrhundert ließen sie in Lieth, inzwischen Ortsteil des Elmshorner Nachbardorfes, das tiefste Loch der Welt bohren.

1338 Meter ging es auf der Suche nach Steinkohle in die Erde. Damit dieser Weltrekord nicht in Vergessenheit gerät, erinnert inzwischen ein Stein an diese historische Tiefbohrung.

Ein Loch machte Lieth einst weltberühmt

TIEFBOHR-WELTREKORD Gastautor Professor Roland Vinx berichtet, wie in Elmshorns Nachbardorf im 19. Jahrhundert nach Steinkohle gesucht wurde

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KLEIN NORDENDE Mit der Liether Kalkgrube besitzt die Gemeinde Klein Nordende eines der bedeutendsten geologischen Naturdenkmäler nicht nur Schleswig-Holsteins, sondern auch des gesamten Norddeutschen Tieflands. Damit aber nicht genug. Knapp 200 Meter nördlich der Liether Kalkgrube liegt eine Bohrstelle verborgen, die für die Geschichte der Geologie und der Tiefbohrtechnik von großer Wichtigkeit ist. Erst seit kurzem weist neben einem schon länger existierenden Erinnerungsstein auch eine Infotafel auf die besondere technische Leistung und die geologische Bedeutung hin. Die Tafel und der Stein stehen unmittelbar am 1,8 Kilometer langen Rundweg, der um die Liether Kalkgrube herumführt. Die Bohrstelle selbst liegt unter Ackerland und ist nicht erkennbar.

Teil der preußischen Tiefbohraktivitäten

Das Königreich Preußen ließ seit 1865 regelmäßig staatlich finanzierte Tiefbohrungen durchfuhren. Die Tiefbohrung Lieth, wie sie in der geologischen und technischen Fachliteratur heißt, steht in einer Reihe von vier aufeinander folgenden Tiefbohrweltrekorden, die alle im damaligen Staat Preußen unter Leitung des Oberbergrats Carl Köbrich (1843-1898) erzielt worden waren. Preußen gehörte Ende des 19. Jahrhunderts zu den führenden Ländern in der Entwicklung der Tiefbohrtechnik. Die vier Rekordbohrungen sind: Sperenberg (Land-kreis Teltow-Fläming, Brandenburg): 1867 bis 1871, 1271,6 Meter Endtiefe; Lieth: 1872 bis 1878, 1338 Meter Endtiefe; Schladebach (heute Ortsteil der Stadt Leuna, Saalekreis, Sachsen-Anhalt): 1880 bis 1886, 1748,4 Meter Endtiefe; Paruschowitz (Paruszowiec, ehemals preußischer Landkreis Rybnik, Oberschlesien): 1892 bis 1893, 2003 Meter Endtiefe.

Natürlich ging es bei den aufwändigen und teuren Bohrungen nicht um das Erzielen von Weltrekorden. Sie alle dienten der geologischen Grundlagenforschung und der Rohstofferkundung. In Sperenberg wurde Salz erwartet, das dann tatsächlich ab 90 Meter Tiefe durchgehend bis zur Endtiefe ange-trolfen wurde. In Lieth erfüllte sich eine nach damaligem geologischem Kenntnisstand plausibel erscheinende Aussicht auf Steinkohle nicht. Auch in Schladebach wurde die Hoffnung auf abbauwürdige Steinkohle enttäuscht. In Paruschowitz, im oberschlesischen Kohlerevier, wurde hingegen erwartungsgemäß eine Abfolge von Steinkohleflözen angetroffen.

Die Technik für die vier aufeinander folgenden Tief-bohr-Weltrekorde stammte von der preußischen fiskalischen Zentralbohrschmiede in Schönebeck/Elbe im heutigen Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt. Die Zentralbohrschmiede war dort entstanden, weil es in Schönebeck und Umgebung einen großen Bedarf für Bohrungen in den Untergrund gab. Die Bohrungen dienten der Gewinnungvon Salzsole. Heute erinnert noch ein Gradierwerk im Schönebecker Stadtteil Bad Salzelmen an die historische Gewinnung von Salz aus Salzsole und damit an dieselbe Institution, die auch die Technik für die Tiefbohrung Lieth bereitgestellt hatte.

Ziel der Bohrung von Lieth

en 250817cDie Hoffnung auf Steinkohle in erreichbarer Tiefe im Liether Untergrund gründete auf das Vorkommen roter, toniger, zum Teil auch feinsandiger Gesteine an der Erdoberfläche. Diese wurden seit Mitte des 19. Jahrhunderts an der Lokalität Roter Lehm zur Ziegelherstellung abgebaut. Nach einem Bericht des Holsteiner Agrarwissenschaftlers und Geologen Ludwig Meyn (1820-1878) aus dem Jahr 1857 hatten einige Bergleute bei den Behörden der Grafschaft Rantzau die Erlaubnis zur „Nachsuchung von Steinkohlen“ beantragt. Bald danach wurde beim Wirtshaus Grauer Esel eine mindestens 50 Meter tiefe Bohrung betrieben. Sie erbrachte roten Ton, jedoch keine Kohle. Nachdem Ludwig Meyn Ende der 1850er Jahre den roten Ton zunächst noch in das Erdzeitalter Trias gestellt hatte, war es später sein Verdienst, ihn als Ablagerung aus dem Erdzeitalter Perm richtig eingestuft zu haben. Weil das Perm in der Abfolge der Erdzeitalter und damit normalerweise auch der Erdschichten auf das Karbon folgt, durfte nun in Lieth in nicht zu großer Tiefe doch mit einiger Berechtigung Kohle erhofft werden. Die direkt unter dem Perm liegenden Schichten des Oberkarbon sind häufig kohleführend.

Daher war es nach damaligem Kenntnisstand sinnvoll, durch eine tiefe Bohrung den Untergrund auf das mögliche Vorkommen von Steinkohle zu untersuchen. Im Falle eines Erfolgs wäre das Gebiet zwischen Elmshorn und Tornesch ein Bergbau- und Industriegebiet geworden.

Die Tiefbohrung Lieth verlief völlig anders als erhofft. Dies lag letztlich daran, dass die Existenz von Salzstöcken noch unbekannt war. Das rote, permische Gestein bildete nicht die erwartete, flache Überdeckung auf Karbonschichten. Stattdessen war die Bohrung mitten auf einer aus großer Tiefe aufragenden Aufbeulung aus Salz und salzdurchsetztem Ton angesetzt, auf einem Salzstock. Statt Kohle traf die Bohrung daher bis zur Endtiefe durchgehend salzführendc Gesteine und massives Salz an. Mehrfach quoll Salzlauge aus dem Bohrloch, ln 1338 Meter Tiefe war die Basis des Salzstocks noch lange nicht er-reicht. Selbst auf weiteren 400 Metern Bohrstrecke hätte sich nichts Wesentliches geändert. Nur einmal enthielt das Bohrgut Kohlebrocken. Schnell kam jedoch heraus, dass Witzbolde einen Streich gespielt hatten. Sie hatten Kohle in das Bohrloch geworfen.

Besondere Bedeutung für die Geologie

Es ist lange bekannt, dass in tiefen Höhlen und Bergwerken die Gesteinstemperatur mit der Tiefe zunimmt. Aber nur tiefe Bohrlöcher bieten die Möglichkeit systematischer und präziser Temperaturmessungen mit der Tiefenzunahmc. Dies geschah erstmals in der Tiefbohrung Sperenberg. Durch Bohrloch-Temperaturmessungen in Lieth wurden die Sperenberger Ergebnisse bestätigt. Erst dadurch wurde gezeigt, dass das Ausmaß der Temperaturzunahme mit der Tiefe recht einheitlich ist (geothermische Tiefenstufe). So nimmt in Lieth in den tiefsten 500 Bohrmetern die Temperatur um durchschnittlich 3,4 Grad Celsius pro 100 Meter zu. In 1265 Meter Tiefe wurde eine Temperatur von 47,5 Grad Celsius gemessen. Die maßgeblich durch die Messungen in den Bohrlöchern Sperenberg und Lieth ermittelte geothermische Tiefenstufe gehört heute zum Grundbestand des Wissens über die Erde.

Parallelprojekt in Stade

Eine 1872 zeitgleich mit der Tiefbohrung Lieth unternommene, seichtere Bohrung auf dem Salzstock Stade war anders als die viel aufwändigere Bohrung Lieth hinsichtlich des angestrebten Bohrziels (Salz) erfolgreich. Dies lässt sich als „Ungerechtigkeit“ ansehen,denn in Stade war der gleiche rote Ton wie in Lieth in einem weitgehend baugleichen Salzstock wie in Lieth noch 1872 fälschlich als Oberer Buntsandstein (Untertrias) eingestuft worden. Auf Salz wurde gehofft, weil der Obere Buntsandstein in Norddeutschland tatsächlich oft Salz enthält. Trotz der falschen geologischen Einstufung des roten Tongesteins hatte das Stader Bohrprojekt im Gegensatz zu dem von Lieth den erwünschten Erfolg. Ohne es zu wissen war in einen Salzstock hineingebohrt worden. Das Stader Salz, das wie das von Lieth dem Perm und nicht dem Buntsandstein angehört, war Grundlage der Entstehung der 130 Jahre lang bis 2003 betriebenen Stader Saline. Hier hat ein falscher geologischer Befund zum gewünschten Ergebnis geführt. Spätere Bohrungen der Stader Saline auch in Lieth führten nicht zur Begründung einer Salzindustrie.

Bitte an die Leser unserer Zeitung

Trotz intensiver Fahndung konnten bisher weder ein Foto noch eine Zeichnung von der Liether Tiefbohrung ermittelt werden. Es ist zu hoffen, dass solche Fotos oder Zeichnungen noch existieren. Wenn Sie solch ein Foto oder eine Zeichnung besitzen, wäre der Autor dieses Beitrags dankbar, eine Kopie anfertigen zu dürfen. Auch von der in Lieth eingesetzten Bohranlage an ihrem ersten Einsatzort Sperenberg konnte trotz intensiver Bemühungen kein authentisches Bildmaterial aufgefunden werden. Die Re daktion stellt gern den Kontakt zum Autoren her. Melden Sie sich per Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Roland Vinx (Der Gastautor ist Professor für Mineralogie und Diplom-Geologe.)

 

INFO BOHRTECHNIK UND BOHRVERFAHREN

en 250817dDer in Lieth eingesetzte Bohrturm, die gesamte Bohrausrüstung und die Antriebs-Dampfmaschine wurden von der Bohrung Sperenberg übernommen. Als Bohrverfahren wurde ein damals noch übliches Verfahren angewandt. Das Bohrgut wurde dabei von einem Fallmeißel an der Bohrlochsohle zerkleinert, mit einer Löffeleinrichtung geborgen und nach oben befördert. Bis in 369 Meter Tiefe wurde das Bohrloch verrohrt. An der Bohrstelle arbeiteten durchgehend in zwölfstündigen Schichten je sechs Arbeiter. Die Förder-Dampfmaschine hatte eine Leistung von 50 PS.

Das Meißelwerkzeug hatte ein Fallgewicht von 350 Kilogramm. Die Kosten der Bohrung waren in Mark:
Löhne: 93878;
Brennmaterial: 77 518;
Betriebsmaterial: 9200;
Betriebswerkzeuge und Vorrichtungen: 75480.
Gesamtsumme: 256076 Mark. Das entspricht etwa zwei Millionen Euro.

aus den Elmshorner Nachrichten vom 25.08.2017

Klein Nordender wandert für guten Zweck

ELMSHORN/KLEIN NORDENDE Eine Woche lang ist der Klein Nordender Philipp Raabe (Foto) quer durch Schleswig-Holstein gewandert. Auf seinem 220 Kilometer langen Weg von Flensburg nach Elmshorn warb der 25-Jährige für Spenden für Oxfam Deutschland, eine globale Nothilfe- und Entwicklungsorganisation. Über seine Erlebnisse  und Eindrücke sprach er mit unserer Zeitung.

Am Ende sei er zwar froh gewesen, endlich das Ziel in Elmshorn erreicht zu haben - Pläne für neue Touren gibt es aber bereits.

Für den guten Zweck durchs Land

FERSENGELD Der Klein Nordender Student Philipp Raabe wandert 220 Kilometer und ruft zu Spenden für Oxfam Deutschland auf

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Nach mehr als 220 Kilometern Fußmarsch blieb bei Philipp Raabe am Ende die Erkenntnis: Gute Socken sind durch nichts zu ersetzen. Eine Woche lang war der 25-jährige Klein Nordender unter dem Motto „Schleswig-Holstein von Nord nach Süd“ für den guten Zweck auf Schusters Rappen unterwegs. Gestartet in Flensburg, führte der Weg des Studenten, der Soziale Arbeit in Kiel studiert, in jeweils 25 bis 45 Kilometer langen Etappen über Schleswig, Husum, Tönning, Heide, Friedrichskoog und Brunsbüttel zurück in seine Heimat nach Elmshorn.

Über seine Erlebnisse und Eindrücke berichtete Raabe dabei regelmäßig im Internet unter dem Seitennamen „Fersengeld“ bei Facebook sowie auf seiner Website www.fersengeld.blog. „Die Idee dazu ist im Frühjahr entstanden. Deutschland durchwandern, Menschen begegnen und dabei auch noch Gutes tun, das sind die Eckpfeiler für das Projekt Fersengeld“, erläutert Raabe, der mit dieser Aktion zu Spenden für Oxfam Deutschland, einer globalen Nothilfe- und Entwicklungsorganisation, aufruft.

Gerade aber auch der Kontakt mit Land und Leuten waren ihm dabei wichtig. „In den ersten Tagen bin ich beispielsweise mit Björn aus Tomesch unterwegs gewesen. Er hatte in der Zeitung von meinem Vorhaben gelesen und spontan seine Sachen gepackt, um mich ein Stück des Weges zu begleiten“, berichtet Raabe. Übernachtet wurde in Jugendherbergen und Pensionen, aber auch inmitten von Studenten-WGs und Familien, die auf seine Aktion aufmerksam wurden und ihm über die sozialen Medien Schlafgelegenheiten anboten.

en 220817b„Es war toll zu erleben, dass völlig fremde Menschen mich zu sich ins Haus einladen und ein Bett anbieten. In Heide sind wir von unserer Gastgeberin morgens mit frischen Pfannkuchen geweckt worden, sowas vergisst man nicht.“ Auf der anderen Seite waren es die kilometerlangen Strecken entlang des menschenleeren Nordseedeichs, die Zeit zum Nachdenken und zur inneren Ruhe boten.

Im Elmshomer Steindammpark wurde Raabe am Ende der 45 Kilometer langen Schlussetappe schließlich von seiner Familie in Empfanggenommen. „Ich bin kein besonders geübter, regelmäßiger Wanderer und die Blasen haben sich hartnäckig an meinen Füßen gehalten. Natürlich war ich froh, am Ziel angekommen zu sein. Aber schon wenige Stunden später, beim Grillen mit meiner Familie im heimischen Garten, kam bei den Erzählungen schon wieder ein wenig Wehmut auf“, sagt Raabe. Für ihn ist das Projekt Fersengeld noch lange nicht Geschichte.

Ideen für weitere Touren gebe es zur Genüge: „Vorstellen könnte ich mir auch Themenwanderungen, beispielsweise im Advent zu Weihnachtsmärkten in verschiedenen Städten.“    Kay Stieler

SPENDENAKTION ZUM PROJEKT

Philipp Raabe bittet um Spenden für das Oxfam Deutschland: Oxfam Deutschland e.V.

IBAN: DE87 3702 0500 0008 0905 00 BIC: BFSWDE33XXX

Bank für Sozialwirtschaft Verwendungszweck „Fersengeld“, mehr zum Projekt „Fersengeld“ unter:

facebook.com/fersengeldwanderer oder www.fersengeld.blog

aus den Elmshorner Nachrichten vom 22.08.2017